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„Wir brauchen gute Rahmenbedingungen“

Sogenannte 24-Stunden-Betreuungskräfte aus Osteuropa haben es nicht leicht. Aber auch die Zufriedenheit in den Haushalten ist im Vergleich zu anderen Pflegelösungen geringer. Zu diesem Ergebnis kommt eine große VdK-Studie.

Foto: AdobesStock/David L/peopleimages.com

Die Gesamtbewertung der Pflegesituation fällt in den Haushalten mit einer 24-Stunden-Pflege im Vergleich zu allen einbezogenen Pflegearrangements schlechter aus. Sind es in allen Pflegearrangements knapp zwei Drittel der Befragten, die die Situation als noch oder sogar sehr gut zu bewältigen bezeichnen, so ist es in den Haushalten mit einer 24-Stunden-Pflege weniger als die Hälfte. Das ist eine zentrale Erkenntnis einer großen VdK-Studie, die die Hochschule Osnabrück auf Basis einer Online-Befragung zum Thema häusliche Pflege durchgeführt hat.

Doch weshalb nimmt man dann in Kauf, eine Live-in-Kraft ins Haus zu nehmen? Auch darauf weiß die Studie eine Antwort: Mit deutlicher Mehrheit wurden die Antworten, dass „die Pflege unbedingt zuhause stattfinden soll“ und dass dies „mit der 24-Stunden-Pflege möglich“ ist, genannt (jeweils mehr als 85 Prozent). „Keinen anderen Ausweg zu wissen“ war der zweithäufigste Grund. Meistens wurde dann der Kontakt über eine Agentur durchgeführt.

Die Live-Ins übernehmen vielfältige Aufgaben wie Hilfe beim Essen und Trinken, im Haushalt, bei der Körperpflege und im Zusammenhang mit Inkontinenz. Bei 97 Prozent der Befragten wohnt die Betreuungskraft im Haushalt der pflegebedürftigen Person und hat ein eigenes Zimmer. Ob sie Steuern zahlt, beantwortet nur ein Drittel der Befragten mit „ja“. Rund ein weiteres Drittel gibt „nein“ an und der Rest der Befragten ist sich unsicher. Anderseits geben aber auch 74 Prozent an, dass die Person sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist. Zwar ist die Zufriedenheit mit der 24-Stunden-Pflege mit deutlich über 80 Prozent sehr hoch, Probleme gibt es laut Studie aber bei der Verständigung aufgrund fehlender Sprachkenntnisse und Nicht-Eingehens auf die eigenen Vorstellungen und Wünsche.

Dass eine Live-in-Kraft heute nicht zum Schnäppchenpreis zu haben ist, dürfte klar sein. So lagen bei mehr als der Hälfte der pflegebedürftigen Personen und der Angehörigen die Kosten zwischen 2 000 und 3 000 Euro pro Monat. „Diese Aussage macht deutlich, dass erhebliche finanzielle Mittel für diese Unterstützungsleistung aufgewendet werden müssen“, geben die Autor:innen der Studie zu bedenken. Es zeige sich, dass Angehörige mit einer 24-Stunden-Pflege tatsächlich höhere Monatseinkommen angegeben hätten, wobei es aber auch eine Verteilung über alle Einkommensgruppen gebe. Genutzt wird dieses Angebot vor allem für die Versorgung der eigenen Eltern oder Schwiegereltern.

Bemerkenswert finden die Autor:innen der Studie, dass in 82 Prozent der Haushalte mit einer 24-Stunden-Pflege weitere Personen aus dem Familien- und Bekanntenkreis in die Pflege einbezogen sind. In der Gesamtheit der Pflegearrangements sei das nur bei etwa 60 Prozent der Fall.

Die Betreuungskräfte werden vor allem dann eingesetzt, wenn höhere Pflegegrade wie 4 oder 5 vorliegen. Der nächtliche Unterstützungsbedarf und eine starke Desorientierung bei den Pflegebedürftigen, etwa wegen einer Demenzerkrankung, sind dann besonders hoch.

Familien, für die die 24-Stunden-Kraft die beste Betreuungsmöglichkeit darstellt, haben keinerlei Rechtssicherheit, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele. Weder gäbe es verlässliche Regelungen im Aufenthalts- noch im Arbeitsrecht. „Wir brauchen dringend gute Rahmenbedingungen für die 24-Stunden-Pflege. Diese darf nicht weiter in einer Grauzone stattfinden“, fordert Bentele. „Die Betroffenen und ihre Familien, aber auch die Betreuungskräfte benötigen endlich Rechtssicherheit und gute Regelungen für eine zuverlässige Betreuung zu Hause.“

Der Sozialverband VdK fordert daher, dass ein Arbeitszeitgesetz, das schon für SOS-Kinderdorfmütter angepasst wurde, auch auf die 24-Stunden-Betreuungskräfte erweitert wird. So sollen eine beständige Betreuung für Pflegebedürftige gewährleistet und Überstunden der Betreuer:innen vermieden werden.

Nach Auffassung von Branchenkennern sind die Beschäftigungsverhältnisse sehr unterschiedlich geregelt und wegen der tatsächlichen Arbeitsbedingungen häufig nicht mit deutschem Recht vereinbar. Die vertraglichen Regelungen überfordern oftmals die Pflegehaushalte. Um eine solche Betreuungskraft bei sich zu beschäftigen, müssen die betroffenen Familien meistens Kost und Logis stellen, hinzukommen die Lohnkosten für die Kraft sowie unter Umständen Vermittlungsgebühren an die Agentur. Der VdK fordert eine verpflichtende Registrierung aller Vermittlungsagenturen und die Einführung von Qualitätsstandards für deren Arbeit, um Transparenz und Verlässlichkeit für Pflegehaushalte und Betreuungspersonen zu gewährleisten.

„Während die Nachfrage nach Live-in-Betreuungskräften in Deutschland stetig steigt, haben sich die Arbeits- und Lebensbedingungen dieser mehrheitlich aus Osteuropa kommenden Frauen in den letzten Jahren nicht verbessert“, erklärt Claudia Engelmann, Stellvertretende Leiterin der Abteilung Menschenrechtspolitik Inland/Europa am Deutschen Institut für Menschenrechte. Sie arbeiteten und lebten teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen. Eine menschenrechtskonforme Ausgestaltung ihrer Arbeitssituation sei daher überfällig.

„Zu einer rechtssicheren Ausgestaltung der 24-Stunden-Betreuung hat sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag verpflichtet. Den Worten müssen nun unbedingt Taten folgen. Um die Betreuungskräfte vor ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen zu schützen, muss die Live-in-Betreuung auf eine rechtssichere Grundlage gestellt werden“, so Engelmann. „Die Politik muss darauf hinwirken, dass eine direkte Anstellung in Privathaushalten erleichtert wird.“

Darüber hinaus brauche es verbindliche Qualitätsstandards für Vermittlungsagenturen sowie effektive Beschwerdemöglichkeiten und flächendeckend mehrsprachige Beratungsangebote für Live-Ins. Eine menschenrechtskonforme Ausgestaltung der Live-in-Betreuung sei nur im Rahmen eines Pflegemixes denkbar, der durch ambulante Pflegeleistungen, Hinzuziehung weiterer Pflegekräfte oder die Einbindung Angehöriger ergänzt werden müsse.

Nach aktuellen Schätzungen von Beratungsstellen arbeiten zwischen 300 000 bis 700 000 Live-Ins in Privathaushalten in Deutschland.

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Autor: Asim Loncaric