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Pflegeheime in Braunschweig vor Engpass – Stadt setzt auf neue Versorgungsmodelle
Die Pflegeheime in Braunschweig steuern auf eine deutliche Überlastung zu. Die Einrichtungen sind aktuell zu 94 Prozent ausgelastet, teilte die Stadt mit. Von 3146 vollstationären Plätzen seien im Januar nur wenige frei gewesen – vor allem wegen Fluktuation, baulicher Maßnahmen und einfach belegter Doppelzimmer, weniger aufgrund des Fachkräftemangels. Um die stationäre Versorgung zu entlasten, setzt Braunschweig zunehmend auf quartiersnahe und hybride Versorgungsmodelle.
Die Pflegeheime in Braunschweig steuern auf eine deutliche Überlastung zu. Die Einrichtungen sind aktuell zu 94 Prozent ausgelastet, teilte die Stadt mit. Von 3146 vollstationären Plätzen seien im Januar nur wenige frei gewesen – vor allem wegen Fluktuation, baulicher Maßnahmen und einfach belegter Doppelzimmer, weniger aufgrund des Fachkräftemangels.
Angesichts der demografischen Entwicklung erwartet die Kommune jedoch eine Verschärfung. Laut Landespflegebericht wird die Zahl der über 80‑Jährigen in den kommenden 15 Jahren um rund 20 Prozent steigen. Sozialdezernentin Christina Rentzsch warnt vor einer „sich abzeichnenden Pflegekrise“. Insbesondere in der vollstationären Versorgung drohten Engpässe.
Ein weiterer Druckpunkt: Die Investitionsbereitschaft für neue Heimplätze sinkt. Betreiber kämpften mit gestiegenen Betriebskosten und geringeren Renditen. Neubauten seien wirtschaftlich nur ab einer Größe von etwa 100 Plätzen sinnvoll, erklärte Martin Klockgether, Leiter des Fachbereichs Soziales und Gesundheit. Gleichzeitig werde der Fachkräftemangel die Lage weiter zuspitzen.
Die Stadt sieht sich selbst nur in einer begrenzten Steuerungsrolle. Als Kommune könne sie „nicht direkt in das Marktgeschehen eingreifen“, so Rentzsch gegenüber der Braunschweiger Zeitung. Allerdings nimmt Braunschweig verstärkt eine koordinierende und impulsgebende Funktion ein – etwa über eine Steuerungsgruppe Altenhilfe, Pflegeschulen-Kontakte und die kommunale Pflegekonferenz.
Orientierung bietet das „Krefelder Modell“
Um die stationäre Versorgung zu entlasten, setzt Braunschweig zunehmend auf quartiersnahe und hybride Versorgungsmodelle. Orientierung bietet das „Krefelder Modell“: Stationäre Einrichtungen öffnen sich ins Quartier und übernehmen auch ambulante Leistungen. Pflegekräfte unterstützen Seniorinnen und Senioren im häuslichen Umfeld; gleichzeitig nutzen Menschen aus der Nachbarschaft Angebote wie Mittagstisch, Bewegung oder Kurzzeitpflege. Die Erfahrungen aus Krefeld seien „sehr positiv“, berichtet Altenhilfeplaner Jan Weber.
Zudem sollen neue betreute Wohnformen entstehen, die ein längeres Verbleiben im häuslichen Umfeld ermöglichen. Entsprechende Konzepte wurden bereits mit der TU Braunschweig entwickelt. In den kommenden Monaten startet zusätzlich das Projekt „Gesundheitspflege im Quartier“. Nach dem Vorbild der Gemeindeschwestern sollen qualifizierte Fachkräfte in zwei Modellquartieren Bewohner eng begleiten, bei Leistungsanträgen unterstützen und präventive Angebote vermitteln.
Die Stadt rechnet damit, dass professionelle Strukturen allein die steigende Nachfrage künftig nicht mehr auffangen können. Rentzsch: „Fehlen Pflegekräfte, wird die Zivilgesellschaft stärker gefordert sein.“ Entscheidend seien funktionierende lokale Netzwerke, um Unterversorgung und Einsamkeit zu vermeiden.
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