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Maria Loheide: „Männer kommen in der Pflege schneller in die Führung“
Obwohl in der Pflege überwiegend Frauen arbeiten, sind Männer in Leitungspositionen überrepräsentiert. Maria Loheide, ehemalige Sozialvorständin der Diakonie Deutschland, nennt dafür strukturelle und kulturelle Gründe. Rollenbilder, Arbeitszeitmodelle und Auswahlprozesse beeinflussen demnach die Karrierechancen von Mitarbeitenden.
In der Pflege arbeiten laut Maria Loheide überwiegend Frauen, dennoch finden sich Männer überdurchschnittlich häufig in Leitungspositionen. „In der Pflege sind zu 65 bis 75 Prozent Frauen beschäftigt und zu 15 bis 20 Prozent Männer. Der Anteil der Männer an Führungspositionen liegt aber bei 25 bis 35 Prozent“, erklärt die frühere Sozialvorständin der Diakonie Deutschland im Interview mit der Frankfurter Rundschau. Das zeige, „dass Männer, die in der Pflege arbeiten, schneller und eher Leitungsfunktionen einnehmen“.
Ein Grund dafür sei laut Loheide die größere Sichtbarkeit von Männern in einem stark weiblich geprägten Arbeitsfeld. Weil sie seltener seien, „fallen sie auf“. Zudem würden ihnen häufig stereotyp Führungsqualitäten zugeschrieben. Dadurch würden Männer eher für Leitungsaufgaben in Betracht gezogen.
Rollenbilder und Vollzeitstrukturen begünstigen Karrieren
Neben Wahrnehmungseffekten spielen laut Loheide auch strukturelle Faktoren eine Rolle. Männer arbeiteten häufiger in Vollzeit, während Frauen öfter in Teilzeit tätig seien. Gleichzeitig halte sich in vielen Organisationen weiterhin die Vorstellung, „dass man in Leitungsfunktionen Vollzeit arbeiten muss – obwohl es tolle Teilzeitmodelle von Leitungen gibt“.
Diese Strukturen führten dazu, dass Männer in sozialen Berufen – etwa in der Pflege oder Kinderbetreuung – häufiger Karrierevorteile hätten und überproportional in Führungspositionen vertreten seien.
Frauen bewerben sich seltener auf Leitungsstellen
Auch unterschiedliche Bewerbungsstrategien spielen nach Einschätzung Loheides eine Rolle. Frauen seien häufig kritischer gegenüber der eigenen Qualifikation. Sie verweist auf ein Beispiel aus der Forschung: Wenn eine Stellenausschreibung zehn Kriterien enthält, zweifeln Frauen oft an ihrer Eignung, sobald sie eines davon nicht erfüllen. „Bei Männern ist das umgekehrt – wenn sie ein einziges erfüllen, halten sie sich für geeignet.“
Um mehr Frauen für Leitungsaufgaben zu gewinnen, müssten Organisationen sie gezielter ansprechen und unterstützen, etwa durch Coaching oder Netzwerke. Zudem seien bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie notwendig. Zwar verändere sich die Situation, so Loheide – „aber nur sehr, sehr, sehr langsam“. (Quelle: Frankfurter Rundschau)
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