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Über 40 Prozent der erwerbstätigen pflegenden Angehörigen gelten als hochbelastet

Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt: Erwerbstätige pflegende Angehörige stehen massiv unter Druck. Trotzdem werden Entlastungsangebote der Pflegeversicherung kaum genutzt. 86 Prozent aller Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, überwiegend durch Angehörige.

Mehr als jede zehnte befragte Person pflegt mindestens 40 Stunden pro Woche, jede fünfte mindestens 30 Stunden. Foto: AdobeStock/pikselstock

Für den neuen WIdOmonitor «Zur Lage pflegender Angehöriger» wurden rund 1.500 pflegende Angehörige nach Pflegegraden repräsentativ befragt. 59 Prozent von ihnen sind erwerbstätig – 31,3 Prozent in Vollzeit, 27,7 Prozent in Teilzeit. Von den Teilzeitbeschäftigten haben 45,2 Prozent ihre Arbeitszeit wegen der Pflegeverantwortung reduziert. 46,9 Prozent der erwerbstätigen Pflegenden bezeichnen sich körperlich und psychisch als hochbelastet, bei den Nicht-Erwerbstätigen sind es 38,3 Prozent. Insgesamt fallen laut WIdO über 40 Prozent der pflegenden Angehörigen in die Kategorie der Hochbelasteten. Gemessen wird dies anhand der Häuslichen Pflege-Skala-Kurzversion (HPS-K), die zehn Items wie körperliche Erschöpfung, Einbußen der Lebenszufriedenheit und soziale Isolation erfasst.

Zeitaufwand und Dauer der Pflege

63,4 Prozent der Hauptpflegepersonen sind täglich in die Pflege eingebunden. Mehr als jede zehnte befragte Person pflegt mindestens 40 Stunden pro Woche, jede fünfte mindestens 30 Stunden. Knapp 40 Prozent pflegen ihre Angehörigen seit mindestens fünf Jahren – mit besonders hoher Belastung in dieser Gruppe. 60,4 Prozent der Pflegenden sind Frauen. Susann Behrendt, Forschungsbereichsleiterin Pflege beim WIdO und Mitherausgeberin des Monitors, verweist auf einen fortbestehenden Gender-Care-Gap mit Folgen für Erwerbsbiografien, Einkommen und Gesundheit. Gepflegt werden vor allem die eigene Mutter oder der eigene Vater, gefolgt von Partnerin oder Partner. 85 Prozent der Gepflegten haben Pflegegrad 2 oder 3, mehr als jeder Zehnte Pflegegrad 4 oder 5.

Geringe Nutzung von Entlastungsangeboten

55,2 Prozent derjenigen, die ausschließlich Pflegegeld beziehen, nehmen keine weiteren pflegerischen Unterstützungsleistungen in Anspruch und organisieren die Pflege eigenständig. 37,8 Prozent nutzen Verhinderungs-, Urlaubs- bzw. Ersatzpflege, 12 Prozent Kurzzeitpflege und 8 Prozent Tagespflege in einer Einrichtung. Als Hauptgründe für die Nicht-Nutzung nennen die Befragten «fehlenden Bedarf» (43,2 Prozent bei Pflegediensten, 52 Prozent bei Kurzzeitpflege) sowie den Wunsch der Pflegebedürftigen, nicht von Fremden gepflegt zu werden (Verhinderungspflege: 30,9 Prozent; Pflegedienst: 46,5 Prozent). Finanzielle Gründe spielen hier eine untergeordnete Rolle.

Eigenanteile und Pflegeauszeiten

Im Schnitt geben Pflegehaushalte, die diese Leistungen nutzen, monatlich 469 Euro aus eigener Tasche dazu. Die Kurzzeitpflege ist mit durchschnittlich 677 Euro der höchste Kostenpunkt, gefolgt von der Tagespflege mit 397 Euro. Die Angaben beruhen auf Selbsteinschätzungen der Befragten.

Anders sieht es bei den Pflegeauszeiten aus: Hier gab rund jeder vierte Befragte finanzielle Erwägungen als Grund für die Nicht-Nutzung an. Etwa 40 Prozent sehen keinen Bedarf, ein weiteres Viertel kennt die Angebote nicht. Nur 12,5 Prozent der erwerbstätigen Befragten haben die Möglichkeiten der Pflegezeit und Familienpflegezeit bisher genutzt.

Forderung nach besserer Information und Passgenauigkeit

Behrendt sieht angesichts der hohen Belastung bei gleichzeitig geringer Inanspruchnahme der Angebote deutlichen Handlungsbedarf – insbesondere mit Blick auf demografischen Wandel und Fachkräfteengpass. Notwendig seien bessere Information und niedrigschwellige Beratung, um Unterstützungsangebote transparenter und zugänglicher zu machen. Zudem müssten die Angebote stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Angehörigen ausgerichtet werden, vor allem im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit sowie die sich verändernden Belastungsrisiken im Verlauf langjähriger Pflege.

Weitere Informationen zum WIdOmonitor «Zur Lage pflegender Angehöriger» sind beim Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) abrufbar: www.wido.de