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RKI-Bericht: Jeder dritte pflegende Angehörige fühlt sich stark belastet

Rund 13 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer in Deutschland pflegen Angehörige. Das Robert Koch-Institut warnt vor einem Anstieg der Pflegebedürftigen um 30 Prozent und fordert mehr Prävention.

Pflegende Angehörige Rollstuhl
Foto: Peter Maszlen/AdobeStock

Die Pflege in Deutschland ruht zu großen Teilen auf den Schultern von An- und Zugehörigen. Diese Last wird zunehmend als drückend empfunden. Laut einem neuen Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Pflegebedürftigkeit, der auf Daten des RKI-Panels 2024 basiert, gibt ein Drittel der pflegenden Personen an, sich stark oder sehr stark belastet zu fühlen. Befragt wurden für diesen Themenkomplex mehr als 27.000 Personen, von denen rund 10 Prozent angaben, Pflege zu leisten.

Demografischer Druck und steigende Zahlen

Im Jahr 2023 erhielten laut RKI 6,8 Prozent der Menschen in Deutschland Leistungen aus der Pflegeversicherung: 5,9 Prozent ambulant und 1,0 Prozent stationär. Seit 1999 steigt der Anteil der Pflegebedürftigen kontinuierlich an, wobei der Zuwachs nahezu vollständig auf den ambulanten Bereich entfällt. Auf Basis der derzeitigen Bevölkerungszusammensetzung schätzen die RKI-Forschenden, dass die Zahl der Pflegebedürftigen durch den demografischen Wandel um etwa 30 Prozent zunehmen wird. Gleichzeitig gerieten die Ressourcen in der professionellen Pflege unter Druck.

Die soziale Lage spielt nach Einschätzung des RKI eine zentrale Rolle für die Entwicklung von Pflegebedürftigkeit. Soziale Unterstützung, die nach den Befragungsergebnissen 37,3 Prozent der Erwachsenen erfahren, könne sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Frauen, Menschen aus sozioökonomisch benachteiligten Gruppen sowie Personen mit Migrationsgeschichte sind dem Bericht zufolge signifikant häufiger von gesundheitlichen und funktionalen Einschränkungen betroffen. Physische und psychosoziale Belastungen in Alltag und Beruf, denen sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen besonders ausgesetzt seien, erhöhten das Risiko für chronische Erkrankungen und frühe Pflegebedürftigkeit.

Funktionale Einschränkungen als Vorboten

Nicht nur Krankheiten, sondern auch funktionale Einschränkungen gelten laut RKI als Vorboten von Pflegebedürftigkeit und sie sind in Deutschland weit verbreitet. 38 Prozent der Erwachsenen berichteten über Einschränkungen bei alltäglichen Tätigkeiten in den vergangenen sechs Monaten. 16 Prozent gaben Verschlechterungen des Gedächtnisses an. Bei den ab 65-Jährigen leiden 65 Prozent unter Multimorbidität, 23 Prozent stürzten im vergangenen Jahr mindestens einmal.

Auch verhaltensbezogene Risikofaktoren weisen aus Sicht des Instituts erhebliche Defizite auf: Etwa drei Viertel der Älteren bewegen sich nicht ausreichend, essen weniger Obst und Gemüse als empfohlen oder sind übergewichtig. Hier sieht der Bericht „viel Raum für Ausbau vor allem gesundheitspolitischer und struktureller Maßnahmen“.

Forderung nach Prävention auf mehreren Ebenen

Das Fazit der RKI-Forschenden ist deutlich: Dem weiteren Anstieg der Pflegebedürftigen müsse mit evidenzbasierter Prävention und Gesundheitsförderung begegnet werden. Neben Maßnahmen der Primärprävention brauche es in den höheren Altersgruppen auch Sekundär- und Tertiärprävention, die zum längeren Erhalt der selbstständigen Lebensführung beitragen. Gefordert werden zudem eine bessere Risikoerkennung bei drohender Pflegebedürftigkeit sowie eine deutlich stärkere Entlastung pflegender An- und Zugehöriger.

Datengrundlage des Berichts ist das RKI-Panel, eine Anfang 2024 gestartete Studienreihe, für die rund 40.000 Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren aus ganz Deutschland registriert sind. Über eine Befragungsplattform werden die Teilnehmenden wiederholt zu Gesundheitsthemen befragt.

Zum vollständigen Bericht des RKI.