Ambulanter Pflegemarkt

Pflegekompetenzgesetz: Streitpunkt Tagespflege entschärft?

Es scheint ein überraschender, aber für viele Akteure in der Pflegebranche willkommener Kurswechsel zu sein: Die ursprünglich geplante Zusammenlegung der Leistungstöpfe für Tagespflege und niedrigschwellige Betreuungsangebote ist im aktuellen Referentenentwurf des Pflegekompetenzgesetzes (PKG) offenbar nicht mehr enthalten.

Thomas Knieling. Foto: Daniel George

Die Regelung, die unter der Vorgängerregierung aus SPD, Grünen und FDP noch bis in den Kabinettsentwurf Einzug gehalten hatte, hätte weitreichende Folgen für die Tagespflege gehabt. Nach dem damaligen Plan sollten die bislang getrennten Budgets für ambulante Sachleistungen, Tagespflege sowie Entlastungs- und Betreuungsleistungen zu einem einheitlichen, flexibel nutzbaren Budget zusammengeführt werden. Die Folge wäre eine potenzielle Kannibalisierung gewesen – zulasten der Tagespflege.

Kritik von Anfang an laut

Die Neuentwicklung bestätigte Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer des Verbands deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB), im Gespräch mit der Redaktion Häusliche Pflege. Auch nach seiner Analyse ist der umstrittene Passus gestrichen. „Diese Regelung hätte den Tagespflegeeinrichtungen eine zentrale Finanzierungsbasis entzogen“, so Knieling. Der VDAB hatte, wie auch andere private wie freigemeinnützige Trägerverbände, früh vor einer solchen Veränderung gewarnt. Hintergrund: Die Tagespflege profitiert derzeit von einem gesetzlich gesicherten Sachleistungsanspruch, der zusätzlich zum ambulanten Budget genutzt werden kann – ein Modell, das seit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes I im Jahr 2015 einen regelrechten Investitionsschub in der Branche ausgelöst hat.

Knieling hatte auf dem ALTENPFLEGE Messekongress im April 2025 in Nürnberg noch betont, dass er derzeit keinem Träger empfehlen könne, in neue Tagespflegeangebote zu investieren – zu groß sei die Unsicherheit angesichts der diskutierten Neuregelungen. Umso erleichterter zeigt er sich nun: „Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Signal für die Branche

Für viele Träger dürfte diese Entwicklung ein Signal der Entwarnung sein. Denn die Befürchtung, Pflegebedürftige könnten künftig aus rein finanziellen Gründen Betreuungsgruppen ohne pflegerische Fachlichkeit bevorzugen – und damit die wirtschaftliche Grundlage professionell geführter Tagespflegen gefährden –, war weit verbreitet. Auch die Wohlfahrtsverbände hatten sich gegen die geplante Neustrukturierung ausgesprochen. (ls)

TIPP: Wie geht es mit der Tagespflege und anderen Versorgungsformen, die auch von ambulanten Pflegediensten betrieben werden, weiter? Und lohnt sich eine Portfolioerweiterung? Antworten auf diese Fragen finden Sie u.a. am 10. und 11. September beim Kongress LUNA in Essen.