Konzepte und Innovationen

„Gemeinsam Pflege“: Bocholt soll Blaupause für NRW-Kommunen werden

Mit einem Landeszuschuss und wissenschaftlicher Begleitung will die Stadt Bocholt bis Ende 2028 neue Quartiersstrukturen für die häusliche Pflege aufbauen. Ehrenamtliche Pflegelotsen, Beratungsangebote und Schulungen sollen Lücken im Wohnumfeld schließen. Das Vorhaben gehört zu vier ausgewählten Modellen in NRW und soll als Blaupause für weitere Kommunen dienen.

Ein offizielles Treffen mit dem Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann (4. von links) und Matthias Mohrmann, stv. Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg (rechts), in Vertretung der Landesverbände der Pflegekassen in NRW sowie des PKV-Verbandes e. V. in Düsseldorf markierte den feierlichen Startschuss für das Vorhaben. Foto: Stadt Bocholt

Die Stadt Bocholt hat den offiziellen Startschuss für ihr Pflegeprojekt „Gemeinsam Pflege“ gegeben. Bei einem Termin in Düsseldorf übergaben NRW-Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sowie Matthias Mohrmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, den Auftakt für das Vorhaben. Mohrmann vertrat dabei die Landesverbände der Pflegekassen in NRW sowie den Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV).

Auswahl im landesweiten Verfahren

Laut Mitteilung der Stadt Bocholt setzte sich das Konzept in einem landesweiten Interessenbekundungsverfahren durch und zählt zu vier geförderten Modellvorhaben in Nordrhein-Westfalen. Die Laufzeit ist bis zum 31. Dezember 2028 angesetzt. Finanziert wird das Projekt vom Land NRW, den Landesverbänden der Pflegekassen sowie dem PKV-Verband. Die Stadt trägt einen Eigenanteil von 20 Prozent an den Gesamtkosten.

Verwaltungsinterne Bündelung

Die Federführung liegt beim Ersten Stadtrat Björn Volmering. Konzept und Umsetzung wurden gemeinsam mit dem städtischen Seniorenbüro sowie den Stabsstellen für Demografie, Quartiersentwicklung und Integration entwickelt. Ziel dieser Bündelung ist nach Angaben der Stadt eine sozialraumorientierte Herangehensweise.

Inhaltliche Bausteine im Quartier

Im Zentrum steht der Anspruch, älteren Menschen ein längeres selbstbestimmtes Leben in der vertrauten Umgebung zu ermöglichen und parallel pflegende Angehörige zu entlasten – begründet mit dem hohen Anteil häuslicher Versorgung in Bocholt. Vorgesehen sind:

  • der Aufbau neuer Beratungs- und Unterstützungsangebote,
  • die Etablierung ehrenamtlicher Pflegelotsen direkt in den Quartieren,
  • bedarfsgerechte Informations- und Schulungsangebote für Pflegebedürftige und Angehörige,
  • Maßnahmen zur Förderung von Mobilität und gesellschaftlicher Teilhabe.

Volmering verweist darauf, dass tragfähige Strukturen im Wohnumfeld nötig seien, weil der Großteil der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werde. Das Projekt solle Lücken in den Quartieren schließen.

Wissenschaftliche Begleitung und Transfer

Die Auswertung übernimmt die empirica AG. Die in Bocholt erprobten Strukturen sollen systematisch analysiert werden. Christian Tewiele, Leiter des Geschäftsbereichs Rente, Senioren, Betreuungen und Ehrenamt, betont zwei Zielrichtungen: eine dauerhafte Verankerung erfolgreicher Ansätze im Stadtgebiet über das Projektende hinaus sowie die Funktion als Best-Practice-Beispiel für andere Kommunen in Nordrhein-Westfalen beim Ausbau ihrer Pflegeinfrastruktur.

Veranstaltungshinweis

Wie sich Versorgungsquartiere planen, finanzieren und wirtschaftlich tragfähig betreiben lassen, ist Thema der Häusliche Pflege Konferenz „Versorgungsquartiere – planen und betreiben“ am 30. September und 1. Oktober 2026 in Hannover. Die Konferenz bringt ambulante Pflegeanbieter, Wohnungswirtschaft, Genossenschaften, Investoren und Kommunen zusammen und bietet Praxisbeispiele, Betreibermodelle sowie Exkursionen in das Johanniter-Quartier Kirchrode und das Stift zum Heiligen Geist. Weitere Informationen und Tickets: www.haeusliche-pflege.net/vn-events/versorgungsquartiere