Ambulanter Pflegemarkt

„Wir beobachten eine Marktbereinigung“

Die Sozial- und Gesundheitswirtschaft erlebt eine zunehmende Polarisierung zwischen erfolgreichen und kämpfenden Einrichtungen. Laut dem aktuellen „Trendbarometer Sozial- und Gesundheitswirtschaft“ beurteilen 44 Prozent der befragten Betreiber ihre wirtschaftliche Situation für die kommenden sechs Monate als angespannt oder etwas angespannt. Gleichzeitig ist der Anteil der Organisationen mit positiver Prognose deutlich von 10 Prozent im Herbst 2024 auf nun 27 Prozent gestiegen.

Susanne Leciejewski, Geschäftsführerin der SozialGestaltung GmbH Foto: SozialGestaltung GmbH

Die wirtschaftliche Lage der Sozial- und Gesundheitswirtschaft wird zunehmend von einer Polarisierung geprägt. Laut dem sechsten „Trendbarometer Sozial- und Gesundheitswirtschaft“ der SozialGestaltung im Auftrag der SozialBank erwartet fast die Hälfte der Betreiber (44 Prozent) für 2025 ein Jahresdefizit. Gleichzeitig ist der Anteil der Organisationen mit positiver Zukunftsprognose von 10 Prozent im Herbst 2024 auf nun 27 Prozent gestiegen.

„Wir beobachten eine Marktbereinigung mit einer wachsenden Polarisierung“, erklärt Susanne Leciejewski, Geschäftsführerin der SozialGestaltung GmbH. „Einige Organisationen haben wirksame Lösungen gefunden, andere kämpfen weiterhin mit existenziellen Problemen.“

Die Umfrage, an der vom 18. März bis 17. April 2025 Vertreter:innen aus über 2.300 Einrichtungen teilnahmen, identifiziert Fachkräftemangel (63 Prozent), Lohnkostensteigerungen (62 Prozent) und Verhandlungen mit Kostenträgern (57 Prozent) als die drei größten Herausforderungen. Besonders gravierend: 52 Prozent der befragten Einrichtungen mussten zwischen März 2024 und März 2025 ihre Aufnahmekapazitäten aufgrund von Personalmangel reduzieren.

Obwohl 59 Prozent der Organisationen bereits Vergütungssatzsteigerungen für 2025 ausgehandelt haben, reichen diese häufig nicht aus, um die gestiegenen Kosten zu decken. Dieser Teufelskreis aus sinkenden Einnahmen bei gleichzeitig steigenden Fix- und Lohnkosten macht das Liquiditätsmanagement für viele Einrichtungen zur Priorität. Laut Trendbarometer haben jedoch viele Sozialunternehmen zur Liquiditätssicherung noch nicht alle Möglichkeiten – wie beispielsweise Factoring – ausgeschöpft.

Bei den Investitionsprioritäten zeigt sich ein bemerkenswerter Wandel: Während Personal (62 Prozent) und Digitalisierung (60 Prozent) wichtige Felder bleiben, ist ihr Stellenwert im Vergleich zum Herbst 2024 deutlich gesunken (Personal: -11 Prozent, Digitalisierung: -20 Prozent). Dafür gewinnt das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung – fast 40 Prozent der Befragten sehen hier einen zentralen Investitionsschwerpunkt.

Im Bereich Nachhaltigkeit konzentrieren sich die Maßnahmen vor allem auf Energieeffizienz (70 Prozent), Verbesserung der Gebäudetechnik (57 Prozent) und Wärmeeffizienzmaßnahmen (41 Prozent). Allerdings fehlt es oft an Mitteln und Unterstützung: 41 Prozent der Einrichtungen wünschen sich mehr Hilfe bei der Beantragung von Fördermitteln.

Der Transaktionsmarkt bleibt trotz einzelner großer Deals im ersten Quartal 2025 verhalten. Über 50 Prozent der befragten Einrichtungen planen keine Übernahmen – der höchste Wert seit 2023. Diese Zurückhaltung spiegelt die strategische Unsicherheit wider, die neben Liquiditätsengpässen und Personalmangel den Geschäftsbetrieb zu lähmen droht.

Prof. Dr. Harald Schmitz, Vorstandsvorsitzender der SozialBank, fordert angesichts dieser Herausforderungen: „Eine nachhaltige Transformation in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft erfordert politische Entschlossenheit, eine transparente Förderpolitik, den Abbau bürokratischer Hürden und eine langfristige Vision für die Pflege- und Gesundheitsversorgung in Deutschland.“

Das vollständige „Trendbarometer Sozial- und Gesundheitswirtschaft“ kostenlos zum Download