Pflegemarkt
Pflegestatistik: Nur der ambulante Bereich wächst
Die Zahl der pflegebedürftigen Personen in Deutschland ist binnen zwei Jahren um fast eine Dreiviertelmillion gestiegen. Zwischen Dezember 2021, als knapp 5,0 Millionen Menschen pflegebedürftig waren, und Dezember 2023 wuchs sie um 730.000 auf knapp 5,7 Millionen, wie das Statistische Bundesamt bekanntgab.
Im Vergleich zu Dezember 2021 stieg die Zahl der in Heimen vollstationär versorgten Pflegebedürftigen leicht um 0,8 % (+6 000). Die Zahl der zu Hause gepflegten Personen nahm dagegen insgesamt um gut ein Sechstel (+17 %) oder 721 000 zu. Davon stieg die Zahl der durch ambulante Dienste betreuten Pflegebedürftigen um 5,1 % (+54 000). Die Zahl der überwiegend durch Angehörige versorgten Pflegebedürftigen stieg um gut ein Fünftel (+21 %) oder 549 000, so das Statistische Bundesamt.
Ebenfalls um rund ein Fünftel (+21 % oder +118 000 Personen) wuchs die Gruppe der Pflegebedürftigen im Pflegegrad 1 ohne Leistungen ambulanter oder stationärer Einrichtungen beziehungsweise mit ausschließlich landesrechtlichen Entlastungsleistungen.

Unternehmensberater Andreas Heiber hat die Zahlen der ambulant und stationär versorgten Menschen gegenübergestellt. „Die Zahl der Pflegebedürftigen, die insbesondere ambulant versorgt werden, steigt weiter. Die ‚starke Zunahme‘, über die sich manche wundern, resultiert nur aus der Pflegevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes, die warum auch immer eine andere Zunahme prognostiziert hat“, ordnet Heiber ein.

„Die Anzahl der in vollstationären Einrichtungen versorgten Pflegebedürftigen nimmt im Verhältnis immer weiter ab und steigt viel niedriger (+ 0,8 %), während die ambulanten Zahlen um 17 % steigen. Es stellt sich daher auch die Frage, warum trotzdem die Heimkosten eine so große Rolle in der politischen Diskussion spielen und warum im Verhältnis so viel mehr Geld für die stationäre Pflege ausgegeben wird“, merkt Heiber an.
Die Zahl der ambulanten Dienste stieg von 15.376 (2021) auf 15.549 (2023), während die Zahl der Pflegeheime mit vollstationärer Dauerpflege von 11.358 (2021) auf 11.250 (2023) sogar leicht zurückging.
„Noch immer wird die Verteilung der Pflegegrade durch die Überleitungsfälle beeinflusst, also Pflegebedürftige, die bereits seit 2016 eingestuft worden sind (dieser Anteil liegt immer noch bei ca. 16 %)“, so Heiber (siehe Grafik unten).

Mehr als Dreiviertel der Pflegebedürftigen (78 Prozent) waren Ende vergangenen Jahres 65 Jahre und älter, rund ein Drittel (34 Prozent) mindestens 85 Jahre alt. Die Mehrheit der Pflegebedürftigen war weiblich (61 Prozent). Dies hänge mit der höheren Lebenserwartung von Frauen und der Wahrscheinlichkeit zusammen, mit zunehmenden Alter pflegebedürftig zu werden. Während bei den 70- bis 74-Jährigen nur gut jeder und jede Zehnte (rund 11 Prozent) pflegebedürftig waren, waren es bei den mindestens 90-Jährigen fast 9 von 10 (87 Prozent).
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