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Pflegestudium: Macht ein akademischer Abschluss den Pflegeberuf attraktiver?

Akademisch ausgebildete Pflegekräfte sollen die Versorgung verbessern und den Beruf aufwerten. Ein Experte der Hochschule Hof argumentiert, dass ein Pflegestudium sogar Kosten im Gesundheitssystem senken könnte. Auch aus dem bayerischen Pflegeministerium heißt es: Internationale Studien zeigten, dass ein höherer Anteil an Pflegefachkräften mit Bachelorabschluss Vorteile für die Versorgung habe.

Foto: AdobeStock/Suteren Studio

Die Forderung nach mehr Attraktivität im Pflegeberuf ist nicht neu. Ein Weg, den Bayern seit einigen Jahren verfolgt, ist die Akademisierung: Pflegekräfte können einen Bachelorabschluss erwerben und sich damit für komplexe Versorgungsaufgaben qualifizieren. An der Hochschule Hof, Standort Bamberg, sind laut der Nachrichtenagentur dpa kürzlich entsprechende Studiengänge angelaufen. Doch die Debatte dreht sich vor allem um zwei Fragen: Wird der Pflegeberuf durch ein Studium tatsächlich attraktiver – und treibt das die ohnehin hohen Gesundheitskosten weiter in die Höhe?

Weniger Versorgungsabbrüche, weniger Kosten

Matthias Drossel, Professor für angewandte Gesundheitsversorgung an der Hochschule Hof, widerspricht der Annahme, dass akademisch ausgebildete Pflegekräfte das System verteuern. Im Gegenteil: Die Akademisierung biete ein „Rieseneinsparpotenzial im Bereich der Pflege- und Gesundheitskosten“, sagt er laut dpa. Sein zentrales Argument sind sogenannte Versorgungsabbrüche – etwa wenn Langzeitpatienten aus ihrer gewohnten Pflegesituation herausgerissen werden, weil ein Krankenhausaufenthalt nötig wird. Solche Brüche schadeten den Betroffenen und verursachten zusätzliche Kosten. Akademisch geschulte Pflegekräfte könnten dazu beitragen, diese Abbrüche zu vermeiden.

Auch das bayerische Pflegeministerium stützt diese Einschätzung: Internationale Studien zeigten, dass ein höherer Anteil an Pflegefachkräften mit Bachelorabschluss Vorteile für die Patientenversorgung habe, heißt es aus dem Haus von Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU).

Praxis statt Verwaltung – wofür das Studium ausbildet

Drossel betont, dass die akademische Ausbildung ausdrücklich auf die praktische Arbeit am Patienten ausgerichtet sei – nicht auf Stabsstellen oder Verwaltungsaufgaben. „Sie sollen am Patienten bleiben, der Fokus liegt auf das Interagieren mit den Patienten. Wir bilden für den Versorgungsprozess aus“, wird er zitiert. Schwerpunkte des Studiums liegen laut dem Experten bei der Versorgung von Menschen mit Demenz, Diabetes und Wunden. Die Einsatzfelder reichten von der Klinik über die Langzeitpflege bis zur ambulanten Versorgung.

Ein wesentlicher Aspekt sei dabei die Fähigkeit, komplexe Versorgungssituationen zu analysieren und die medizinisch-pflegerische Planung zu übernehmen. Zudem seien Absolventen beratend für Kolleginnen und Kollegen tätig. Die Akademisierung erweitere Kompetenzen und Befugnisse der Pflege und ermögliche evidenzbasierte Entscheidungen – also Maßnahmen, die wissenschaftlich und durch Studien begründet werden. Drossel sieht darin auch einen Statusgewinn: „Pflege wird gehört, man diskutiert auf Augenhöhe mit Fachbereichen wie Medizin oder sozialer Arbeit.“

Kein Gegeneinander von Ausbildung und Studium

Der Wissenschaftler weist den Vorwurf zurück, das Studium werde gegen die klassische Pflegeausbildung ausgespielt. Vielmehr müssten alle Qualifikationsstufen zusammenwirken – von der Assistenz über die ausgebildete Fachkraft bis zur akademischen Fachkraft. „Wir wollen Spezialisten für alle Felder in der Pflege“, sagt Drossel laut dpa. Was aber genau sollen jene Absolventen in der Pflegebranche machen, wenn sie ihr Studium an der Hochschule Hof absolviert haben? Die Felder reichten von der Klinik über Langzeitpflege bis hin zur ambulanten Versorgung, sagt Drossel. Schwerpunkte seien Patientinnen und Patienten mit Demenz, Diabetes und Wunden.

Ein weiteres Argument für regionale Studienplätze ist die Versorgungslage auf dem Land. Wer in seiner Heimatregion studieren könne, müsse nicht für die Ausbildung abwandern und bleibe eher vor Ort. Das stärke die pflegerische Versorgung in ländlichen Gebieten, so Drossel.

Politischer Rückenwind und steigende Zahlen

Bayerns Gesundheitsministerin Gerlach bezeichnet das Pflegestudium als „entscheidenden Schritt in Richtung einer Akademisierung und Professionalisierung des Berufsfelds“ und als wichtige Ergänzung zur beruflichen Ausbildung. Angesichts zunehmend komplexer Versorgungsstrukturen sei es nötig, den Pflegeberuf aufzuwerten und attraktiv zu gestalten, so die CSU-Politikerin.

An neun Standorten in Bayern können Pflegestudierende derzeit den Abschluss „Bachelor of Science“ erwerben. Das Pflegestudium startete 2020 offiziell in Deutschland. Laut dem Ministerium liegt die Zahl der Pflegestudierenden im Freistaat aktuell bei knapp 370, der überwiegende Teil ist nach Angaben der Pflegeausbildungsfonds Bayern GmbH weiblich. Über das Pflegestudiumstärkungsgesetz erhalten Studierende eine Vergütung. Steigende Immatrikulationszahlen deuteten laut Gerlach darauf hin, dass das Angebot gut angenommen werde.