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Wundversorgung als strategische Chance für ambulante Pflegedienste

Das Jahr 2026 könnte für ambulante Pflegedienste zum Wendepunkt in der spezialisierten Wundversorgung werden. Geklärte Vergütungsstrukturen und eine erwartete Patientensteuerung durch Krankenkassen schaffen neue Marktchancen.

Eine Pflegefachkraft legt eine Wundauflage auf
Eine Wundexpertin versorgt eine chronische Wunde mit einer Wundauflage. Foto: Werner Krüper

Die Rahmenbedingungen für die spezialisierte ambulante Wundversorgung sind inzwischen weitgehend geklärt. In nahezu allen Bundesländern sind die Schiedsverfahren abgeschlossen, die Vergütungsstrukturen festgelegt und die Anforderungen an spezialisierte Leistungserbringer gemäß §§ 132, 132a Abs. 4 SGB V definiert. „Damit ist erstmals eine verlässliche Grundlage geschaffen, auf der unternehmerische Entscheidungen nicht mehr unter Vorbehalt, sondern mit kalkulierbarem Risiko getroffen werden können“, sagt Christian Westermann, Geschäftsführer des Pflegedienstes „Engel vonne Ruhr“ und Vorstandsmitglied der BAG-Wunde e.V.

Kostenträger werden Patienten gezielt steuern

Ein entscheidender Faktor liegt laut Westermann in der konsequenten Umsetzung der HKP-Richtlinie zur Versorgung chronischer Wunden. Diese sieht vor, dass Patienten mit chronischen Wunden grundsätzlich durch spezialisierte Leistungserbringer zu versorgen sind. „Für die kommenden Jahre ist davon auszugehen, dass die Kostenträger diese Vorgaben deutlich stringenter anwenden werden“, so Westermann. Krankenkassen würden Versicherte mit chronischen Wunden aktiv zu zugelassenen, spezialisierten Pflegediensten umlenken. Die Versorgung durch nicht spezialisierte Dienste werde perspektivisch nur noch in begründeten Ausnahmefällen zulässig sein.

Investition amortisiert sich in 12 bis 18 Monaten

Die Investition in die Zulassung als spezialisierter Leistungserbringer sowie in entsprechende Weiterbildungen beziffert Westermann auf rund 41.000 Euro. Bei einem Leistungspreis von 47,02 Euro ergebe sich eine Amortisation nach etwa 872 erbrachten Leistungen. In der Praxis könne dieser Punkt bei guter Vernetzung mit Arztpraxen, Kliniken und Entlassmanagement innerhalb von 12 bis 18 Monaten erreicht werden.

Höhere Planungssicherheit als in der Tourenpflege

Patienten mit chronischen Wunden benötigen eine kontinuierliche, oft monatelange Betreuung. Im Gegensatz zu klassischen SGB-XI-Kunden seien kurzfristige Absagen selten, Versorgungsabbrüche die Ausnahme. „Für den Pflegedienst bedeutet dies eine deutlich höhere Auslastungssicherheit, besser planbare Einsatzzeiten und stabilere Umsätze“, erklärt Westermann. Pflegedienste, die frühzeitig die Voraussetzungen erfüllten, positionierten sich als präferierte Leistungserbringer. „Wer hingegen abwartet, riskiert, künftig von einem zentralen Versorgungssegment ausgeschlossen zu werden.“