Konzepte und Innovationen

Deutschlandweit einmaliges Pflegeübungszentrum wieder ausgezeichnet

Das deutschlandweit einzigartige Pflegeübungszentrum der Caritas in Mellrichstadt erhält den Sozialpreis der Bayerischen Landesstiftung – Anerkennung für ein Konzept, das Angehörige und Pflegebedürftige praxisnah auf die häusliche Pflege vorbereitet.

V.l.n.r.: Alexander König, Christin Mähler, Andrea Ebert, Ulli Feder, Angelika Ochs, Albert Füracker Foto: Astrid Schmidhuber/Bayrische Landesstiftung

Das Pflegeübungszentrum (PÜZ) in Mellrichstadt, getragen vom Caritasverband für den Landkreis Rhön-Grabfeld e. V., ist am 12. November 2025 in der Kuppel der Bayerischen Staatskanzlei mit dem Sozialpreis der Bayerischen Landesstiftung ausgezeichnet worden. Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) überreichte in Vertretung für Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Urkunde an eine Delegation rund um Vorständin Angelika Ochs. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis würdigt laut Bayerischem Staatsministerium für Finanzen und Heimat ein deutschlandweit einmaliges Modell: ein Zentrum, das Pflegebedürftigen und Angehörigen ermöglicht, unter Anleitung von Fachkräften in einer realitätsnahen Umgebung Pflegesituationen zu erproben.

Laut Ministerium soll das PÜZ helfen, die häusliche Pflege im vertrauten Umfeld zu erleichtern und Ängste vor der neuen Situation abzubauen. Das Konzept setzt auf praxisorientiertes Lernen: In Wohnungen mit künstlich geschaffenen Barrieren werden Alltagssituationen simuliert, um Pflegehandlungen zu trainieren und eine fundierte Entscheidung über die passende Pflegeform – zuhause, teilstationär oder stationär – zu treffen.

Das PÜZ wurde im April 2019 eröffnet und bietet Betroffenen bei einer plötzlich eintretenden Pflegesituation die Möglichkeit, Ängste und Unsicherheiten zu überwinden. Im Pflegeübungszentrum können Pflegebedürftige und Angehörige in einem an die Häuslichkeit angelehnten Rahmen üben, ob Pflege zu Hause gelingen kann. Das PÜZ ist Entscheidungshilfe, um die richtige Form der Pflege, zuhause, stationär, teilstationär oder ambulant zu finden. „In den letzten sechs Jahren wurde unser PÜZ von vielen Menschen dankbar angenommen. Wir sind froh und stolz, dass wir im sich stetig wechselnden Bereich der Pflege mit unserem deutschlandweit einmaligen Projekt den Menschen ein Stück helfen können, besser mit der großen Herausforderung ‚Pflegebedürftigkeit‘ zurechtzukommen“, so Vorständin Angelika Ochs.

Pflegefachkräfte schulen die Bewohner des PÜZ individuell, auf ihre jeweilige Pflegesituation angepasst, mit künstlich geschaffenen Barrieren, um die Realität im häuslichen Umfeld so genau wie möglich simulieren zu können. Am Ende steht dann eine gemeinsam mit den Fachkräften erarbeitete Entscheidung, welche Wohnform im jeweiligen Fall am sinnvollsten ist.

Füracker hob bei der Preisverleihung den gesellschaftlichen Wert des Engagements hervor: Alle Preisträger:innen zeichneten sich durch „Herzblut, Leidenschaft und vorbildlichen Einsatz für ihre Mitmenschen“ aus. Der Sozialpreis solle, so Füracker, zugleich Anerkennung und Motivation sein, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Das Projekt aus der Rhön verknüpft laut Caritas-Perspektive Pflegepraxis und Prävention und bietet Pflegeverantwortlichen sowie Angehörigen ein realistisches Trainingsfeld. Damit liefert es Impulse für einen Bereich, der zunehmend auf individuelle Selbstbestimmung und passgenaue Unterstützungsformen setzt.

Schon 2018 erhielt das damals in Entstehung befindliche Projekt den renommierten Häusliche Pflege Innovationspreis der Fachzeitschrift Häusliche Pflege und dem Sponsor opta data. Seitdem hat sich das PÜZ verstetigt und deutschlandweit für sein einmaliges Konzept für Aufsehen gesorgt. (lon)