Ambulanter Pflegemarkt

Report Pflegebedürftigkeit 2025: Häusliche Versorgung dominiert

Der Medizinische Dienst Bund legt Zahlen aus über drei Millionen Begutachtungen vor. 90 Prozent der Pflegebedürftigen leben zu Hause, mehr als die Hälfte kommt ohne Pflegedienst aus. Auffällig: Bei Kindern und jüngeren Erwachsenen steigen die Fallzahlen deutlich – ADHS und Entwicklungsstörungen spielen eine zentrale Rolle.

Carola Engler
Carola Engler, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bund Foto: MD Bund

Der Medizinische Dienst Bund hat den „Report Pflegebedürftigkeit“ auf Basis der Auswertung von über drei Millionen Pflegebegutachtungen aus dem Jahr 2025 veröffentlicht. Laut der Behörde bleibt das Begutachtungsaufkommen damit auf hohem Niveau. Die zentrale Botschaft: Im Jahr 2025 lebten 9 von 10 Pflegebedürftigen in eigener Häuslichkeit, mehr als jede zweite antragstellende Person organisierte die Versorgung ohne professionelle Unterstützung eines Pflegedienstes.

Carola Engler, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bund, verweist auf die Rolle der Gutachter:innen, die neben der Feststellung des Pflegegrads auch Empfehlungen zu Prävention, Heil- und Hilfsmitteln sowie zum Wohnumfeld aussprechen. Diesen Ansatz wolle man ausbauen; das geplante Pflegeneuordnungsgesetz sehe dies laut Engler ebenfalls vor.

Die Verteilung der beantragten Leistungen unterstreicht das Gewicht der informellen Pflege. Laut Report beantragten im vergangenen Jahr 59,6 Prozent Pflegegeld, mit dem sie ihre Pflege durch An- und Zugehörige selbst organisieren; 11,2 Prozent beantragten ambulante Sachleistungen, zu denen insbesondere die Pflege durch einen Pflegedienst zählt. Weitere 19,3 Prozent beantragten eine Kombination aus Pflegegeld und ambulanten Sachleistungen; 9,4 Prozent stellten einen Antrag auf vollstationäre Pflege.

Der Report macht deutlich, dass viele Versicherte erst bei fortgeschrittener Einschränkung Leistungen beantragen. Knapp die Hälfte der Versicherten beantragte erst dann Pflegeleistungen, wenn Pflegegrad 2 und höher vorlagen. Bei den Erstbegutachtungen entfielen laut Medizinischem Dienst 34,5 Prozent auf Pflegegrad 2, 11,7 Prozent auf Pflegegrad 3, 2,7 Prozent auf Pflegegrad 4 und 0,9 Prozent auf Pflegegrad 5. Pflegegrad 1 empfahlen die Gutachter:innen bei 29 Prozent der Antragstellenden, bei 21,3 Prozent lag zum Begutachtungszeitpunkt noch kein Pflegegrad vor.

Während der Anteil der zu Hause versorgten Pflegebedürftigen bei Frauen und Männern ähnlich hoch liegt, unterscheidet sich die Wohnsituation deutlich. Die Verteilung galt in gleichem Maß für pflegebedürftige Frauen (86 Prozent) und Männer (89 Prozent). Deutlich unterschiedlicher war die Verteilung bei den alleinlebenden Pflegebedürftigen: Während 44,1 Prozent der pflegebedürftigen Frauen allein lebten, waren es bei den Männern 26,1 Prozent.

Die Gutachter:innen sprechen bei Erstbegutachtungen regelmäßig konkrete Empfehlungen aus. Im vergangenen Jahr erhielten 8 von 10 Versicherten bei der Erstbegutachtung entsprechende Empfehlungen. Empfohlen wurden beispielsweise Heilmittel wie Physiotherapie (37,5 Prozent) oder Ergotherapie (34,0 Prozent). Knapp jede zweite pflegebedürftige Person (43,6 Prozent) bekam in der Erstbegutachtung eine Hilfsmittelempfehlung, etwa für Dusch- und Badehilfen, Gehilfen oder Pflegehilfsmittel.

Die Zahl neuer Pflegebedürftiger in jüngeren Altersgruppen wächst überdurchschnittlich. Bei den Altersgruppen 18–59 Jahre und 60–69 Jahre erhöhte sich die Anzahl neuer Pflegebedürftiger in den vergangenen Jahren um mehr als 150 Prozent, weil seit der Pflegereform 2017 kognitive, psychische und psychiatrische Beeinträchtigungen bei der Feststellung der Pflegebedürftigkeit stärker berücksichtigt werden.

Bei den Erwachsenen bleibt jedoch das hohe Alter der Haupttreiber: Die meisten Erwachsenen werden zwischen 75 und 90 Jahren pflegebedürftig – meist aufgrund von demenziellen Erkrankungen oder anderen Alterserkrankungen wie Senilität, Polyarthrosen, Störungen der Mobilität, schwere Herz- und Lungenerkrankungen.

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Minderjährigen. Die Zahl der Begutachtungen von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren hat sich in einem Jahrzehnt fast vervierfacht, von rund 53.000 im Jahr 2015 auf etwa 190.000 im Jahr 2025. Bei ihnen führten vor allem Beeinträchtigungen aufgrund von hyperkinetischen Störungen wie ADHS und anderen Entwicklungsstörungen zu Pflegebedürftigkeit.


Der vollständige Report ist auf der Website des Medizinischen Dienstes Bund abrufbar: Report Pflegebedürftigkeit