Ambulanter Pflegemarkt
Effizienz zahlt sich aus: Pflegedienste bremsen Personalkostenanstieg
Die wirtschaftliche Lage in der ambulanten Pflege bleibt angespannt. Besonders seit Einführung der Tariftreuepflicht kämpfen viele Pflegedienste mit steigenden Personalkosten und auch die gesetzlich zugesagten Refinanzierungen der dadurch entstehenden Kostensteigerungen ließen lange auf sich warten. Nur langsam zeigen sich erste Anzeichen einer Entspannung der Lage in der Branche. Das geht aus dem aktuellen ETL ADVISION Wirtschaftsmonitor ambulante Pflege hervor, der auf betriebswirtschaftlichen Daten aus den Jahren 2020 bis 2024 von über 500 mittelgroßen ambulanten Pflegediensten in Deutschland , die eine branchen angepasste Beratung erhalten, basiert.
Die ambulante Pflegebranche steht unter enormem Personalkostendruck. Hinzu kommen wachsende fachliche und bürokratische Anforderungen sowie eine hohe Verantwortung für Millionen Pflegebedürftige. Nach vier aufeinanderfolgenden Jahren deutlicher Personalkostensteigerungen ist 2024 erstmals ein leichter Rückgang der durchschnittlichen Personalkostenquote zu verzeichnen – von 72,03 Prozent im Jahr 2023 auf 70,74 Prozent. Damit liegt der Wert jedoch weiterhin deutlich über dem Niveau von 2020 (67,44 Prozent).
Als Gründe für die jüngste Entwicklung nennt die Studie unter anderem die allmählich greifende Refinanzierung von Tariftreueerhöhungen sowie betriebsinterne Effizienzmaßnahmen.
„Der Rückgang der Personalkostenquote ist das Ergebnis harter Arbeit in den Pflegebetrieben“, erläutert Janine Peine, Steuerberaterin und Leiterin der ETL ADVISION. „Pflegedienste haben in den vergangenen Jahren enorme Anpassungsleistungen erbracht – durch bessere Tourenplanung, gezielteres Abrechnungsmanagement und den Einsatz digitaler Lösungen. Das verdient Anerkennung.“
Die Investitionsbereitschaft der Betriebe bleibt jedoch weiterhin verhalten. Das zeigt sich an der sinkenden Abschreibungsquote der vergangenen Jahre, die mit 0,84 Prozent auch 2024 auf einem niedrigen Niveau liegt. Vor allem die durch die Tariftreuepflicht erforderlichen Vorfinanzierungen im Personalbereich schränken die finanziellen Handlungsspielräume vieler Einrichtungen ein.
Die Pflegebranche muss sich auch künftig auf wachsende Herausforderungen einstellen: den steigenden Versorgungsbedarf in Deutschland und die damit einhergehende gesamtgesellschaftliche Bedeutung der ambulanten Pflegebetriebe. Laut aktuellen Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der ambulant versorgten Pflegebedürftigen bis 2040 um mehr als 380.000 Personen steigen. Gleichzeitig könnte sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen – mit einer prognostizierten Zunahme des Personalbedarfs von 1,62 auf 2,15 Millionen Pflegekräfte bis 2049.
„Die Zahlen machen deutlich: Die ambulante Pflege muss weiterwachsen – personell, strukturell und organisatorisch“, sagt Nicole Heywinkel, Unternehmensberaterin im Bereich Pflegeeinrichtungen bei ETL ADVISION. „Gleichzeitig braucht es aber auch Unterstützung seitens der Politik. Ein funktionsfähiges und innovatives Pflegesystem ist entscheidend für ein zukunftsfähiges Deutschland.“
Der ETL ADVISION Wirtschaftsmonitor Ambulante Pflege bietet den Pflegebetrieben nicht nur einen exklusiven Einblick in die betriebswirtschaftliche Ist-Situation der Branche, sondern auch praxisnahe Handlungsempfehlungen, die sie sicher durch anspruchsvolle Zeiten führen.
„Betriebe sollten ihre Zahlen prüfen, Prozesse optimieren und vorhandene Handlungsspielräume nutzen“, erklärt die langjährige Branchenberaterin Janine Peine. „Besonders wichtig wird auch künftig die strategische Erweiterung des eigenen Leistungsportfolios sein: Ein breites Leistungsangebot stellt die Pflegeeinrichtung auf mehrere Standbeine, verteilt Risiken und erhöht die Fähigkeit, schnell auf Veränderungen in der Branche zu reagieren.“
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