Exklusiv

CSR: Nachhaltige Unternehmenspolitik ist auch für Pflegedienste ein Zukunftsthema

Corporate Social Responsibility (CSR) – oder nachhaltige Unternehmenspolitik – rückt immer mehr ins öffentliche Bewusstsein. Daher beschäftigen auch kleinere Unternehmen zunehmend freiwillig mit CSR. Andernfalls würden sie Gefahr laufen, die notwendige „Akzeptanz“ in der Gesellschaft zu verlieren, schreibt der Unternehmensberater Peter Wawrik in „Häusliche Pflege“.

Neben der Umsetzung der bundespolitischen Klimaziele haben sich große Sozialunternehmen in Deutschland dazu entschlossen, klimaneutral zu werden. Bild: doidam10 - Adobe-Stock.

CSR, übersetzt als „eine Verantwortung des Unternehmens für die Gesellschaft“ oder auch „nachhaltige Unternehmenspolitik“, ist eine Thematik, mit der sich Inhaber:innen und Führungskräfte von Unternehmen schon immer beschäftigt haben oder sich dazu verpflichtet fühlten. Und ein Zukunftsthema für ambulante Pflegedienste neben den Feldern „Attraktiver Arbeitgeber“ und „Wirtschaftliche Stabilität“.

Beispiele aus der Vergangenheit

  • Neben dem großen persönlichen Reichtum der „Fugger“ im Mittelalter war es diesen auch wichtig, für bedürftige Menschen Wohnraum zu schaffen. Die 1521 erbaute Fuggerei in Augsburg ist eine der ältesten Sozialsiedlungen der Welt und bietet bis heute alten, kranken und bedürftigen Menschen preiswerten Wohnraum.
  • Alfred Krupp (Stahlherstellung im Ruhrgebiet) war Patriarch und Oberhaupt seiner Firma und seiner Mitarbeitenden. Für ihn galt das Prinzip „Loyalität gegen Loyalität“. Er sorgte dafür, dass seine Arbeiter entsprechend verdienten, sozial abgesichert waren, günstig wohnten und in der firmen-eigenen „Konsum-Anstalt“ einkaufen konnten.

Wandelnde Einstellungen in der Öffentlichkeit

Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen beschreibt laut Wikipedia „den freiwilligen Beitrag eines Unternehmens zu einer frei-
willigen nachhaltigen Entwicklung. CSR steht für verantwortliches unternehmerisches Handeln in der eigentlichen Geschäftstätigkeit (Markt), über ökologisch relevante Aspekte (Umwelt) bis hin zu den Beziehungen mit Mitarbeiter:innen (Arbeitsplatz) und dem Austausch mit den relevanten Anspruchs- bzw. Interessengruppen (Stakeholdern).“ Im modernen Verständnis wird CSR zunehmend als ein ganzheitliches, alle Nachhaltigkeitsdimensionen integrierendes Unternehmenskonzept verstanden, das alle sozialen, ökologischen und ökonomischen Beiträge eines Unternehmens zur freiwilligen Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung umfasst, die über die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen (Compliance) hinausgehen.

Anfang 2023 ist eine neue, weiterentwickelte EU-Richtlinie (CSRD) in Kraft getreten, die die Berichterstattungspflicht auf alle Unternehmen ab 250 Mitarbeiter:innen unabhängig von ihrer Börsennotierung ausweitet, wenn diese Unternehmen entweder eine Bilanzsumme von mehr als 20 Millionen Euro oder einen Umsatz von mehr als 40 Millionen Euro haben. Für größere Pflegeunternehmen kann sich daraus eine Berichtspflicht ergeben. Aufgrund veränderter Rahmenbedingungen und sich wandelnder Einstellungen, z.B. bei Verbraucher:innen und in der Öffentlichkeit, beschäftigen sich aber auch kleine Unternehmen zunehmend freiwillig mit CSR. Andernfalls würden sie Gefahr laufen, die notwendige „Akzeptanz“ in der Gesellschaft zu verlieren.

Praxisbeispiele von Pflegediensten

  • Die Umstellung des Fuhrparks auf E-Mobilität, um den Verbrauch fossiler Energieträger zu reduzieren
  • Nutzung von E-Bikes oder E-Scooter
  • Dienstkleidung mit Fair-Gütesiegel
  • Photovoltaikanlagen auf dem Dach.

Um die Glaubwürdigkeit von Unternehmen zu erhöhen, können diese heute auch verbindliche Gütesiegel, Umwelt- und Sozialstandards wie z.B. ISO 14001 oder Gütesiegel wie FSC, MSC oder den Blauen Engel nutzen. Der „grüne Fußabdruck“ ist heute ein Begriff, der ebenso mit CSR verbunden ist. Neben der Umsetzung der bundespolitischen Klimaziele haben sich große Sozialunternehmen in Deutschland dazu entschlossen, klimaneutral zu werden, so z.B. die Caritas mit ihren ca. 25.000 Einrichtungen bis zum Jahr 2030, die Arbeiterwohlfahrt mit ca. 18.000 Einrichtungen bis vor 2040, die Diakonie bis 2035.

Aber auch andere große Pflege-Holdings haben im Rahmen ihrer Beschäftigung mit CSR Sozial- und Nachhaltigkeitsziele definiert. Als Führungskraft in einer Pflegeeinrichtung bedeutet dies, die soziale, ökologische und gesellschaftliche Dimension im Pflegedienst entsprechend umzusetzen bzw. zu berücksichtigen. CSR findet im Kleinen wie im Großen statt.

Lesern Sie weitere aktuelle Beiträge in der Oktoberausgabe der Fachzeitschrift „Häusliche Pflege“.