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Tertianum übernimmt Senevita und wird zum dominanten Pflege-Konzern der Schweiz
Blick in die Schweiz: Tertianum übernimmt Senevita und wird damit zum größten Anbieter von Wohnen und Pflege im Alter in der Schweiz. Die Gruppe betreibt künftig insgesamt 140 Standorte, 6450 Pflegebetten und 4400 Wohnungen mit Dienstleistungen. Die Wettbewerbskommission Weko hat dem Deal bereits zugestimmt.
Die größte Übernahme im Schweizer Pflegemarkt ist besiegelt: Der Branchenführer Tertianum kauft die Nummer zwei Senevita für 250 Millionen Franken (etwa 267 Mio. Euro). Damit entsteht ein Konzern mit 140 Standorten und über 11.000 Mitarbeitende.
Die Wettbewerbskommission hat der Transaktion bereits zugestimmt, wie SRF berichtet. Mit dem Zusammenschluss kontrolliert Tertianum künftig rund sieben Prozent aller Pflegebetten in der Schweiz – insgesamt 6.450 Betten sowie 4.400 Wohnungen mit Dienstleistungen. Der kombinierte Jahresumsatz beläuft sich auf 1,1 Milliarden Franken.
Verkäuferin ist der französische Konzern Emeis, der früher unter dem Namen Orpea firmierte. Laut einer Mitteilung von Emeis fliesst der größte Teil der 250 Millionen Franken an Tertianum, während einzelne Immobilien an zwei Immobiliengesellschaften gehen.
Beteiligungsgesellschaft treibt Expansion voran
Hinter dem aggressiven Wachstumskurs steht die Zuger Beteiligungsgesellschaft Capvis, die Tertianum besitzt. Das Geschäftsmodell solcher Firmen sieht vor, Unternehmen aufzukaufen, zu vergrößern und später mit Gewinn weiterzuverkaufen. In den vergangenen zehn Jahren hat Tertianum seine Präsenz von weniger als 30 auf 100 Standorte ausgebaut, wie SRF schreibt. Mit der Senevita-Übernahme wächst das Netzwerk nun auf 140 Standorte.
Der demografische Wandel macht die Branche für Investoren attraktiv: Die Nachfrage nach Pflege und Betreuung im Alter wird in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Tertianum-Chef Luca Stäger spricht laut SRF von „zahlreichen Synergien“, die der Zusammenschluss ermögliche.
Verkäuferin wirft Fragen auf
Die Übernahme bringt für Tertianum auch Risiken mit sich. Emeis, die bisherige Eigentümerin von Senevita, ist international wegen Pflegeskandalen in die Kritik geraten. Auch Senevita selbst habe in der Schweiz keinen besonders guten Ruf, berichtet SRF – genannt werden hoher Kostendruck, Führungsprobleme und eine hohe Fluktuation beim Personal.
Tertianum-Kommunikationschef Frank Nehlig weist die Bedenken gegenüber SRF zurück: Senevita sei ein Schweizer Unternehmen mit einem guten Ruf und einer wertorientierten Führung. Beide Unternehmen würden regelmäßig durch kantonale Behörden kontrolliert und führten interne Audits durch. „Qualität und Verantwortung stehen über allem“, so Nehlig. Im Gegensatz zu Senevita gebe es rund um Tertianum keine vergleichbaren Skandalgeschichten, bemerkt SRF.
Entlassungen nicht ausgeschlossen
Der neue Großkonzern beschäftigt 11.000 Mitarbeitende, darunter rund 800 Lernende. Tertianum betont laut SRF, die Belegschaft behalten zu wollen. Einzelne Entlassungen könne man jedoch nicht ausschließen, da gewisse Funktionen nun doppelt besetzt seien.
Die größte Herausforderung liege in der „sorgfältigen Integration zweier gewachsener Organisationen“, erklärt Nehlig gegenüber SRF. Es gehe darum, unterschiedliche Kulturen, Arbeitsweisen und Systeme schrittweise zusammenzuführen, ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen. Oberstes Ziel sei Stabilität – für Bewohnerinnen und Bewohner, deren Angehörige und die Mitarbeitenden.
Das Geschäftsmodell im Pflegemarkt ist zweigeteilt, wie SRF erläutert: Die eigentliche Pflege ist streng reguliert, die Kosten tragen Krankenkassen, Kantone und Gemeinden. Hohe Margen lassen sich damit kaum erzielen. Anders sieht es bei Betreuung und Hotellerie aus – je luxuriöser das Angebot, desto höher der Gewinn.
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