Digitalisierung

Vollelektronische Abrechnung: Abrechnungsdienstleister bremsen

Die vollelektronische Abrechnung in der ambulanten Pflege scheitert nach Einschätzung des bpa derzeit vor allem an einzelnen Abrechnungsdienstleistern. Das sagt Sven Wolfgram, Geschäftsführer des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, im Interview mit den Redaktionen Carekonkret und Häusliche Pflege.

Sven Wolfgram (bpa) Foto: Meike Kenn

Die Einführung der vollelektronischen Abrechnung in der ambulanten Pflege scheitert nach Einschätzung des bpa derzeit weniger an Pflegediensten oder Krankenkassen, sondern vor allem an einzelnen Abrechnungsdienstleistern. Das erklärt Sven Wolfgram, Geschäftsführer des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, im Interview.

Nach seinen Angaben sind die technischen und organisatorischen Voraussetzungen auf Seiten der Pflegedienste und der Kassen weitgehend geschaffen. Fast alle Dienste hätten ihre Sicherheitsmodule beantragt und sich auf den Weg in die Telematikinfrastruktur gemacht. Die Krankenkassen seien seit Sommer 2025 vollständig angebunden. Im Bereich des SGB XI sei die vollelektronische Abrechnung grundsätzlich möglich.

Dennoch könnten viele ambulante Dienste ihre Leistungen weiterhin nicht vollständig digital abrechnen. Der Hauptgrund liege bei Teilen der Abrechnungsdienstleister, deren Systeme noch nicht ausreichend angepasst seien. Trotz bestehender Anbindung müssten Pflegedienste deshalb weiterhin auf papierbasierte oder hybride Verfahren zurückgreifen.

Entwicklung wird verzögert

Wolfgram kritisiert, dass einige Dienstleister offenbar auf umfassende Komplettlösungen warten, die auch andere TI-Anwendungen wie E-Rezept und elektronische Verordnungen einbeziehen. Dadurch werde die Entwicklung der Abrechnungssysteme verzögert. Aus Sicht des Verbandes gehe dabei wertvolle Zeit verloren.

Hinzu kommt, dass die vollständige Einbindung der SGB-V-Leistungen noch aussteht. Die technischen Vorgaben dafür wurden erst im Februar 2026 veröffentlicht. Die verpflichtende Umstellung auf eine rein digitale Abrechnung wurde deshalb auf Oktober 2027 verschoben.

Der bpa sieht darin zwar einen zeitlichen Puffer, warnt aber vor weiteren Verzögerungen. Die Pflegedienste seien zunehmend bereit, papierbasierte Prozesse hinter sich zu lassen. Solange jedoch einzelne Dienstleister nicht nachziehen, bleibe der Nutzen der Digitalisierung begrenzt.

Der Digitalverband VdSP hat unterdessen auf die Kritik reagiert und nennt die Aussagen Wolfgrams „Industriebashing“.

Das vollständige Interview erscheint in der Märzausgabe der Fachzeitschrift Häusliche Pflege.