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Pflegedienste unter Druck: Löhne steigen, Finanzierung stockt

Die Gehälter in der Pflege sind seit 2020 deutlich gestiegen – ein Zeichen gesellschaftlicher Anerkennung. Doch für viele ambulante Einrichtungen bedeutet dies eine massive wirtschaftliche Belastung. Eine Analyse von Janine Peine, Leitung ETL ADVISION, in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift Häusliche Pflege zeigt die Folgen und mögliche Auswege.

Janine Peine, Leitung ETL ADVISION Foto: ETL ADVISION

Seit 2020 haben sich die Gehälter in der Pflegebranche spürbar erhöht. Der Pflegemindestlohn für Fachkräfte mit mindestens einjähriger Ausbildung stieg in fünf Jahren um fast 53 Prozent – von 11,35 Euro (West mit Berlin) auf 17,35 Euro ab Juli 2025. „Das einheitliche Ziel ist klar und wichtig – Pflegekräfte besser zu bezahlen“, betont Autorin Janine Peine in ihrem Artikel für die Häusliche Pflege.

Doch mit der Einführung der Tariftreuepflicht im September 2022 hat der Pflegemindestlohn an Relevanz verloren. Einrichtungen müssen seitdem mindestens nach Tarif oder regional üblichen Entgelten zahlen – Summen, die weit über dem Mindestlohn liegen. Für viele ambulante Dienste hat das dramatische Folgen: Die Personalkostenquote stieg von durchschnittlich 67 Prozent im Jahr 2020 auf 72 Prozent im Jahr 2023. 2024 lag sie noch immer bei 70,7 Prozent (Quelle: Wirtschaftsmonitor ambulante Pflege).

Ein Problem: Die versprochene Refinanzierung durch die Kostenträger greift oft zu langsam und nicht in vollem Umfang. „Die zugesagte Refinanzierung der Gehaltssteigerungen kommt nur unzureichend und zeitlich stark verzögert bei vielen Einrichtungen an“, warnt Peine. Für kleinere Pflegedienste ohne Rücklagen kann das existenzbedrohend sein.

Weitere Lohnanstiege in Sicht – und Wege aus der Kostenspirale

Die nächste Stufe der Tariftreuepflicht steht schon bevor: 2026 werden neue Entgeltniveaus greifen, mit erwarteten Steigerungen von 6 bis 10 Prozent. Damit droht ein weiterer Anstieg der Personalkostenquote – ohne Garantie auf eine zeitgerechte Gegenfinanzierung.

Um den wachsenden Kostendruck zu bewältigen, skizziert Peine mehrere Handlungsfelder:

  • gerechtere Refinanzierung: schnellere und einfachere Verfahren, damit Gelder tatsächlich bei den Diensten ankommen.
  • professionelle Finanzbuchhaltung: als Basis für Verhandlungen mit Kostenträgern und für bessere Steuerung der Wirtschaftlichkeit.
  • Optimierung interner Prozesse: effizientere Tourenplanung, digitale Lösungen und bessere Organisation zur Entlastung.
  • Kooperationen und Wachstum: Zusammenschlüsse mehrerer Dienste oder ein breiteres Leistungsangebot können Risiken reduzieren und Stabilität erhöhen.

„Einen Königsweg gibt es wohl nicht. Doch mehr denn je ist die unternehmerische Ausrichtung und die Kenntnis der eigenen Finanzsituation unabdingbar für die stabile und zukunftsfähige Einrichtungsführung“, so Peine.

Eventtipp

Erleben Sie Expertise von ETL ADVISION zusammen mit pflegemarkt.com beim KAI-LUNA-Kongress am 10. September um 13:30 Uhr in Essen: „Pflegemarkt in Bewegung –
Analysen und Meinungen“, Referenten: Sebastian Meißner, pm pflegemarkt.com GmbH, Nadine Kleinsteinberg, ETL ADVISION.

Programm und Anmeldung KAI-LUNA