Ambulanter Pflegemarkt
Neuanfang nach Schließung des Pflegedienstes
Der ambulante Pflegedienst Turmalin in Castrop-Rauxel muss zum Monatsende schließen. Geschäftsführer Karl Liebig erklärt die Ursachen und plant trotz Insolvenz einen Neuanfang.
Rund 200 Patient:innen müssen kurzfristig von anderen Anbietern übernommen werden, nachdem der Insolvenzverwalter die sofortige Schließung zum 30. September angeordnet hat, berichtet er den Ruhr Nachrichten. 29 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Liebig, selbst seit über 40 Jahren in der Pflege tätig, spricht von einem „katastrophalen Verlust“ – nicht nur persönlich, sondern auch für die regionale Versorgungsstruktur.
Als Hauptursachen für die Insolvenz nennt der Geschäftsführer mehrere Faktoren: den Verlust von Patient:innen mit hohem Pflegegrad, steigende Tarifgehälter ohne ausreichende Refinanzierung durch Pflegekassen sowie wegfallende finanzielle Rücklagen. Besonders problematisch sei, dass Gehaltserhöhungen sofort umzusetzen seien, während die Kassen ihre Zahlungen oft zeitverzögert und nicht in voller Höhe anpassten. Laut Liebig seien damit Fixkosten und Einnahmen dauerhaft in eine Schieflage geraten.
Die letzten Wochen beschreibt er als besonders belastend: Er habe zwischen der Hoffnung auf eine Verlängerung und der endgültigen Entscheidung des Insolvenzverwalters gestanden. Der Versuch, für sechs Wochen Aufschub zu erhalten, scheiterte. Auch individuelle Lösungen mit der Aufsichtsbehörde in Bochum waren nicht möglich. Bei der Betriebsversammlung habe der Insolvenzverwalter die Schließung offiziell verkündet, was unter den 29 Mitarbeiter:innen starke Emotionen auslöste.
Liebig, der eigentlich seit dreieinhalb Jahren im Ruhestand sein könnte, will trotz des Rückschlags weitermachen. Er plant die Gründung eines neuen, deutlich kleineren Pflegedienstes ab 2026, zunächst mit einem Kernteam und reduzierten Fixkosten. Teile der Belegschaft hätten bereits ihre Bereitschaft signalisiert, mitzuwirken – teils sogar mit privater Nutzung eigener Fahrzeuge zur Patientenversorgung. Ziel sei es, etwa 40 Prozent der bisherigen Patient:innen erneut zu betreuen, sofern die notwendige Zulassung der Knappschaft in Bochum erteilt werde.
Finanziell sei kein Schuldenberg entstanden, so Liebig, da es sich um eine gGmbH handelte. Das vorhandene Restkapital werde unter den Gläubigern verteilt. Für den Neustart sammelt er derzeit das erforderliche Stammkapital von 25.000 Euro ein.
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