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Pflegesatzverhandlungen: „Faktor Zeit wird zum wirtschaftlichen Risiko“

Das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) wird die Pflegesatzverhandlungen nach Einschätzung von Noah Beuth grundlegend verändern. Im Interview vor der Altenheim Digital Konferenz „Das PNOG kommt. Sind Sie bereit?“ am 29. Juli 2026 erläutert er, warum sich das wirtschaftliche Risiko zunehmend auf die Einrichtungen verschiebt. Träger sollten sich früher und mit belastbaren Nachweisen auf die Verhandlungen vorbereiten.

Noah Beuth

 

Welche Auswirkungen wird das PNOG auf die künftigen Pflegesatzverhandlungen haben?
Noah Beuth: Das PNOG wird die Rahmenbedingungen für Pflegesatzverhandlungen spürbar verändern. Insbesondere die geplante Aussetzung der Tariftreueregelung auf die Orientierung an der Grundlohnsumme werden dazu führen, dass Kostenträger diese künftig als Obergrenze für die Refinanzierung der Personalkosten betrachten. Damit verschiebt sich das wirtschaftliche Risiko zunehmend auf die Einrichtungen. Aus meiner Sicht liegt die eigentliche Tragweite des Gesetzesentwurfs vor allem in den praktischen Auswirkungen auf die Verhandlungen. Höhere Personalkosten werden künftig deutlich intensiver hinterfragt werden. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass die ohnehin langen Verfahrensdauern weiter zunehmen. Pflegesatzverhandlungen werden dadurch komplexer, dokumentationsintensiver und konfliktträchtiger.

Worauf sollten sich Einrichtungen bei der Vorbereitung besonders einstellen?
Beuth: Pflegeeinrichtungen sollten sich darauf einstellen, dass eine professionelle und frühzeitige Vorbereitung künftig noch wichtiger wird als bisher. Eine vorausschauende Analyse der Personal- und Sachkosten sowie deren Entwicklungen wird noch wichtiger sein, um sämtliche Kostensteigerungen auch zukünftig zu refinanzieren. Gleichzeitig sollten Einrichtungen ihre Investitionskosten und die Auswirkungen einer möglichen Zunahme von Sozialhilfeempfängern kritisch hinterfragen. Die Verschiebung der Leistungszuschläge wird dazu führen, dass der Anteil der Sozialhilfeempfänger weiter steigt und sich dadurch weitere Belastungen für die Einrichtungen ergeben. Ich empfehle außerdem, Pflegesatzverhandlungen deutlich früher anzustoßen als bisher. Wenn sich die Verfahren weiter verlängern, wird der Faktor Zeit zunehmend zu einem wirtschaftlichen Risiko.

Welche Argumente und Nachweise werden künftig entscheidend sein?
Beuth: Künftig werden belastbare Nachweise eine noch größere Rolle spielen. Einrichtungen müssen Personalkostensteigerungen nicht mehr nur beziffern, sondern nachvollziehbar belegen können. Entscheidend wird zudem sein, die Wirtschaftlichkeit der eigenen Kalkulation transparent darzustellen. Kostenträger werden verstärkt prüfen, ob beantragte Kostensteigerungen tatsächlich erforderlich sind. Pauschale Argumente werden hier nicht mehr ausreichen. Am Ende wird es nicht mehr darum gehen, ob Kosten entstanden sind, sondern ob deren Refinanzierung gegenüber den Kostenträgern schlüssig und nachvollziehbar begründet werden kann. Genau darin dürfte zukünftig einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren von Pflegesatzverhandlungen liegen.

Noah Beuth, Berater für Pflegesatz- und Investitionskostenverhandlungen, vertieft das Thema auf der Altenheim Digital-Konferenz am 29. Juli 2026.

Die Fragen stellte Ina Füllkrug.

Tipp: Das Online-Event „Das PNOG kommt. Sind Sie bereit?“ findet am 29. Juli 2026 von 10:30 bis 15:15 Uhr statt. Expert:innen wie Hannah Freisheim, Peter Sausen, Nadine Treff, Aldina Hanusa-Straßel und Noah Beuth diskutieren Risiken und Chancen und geben konkrete Empfehlungen für Ihre Einrichtung – kompakt und umsetzungsorientiert.

Hier geht’s zur Anmeldung.