Betreuung

Unverzichtbares Ehrenamt benötigt Unterstützung

„Ehrenamt ist unverzichtbar für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Das beweisen die Menschen, die regelmäßig in Pflegeeinrichtungen, ambulanten Diensten und Hospizen aktiv sind“, sagt die VKAD-Vorsitzende Barbara Dietrich-Schleicher.

Meike Elfern engagiert sich mit dem Angebot „Sitztanz und mehr“ seit mehr als zwölf Jahren ehrenamtlich. Foto: Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn

„Ihre Besuche, Aktivierungen, Spaziergänge mit älteren Menschen sowie die Unterstützung bei Gemeinschaftsaktivitäten entlasten und schaffen eine Lebensqualität für Pflegebedürftige, die auch für hauptberuflich Mitarbeitende im Alltag oft ein Gewinn ist.“

Rückgang seit Corona

In einer Umfrage unter den Mitgliedseinrichtungen und -diensten des Verbandes katholischer Altenhilfe e.V. gaben mehr als 60 % der Befragten an, dass die Zahl der ehrenamtlich Engagierten seit der Corona-Pandemie zurückgegangen sei. Daher wird auf vielfältige Weise versucht, das Ehrenamt wieder für viele Menschen zugänglich zu machen. Weniger als ein Drittel der Befragten gab an, für die Ehrenamtsarbeit eine feste Koordinationsstelle zur Verfügung zu haben. Diese wichtige Position zur Aktivierung und Stärkung des Ehrenamtes ist oft nicht verlässlich refinanziert.

„Die Zahlen sprechen für sich: Um die Menschen, die sich regelmäßig ehrenamtlich engagieren, professionell zu begleiten und zu stärken und gleichzeitig neue Interessierte für das Ehrenamt zu begeistern, braucht es hauptamtliche Stellen“, so Dietrich-Schleicher.

Wer bezahlt für die Koordination?

Derzeit ist die Refinanzierung der Stelle einer Ehrenamtskoordination jedoch ein unübersichtlicher Flickenteppich und wird von den Bundesländern unterschiedlich bis gar nicht geregelt. Der VKAD fordert daher die Länder auf, die gesetzlich verankerte Finanzierung für diese Positionen in den Einrichtungen und Diensten der Langzeitpflege in Umsetzung zu bringen. Dies ist entscheidend, um das Ehrenamt weiter zu fördern und Nachwuchs zu gewinnen.

„Die politisch Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen stehen in der Verantwortung, die Bedeutung des Ehrenamts zu würdigen und für eine konsequente Umsetzung der gesetzlichen Möglichkeiten zu sorgen. Nur so kann das Ehrenamt dauerhaft gestärkt und die Solidarität in unserer Gesellschaft zukunftsfest gefördert werden“, so die VKAD-Vorsitzende.

Die Caritas stellte heraus, freiwilliges Engagement halte die Gesellschaft zusammen, „es ist für einen resilienten Sozialstaat unverzichtbar“. Eine Studie der Caritas zur Frage, wie beruflich Mitarbeitende mit freiwillig Engagierten in Einrichtungen zusammenarbeiten, kam den Angaben nach zu dem Schluss, dass Ehrenamtler wichtige Impulsgeber und Motoren sozialer Innovationen seien.

Doch weil der Wille schwinde, sich ehrenamtlich einzubringen, sei es wichtig, bestehende verbandliche Strukturen verlässlich zu stärken. „Werden Strukturen einmal zerstört, indem die Finanzierung zum Beispiel für die Freiwilligendienste wegbricht, dann wird es nur sehr schwer gelingen, diese Strukturen wieder aufzubauen“, sagte Präsidentin Eva Maria Welskopp-Deffaa.

Ehrenamt macht den Unterschied

Monika Kaus, 1. Vorsitzende der DAlzG, erklärt: „Ehrenamt macht den Unterschied! Ohne die ehrenamtliche Mitarbeit so vieler engagierter Menschen wäre die Situation von Familien mit Demenz in Deutschland noch viel prekärer. Dort, wo die Angebote der Pflegeversicherung Lücken lassen, werden in den Alzheimer-Gesellschaften immer wieder neue Ideen und passgenaue Hilfen entwickelt.“

Wer sich im Bereich Demenz engagieren möchte, findet vor Ort viele Möglichkeiten. Zum Beispiel auch in einem neuen Projekt der DAlzG zur Ehrenamtlichen Begleitung von Menschen mit beginnender Demenz. Denn gerade in dieser ersten Phase haben Menschen mit einer beginnenden Demenz viele Fragen und brauchen einen Ansprechpartner, um sich auf diese neue Lebensphase einzustellen. Wer sich hier als Unterstützer einbringen möchte, erhält vorab eine spezielle Schulung, die ihn für diese Aufgabe qualifiziert.

In Deutschland gibt es aktuell 132 Alzheimer-Gesellschaften auf örtlicher und Landesebene, die unter dem Dach der DAlzG zusammenarbeiten. Ihr Ziel ist es, für Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen das Leben mit der Krankheit zu verbessern.

Neben den ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern gibt es in den Alzheimer-Gesellschaften viele weitere Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, zum Beispiel in der Beratung oder in der Betreuung und Begleitung von Menschen mit Demenz. Ehrenamtliche übernehmen hier hoch verantwortungsvolle Aufgaben, auch bei der Entwicklung von neuen Projekten, und gestalten so das gesellschaftliche Miteinander an vielen Stellen mit.