Pflegepolitik

Pflegedienste demonstrieren in Recklinghausen

Die Ruhrgebietskonferenz Pflege hatte unter dem Motto „Pflegereform anpacken sonst können wir einpacken“ zu einem Autokorso zum Rathaus in Recklinghausen am 19. März gerufen. Rund hundert Pflegeteams kamen mit ihren Fahrzeugen.

Pflegedienste demonstrieren in Recklinghausen am 19. März für Reformen Foto: Ruhrgebietskonferenz Pflege
Auch die ambulanten Pflegedienste der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen sind dem Aufruf der Ruhrgebietskonferenz Pflege gefolgt und haben mit einem Autokorso und einer Präsentation vor dem Recklinghäuser Rathaus auf ihre prekäre Lage aufmerksam gemacht. „In unseren Pflegediensten sind zwei Drittel der Beschäftigten über 55 Jahre alt. Im Jahr 2030 müsste jeder zweite Schulabgänger sich für einen Gesundheitsberuf entscheiden, die prognostizierten Bedarfe zu decken“, sagt Martina Waldner, Abteilungsleiterin Gesundheit.

Malte Wulbrand, Bereichsleiter Senioren und Pflege der Caritas im Caritasverband für die Stadt Recklinghausen erklärt die Aktion so: „Wir verpacken Dinge, um sie sichtbar zu machen“. In Anlehnung an den Aktionskünstler Christo wurden Autos der Pflegedienste verpackt, um ihren Wert für die Gesellschaft sichtbar zu machen. „Es macht uns keine Freude, jeden Tag mit verzweifelten Kund:innen zu telefonieren, die auf der Suche nach einer Versorgung für sich oder ihre Angehörigen sind.“ Die aktuell erlebbaren Leistungseinschränkungen stünden im krassen Widerspruch zum Selbstverständnis der professionell Pflegenden. Wenn jetzt nicht ein grundlegender Systemwechsel eingeleitet werde, sei bald niemand mehr da, um die Pflegebedürftigen zu versorgen.

Besonders in der ambulanten Pflege herrscht hinter verschlossenen Türen schon heute akuter Pflegenotstand. Pflegedienste streichen Touren zusammen und schränken ihre Versorgungsgebiete ein. Von 2020 bis 2024 haben ambulante Dienste ihren Personalstamm um bis zu 20 % reduzieren müssen. Der Fachkräftemangel wird sich noch weiter verschärfen.

Martina Waldner von der AWO fasst das Selbstverständnis der Arbeitgeber und die Zielsetzung des Aktionstages zusammen: „Wir können Pflege, aber wir könnten noch viel mehr leisten, wenn man uns endlich vertrauen würde.“ Die Misstrauenskultur in der Pflege führt zu enormen Belastungen durch Prüfungen, Kontrollen und Genehmigungsverfahren, für die den Kostenträgern und Aufsichtsbehörden schon heute das Personal fehlt. Vergütungsverhandlungen werden auf die lange Bank geschoben und Leistungsabrechnungen so lange herausgezögert, bis nicht wenige Pflegedienste in wirtschaftliche Schieflagen geraten. Die Arbeitgeber fordern daher die Umsetzung der längst überfälligen Entbürokratisierung sowie eine konsequente Einführung von digitalen Lösungen zur Verbesserung der Versorgung und zur Arbeitserleichterung für die Beschäftigten. Um die Pflege zukunftsfähig zu machen, braucht es ein Investitionsprogramm für die digitale Infrastruktur und zur nachhaltigen Personalgewinnung.

Die Aktion verbinden die Pflegearbeitgeber mit einem Aufruf zum gemeinsamen Dialog aller Akteure, die an der Zukunftsfähigkeit der pflegerischen Versorgung arbeiten wollen.