Ausbildung

Wie die Unternehmensgruppe Wend 64 Azubis zum Erfolg führt

In der Pflegebranche herrscht Personalmangel – doch die Unternehmensgruppe Wend aus Sachsen-Anhalt zeigt, wie es anders geht. Mit aktuell 64 Auszubildenden vom Pflegehelfer bis zur Pflegefachkraft, einer Migrationsquote von 60 Prozent und einem eigens entwickelten Schulungskonzept setzt das Unternehmen Maßstäbe in der Pflegeausbildung. Geschäftsführer Florian Wend und seine Mitarbeiterin Daniela Hartmann-Schwarz gaben bei der Häusliche Pflege Woche in Potsdam Einblicke in ihre Arbeit.

Foto: Lukas Sander Florian Wend und Daiela Hartmann Schwarz erläuterten das Ausbildungskonzept der unternehmensgruppe Wend.

Noch vor wenigen Jahren stand das Unternehmen vor erheblichen Herausforderungen. Zwar funktionierte die praktische Ausbildung gut, doch die organisatorische Seite bereitete Probleme. „Die ganze Nachsorge, die ganze Kontrolle, die ganze umfassende globalgalaktische Fürsorge für die Auszubildenden und auch der bürokratische Aufwand – das war eine große Herausforderung“, erinnert sich Florian Wend. Verschärft wurde die Situation, als eine zuständige Mitarbeiterin das Unternehmen verließ.

Die Wende kam mit Daniela Hartmann-Schwarz, die mit ihrem Hintergrund als Grundschullehrerin und Pflegefachkraft genau die richtige Mischung mitbrachte. Heute steht das Unternehmen vor einer Luxussituation: „Nächstes Jahr weiß ich gar nicht, wo ich die Pflegefachkräfte dann mehr unterbringen soll“, sagt Wend. Erstmals werden 2027 gleich 15 Pflegefachkräfte ihre Ausbildung abschließen.

Eigenes Skills-Lab

Den Kern des Erfolgs bildet ein eigens entwickeltes Schulungskonzept. Daniela Hartmann-Schwarz erklärt ihren Ansatz: „Ich habe mir vorgestellt, wie hätte ich es mir gewünscht.“ Auf Basis der Jahrespläne der Kooperationsschulen – hauptsächlich der BBI in Eisleben – entwickelte sie ein Konzept, bei dem alle Azubis einmal monatlich in Klostermansfeld zusätzlich geschult werden.

Im hauseigenen Skills-Lab arbeiten die Auszubildenden mit echten Materialien und Kooperationspartnern. Zahnärzte kommen ebenso ins Haus wie Ernährungsschwestern und Vertreter von Sanitätshäusern.

„Die sollen das anfassen, die sollen das lernen“, betont Hartmann-Schwarz. „Vom Expertenstandard bis zur Prophylaxe, bis zur Bestrumpfung. Auch Katheterisierung: Das können wir alles an unserem Dummy machen.“

Eigene Einsatzplanung statt starrer Schulvorgaben

Ein weiterer entscheidender Schritt war die Übernahme der Einsatzplanung. Die starren Pläne der Schulen passten oft nicht zur Realität – und zur Lebenssituation der jungen Menschen.

„Wir haben unsere eigenen Pläne entwickelt und schlagen die der Schule vor“, erklärt Hartmann-Schwarz. „Weil wir wissen, was haben die für Hintergründe, sind die mobil, können die öffentliche Verkehrsmittel nutzen? All das spielt eine wichtige Rolle.“

Florian Wend ergänzt: „Die sollen ja bei uns bleiben oder sollen zumindest gut befähigt in andere Betriebe gehen.“

Persönliche Begleitung

Was die Ausbildung im Hause Wend besonders auszeichnet, ist die persönliche Betreuung. Junge Auszubildende, oft erst 16 Jahre alt, werden nicht allein gelassen. „Die kommen ja zu uns ganz junge Mädels, Jungs. Und dann sind die bei uns behütet und beschützt. Aber wenn sie in die Universitätsklinik nach Magdeburg oder nach Halle müssen, wissen die gar nicht, wo es lang geht“, schildert Wend die Realität.

Chancen geben statt Schubladen öffnen

Wertschätzung und Offenheit sind zentrale Werte der Unternehmensgruppe. Wend berichtet von jungen Männern, die zunächst durch ihr äußeres Erscheinungsbild Vorbehalte hervorriefen – und sich dann als hervorragende Azubis entpuppten.

„Du musst einfach die Möglichkeit geben, du musst wertschätzen, anerkennen als Person und nicht irgendwie eingruppieren“, betont der Geschäftsführer.

Auch mit Vorurteilen von Heimbewohnern wird offen umgegangen. Wend erzählt von einem Patienten, der eine arabische Pflegekraft mit den Worten „Hier steht ein Schwarzer von der Straße und will mich versorgen“ ablehnte. Die Konsequenz: „Da muss man aufklären.“

Duales Lernen ab der 8. Klasse

Mit Blick auf die Zukunft setzt das Unternehmen bereits jetzt auf Modellprojekte. Ab 2027 wird in Sachsen-Anhalt das duale Lernen verpflichtend – die Unternehmensgruppe Wend testet das Konzept bereits mit Schulen.

„Die Schüler kommen ab der achten Klasse einen Tag alle 14 Tage zur Arbeit“, erklärt Wend. „Wir müssen die Bereichsleitung und die Mitarbeiter sensibilisieren: Was können wir für Aufgaben übergeben, was muss beim Jugendschutzgesetz beachtet werden?“ Ziel sei eine langfristige Bindung der jungen Generation an das Unternehmen.

Auch die neue Pflegefachassistenzausbildung, für die kein Hauptschulabschluss mehr nötig ist, stellt das Unternehmen vor neue Aufgaben. „Wir kennen alle unsere Leitlinien, Expertenstandards – ich bin Qualitätsmanagementbeauftragte“, so Hartmann-Schwarz. „Das müssen wir natürlich auch diesen Schülern und unseren zukünftigen Mitarbeitern rüberbringen. Das ist nochmal eine immense Aufgabe.“

Geschichten, die berühren: Hannah und Ben

Wie sehr Auszubildende das Unternehmen prägen, zeigt eine Podcast-Folge mit zwei Azubis. „Da ist Hannah aus Kamerun „, erzählt Wend. „Sie hat ihren Kontinent verlassen für die Ausbildung, weil sie dafür brennt. Mit YouTube hat sie Deutsch gelernt, hat einen Führerschein gemacht – eine ganz fleißige junge Frau.“

Der zweite Azubi, Ben, sei das genaue Gegenteil: von der Mutter zur Ausbildung überredet. „Und dann reden die beiden Auszubildenden und Hannah sagt, wie sie sich in dem Unternehmen aufgehoben fühlt – das war so emotional, da kommen einem fast die Tränen.“

Internationale Fachkräfte: Begleitung von Anfang an

Auch bei der Anwerbung internationaler Fachkräfte setzt das Unternehmen auf persönliche Betreuung. „Wir hatten Leute aus Griechenland, aus Marokko, aus Vietnam“, berichtet Wend. „Wir holen die vom Flughafen ab. Du musst auch mal einstehen für sie, mit dem Vermieter kritisch reden. Und dann klappt das auch gut.“

Hartmann-Schwarz freut sich besonders über das Miteinander im Skills-Lab: „Ich habe wirklich verschiedenste Nationen sitzen. Das ist wirklich ein Miteinander, die gestalten ihre Pause.“ Bei der Begrüßung vietnamesischer Auszubildender brachten diese sogar Geschenke mit und bedankten sich, bei der Unternehmensgruppe Wend lernen zu dürfen.

Vielfalt als Botschaft

Die Unternehmensgruppe Wend bringt Vielfalt in eine Welt, die teilweise politisch in Richtung Einfalt steuert – gerade in Sachsen-Anhalt, wo aktuell 42 Prozent AfD-Stimmen prognostiziert werden.

Über ihr Engagement im Unternehmen hinaus ist Florian Wend auch im Vorstand des Landesverbands für häusliche Krankenpflege Sachsen-Anhalt (LVHKP) aktiv. „Wir haben 170 Pflegeeinrichtungen in Sachsen-Anhalt, die sich bei uns engagieren – stationär, ambulant, alle Richtungen“, erklärt Wend.

Schlaglicht im Rahmen der Häusliche Pflege Woche Potsdam

Die Präsentation der Unternehmensgruppe Wend war ein Schlaglicht im Rahmen der Häusliche Pflege Woche Potsdam, die mittlerweile im fünften Jahr stattfindet. Lukas Sander, Chefredakteur Häusliche Pflege beim Verlagshaus Vincentz Network, fasst das Konzept zusammen: „Wir bringen hier Menschen zusammen und fördern den Austausch.“ Die Teilnehmenden der Woche sind neben Fachreferentinnen und Fachreferenten die wichtigsten Expertinnen und Experten. Sie teilen ihr Wissen kollegial und ohne Konkurrenzdenken. Sie findet noch bis Freitag, 22. Mai 2026, statt. Kurzfristige Anmeldungen für die verbleibenden Tage sind möglich.

Die Unternehmensgruppe Wend mit Sitz in Lutherstadt Eisleben gehört zu den größten privaten Pflegeanbietern im Mansfelder Land in Sachsen-Anhalt. Unter der Leitung von Geschäftsführer Florian Wend vereint das Familienunternehmen verschiedene Geschäftsbereiche rund um Pflege, Betreuung und Wohnen (ls).