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Klinik-Chef fordert Leistungseinschränkungen für Hochaltrige

Die Gesundheitskosten in Deutschland steigen weiter. Vor diesem Hintergrund hat Thomas Lemke, Vorstandsvorsitzender der Sana Klinikgruppe, eine kontroverse Debatte angestoßen. Er stellt die Frage, ob Menschen ab 80 Jahren noch alle medizinischen Leistungen uneingeschränkt erhalten sollten – und verweist auf internationale Modelle mit Eigenbeteiligung.

Höhere Eigenbeteiligung für hochaltrige Menschen? Die Debatte über Gesundheitskosten und Generationengerechtigkeit gewinnt angesichts steigender Ausgaben an Brisanz. Foto: AdobeStock/pikselstock

Laut einer Nachricht des Merkur hat der Chef einer der größten deutschen Klinikgruppen einen brisanten Vorstoß zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen gewagt. „Müssen wir in jeder Lebensphase, ich rede von 80 aufwärts, die vollumfängliche Medizin zukommen lassen wie Implantate, Hüfte, künstlicher Knieersatz?“, fragte Lemke im Podcast „Table.Today“.

Eigenbeteiligung statt Vollversorgung

Der Sana-Vorstandsvorsitzende verwies darauf, dass in den meisten anderen Ländern medizinische Leistungen für hochaltrige Menschen ab einem bestimmten Alter nur bei Eigenbeteiligung angeboten würden. Gleichzeitig betonte er, dass sein Vorschlag ethisch-moralisch heikel sei und eine breite gesellschaftliche Diskussion erfordere. „Wir werden da ranmüssen“, zeigte sich Lemke dennoch überzeugt.

Wichtig war dem Klinik-Chef die Klarstellung, dass die klassische Standardversorgung und die Notfallmedizin von möglichen Einschränkungen ausgenommen bleiben sollten. Zudem plädierte er für Anreize statt Sanktionen.

Bonus-System soll Arztbesuche reduzieren

Als weiteren Ansatz zur Kostendämpfung schlug Lemke ein Bonus-Modell vor, das die Zahl der Arztbesuche reduzieren soll. Versicherte könnten etwa 100 bis 200 Euro jährlich erstattet bekommen, wenn sie nur zweimal oder seltener ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Darüber hinaus kritisierte der Sana-Chef die „maximale Kontrollwut“ im Gesundheitswesen und forderte einen radikalen Bürokratieabbau.

Ähnliche Debatte bereits vor zwei Jahrzehnten

Der aktuelle Vorstoß erinnert an eine ähnliche Debatte aus dem Jahr 2003, als der damalige Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, die Frage aufwarf, ob 85-Jährige noch auf Kosten der Solidargemeinschaft künstliche Hüftgelenke bekommen sollten. Die Diskussion erfolgt vor dem Hintergrund steigender Krankenkassenbeiträge und dem allgemeinen Spardruck der Bundesregierung.