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Pflegereport: Leistungsausweitung statt Alterung treibt Kosten

Laut aktueller Daten des Barmer-Pflegereports ist nicht die Alterung der Bevölkerung Hauptursache für den starken Anstieg der Pflegebedürftigkeit in Deutschland, sondern vor allem die Pflegereform von 2017. Die Einführung der Pflegegrade hat zu einer deutlichen Leistungsausweitung geführt – eine Herausforderung für die geplante Reform.

„Durch die leichtere Inanspruchnahme von Pflegeleistungen wurden immer mehr Menschen als pflegebedürftig anerkannt und haben frühzeitig Unterstützung erhalten“, erläutert Studienautor Prof. Dr. Heinz Rothgang von der Universität Bremen. Foto: David Ausserhofer

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland hat sich binnen weniger Jahre nahezu verdoppelt – von 3,0 Millionen im Jahr 2015 auf 5,7 Millionen im Jahr 2023. Wie der am Donnerstag (20.11.) in Berlin vorgestellte Pflegereport 2025 der Barmer zeigt, stieg der Anteil der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung damit von 3,21 auf 6,24 Prozent.

Demografischer Wandel spielt untergeordnete Rolle

Allerdings sind nur etwa 15 Prozent dieses Anstiegs auf die alternde Gesellschaft zurückzuführen. Von der Gesamtsteigerung um 3,03 Prozentpunkte macht die demografische Entwicklung lediglich 0,44 Prozentpunkte aus. „Die Aufwendungen in der Sozialen Pflegeversicherung steigen stark an. Das liegt weniger an der alternden Gesellschaft, sondern vielmehr an der Leistungsausweitung durch die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes im Jahr 2017“, erklärt Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer.

Reform von 2017 als Hauptursache identifiziert

Als Haupttreiber für den massiven Anstieg nennt der Report die Pflegereform von 2017 mit der Einführung der Pflegegrade. „Durch die leichtere Inanspruchnahme von Pflegeleistungen wurden immer mehr Menschen als pflegebedürftig anerkannt und haben frühzeitig Unterstützung erhalten“, erläutert Studienautor Prof. Dr. Heinz Rothgang von der Universität Bremen.

Die Analyse zeigt auch, dass bei allen untersuchten Erkrankungen wie Krebs, Demenz, Parkinson oder Herzinsuffizienz der Anteil der Pflegebedürftigen gestiegen ist. Bei Krebspatienten erhöhte sich die Quote von 11,4 Prozent (2017) auf 20,0 Prozent (2023), bei Demenzerkrankten von 68,1 auf 78,5 Prozent.

Herausforderung für den „Zukunftspakt Pflege“

Die Ergebnisse des Reports stellen die von der Gesundheitsministerkonferenz eingesetzte Bund-Länder-Arbeitsgruppe vor erhebliche Herausforderungen. Diese soll noch in diesem Jahr Eckpunkte für eine große Pflegereform vorlegen. Im Rahmen des „Zukunftspakts Pflege“ dürfen jedoch keine Vorschläge mit Mehrausgaben unterbreitet werden, soweit diese nicht unmittelbar auf die demografische Entwicklung zurückzuführen sind. Da der Barmer-Report zeigt, dass gerade nicht die Alterung, sondern die Leistungsausweitung den Kostenanstieg verursacht, steht die Arbeitsgruppe vor einer „Mammutaufgabe“, wie Straub betont. Er fordert, dass Bund und Länder stärker zur finanziellen Entlastung beitragen, etwa durch Übernahme der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige und Entlastung bei Investitions- und Ausbildungskosten.

bpa: Versorgungssicherheit muss im Mittelpunkt stehen

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) reagierte auf den Barmer-Report mit einem dringenden Appell. „Das sind nicht nur statistische Daten. Das sind Menschen, für die es derzeit keine ausreichenden Versorgungsangebote gibt“, betonte bpa-Präsident Bernd Meurer. Er verwies auf die „massive demografische Herausforderung“, die noch bevorstehe: Erst würden die Babyboomer durch ihren Renteneintritt in großer Zahl aus der Pflege ausscheiden, später selbst pflegebedürftig werden.

Meurer kritisierte, dass bereits jetzt keine neuen Versorgungsangebote entstünden, sondern vielmehr stationäre Plätze und ambulante Angebote verschwänden. Als Ursachen nannte er „unklare Rahmenbedingungen, unerträglich lange Zahlungsfristen der Sozialhilfeträger und unzureichende Maßnahmen des Gesetzgebers gegen den Personalmangel“. Der bpa fordert die Bund-Länder-AG auf, die Versorgungssicherheit in den Mittelpunkt der Beratungen zu stellen und schnelle Lösungen für Refinanzierung, Fachkräftesicherung und Entbürokratisierung zu finden.

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