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Internationale Pflegekräfte: Warum Integration mehr ist als ein Sprachkurs
Der Fachkräftemangel in der Pflege spitzt sich zu – vielerorts fehlen Nachwuchskräfte. Immer mehr Träger setzen deshalb auf internationale Pflegekräfte. Doch wie können diese nicht nur angeworben, sondern auch dauerhaft integriert werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Vortrags von Jasmin Arbabian-Vogel (Interkultureller Sozialdienst Hannover) und Stefanie Krones (Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn) beim KAI&LUNA-Kongress in Essen.
Der Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn hat 2021 ein Projekt gestartet, das mittlerweile rund 60 internationale Auszubildende in drei Altenheimen und fünf Sozialstationen umfasst. Die jungen Menschen kommen aus Ländern wie Marokko, Syrien, Indien, Palästina oder der Ukraine. „Wir haben nicht genügend Interessenten aus Deutschland, um unseren Bedarf zu decken“, sagte Vorstandsmitglied Stefanie Krones. Deshalb setze man auf Ausbildung statt auf reine Anwerbung von Fachkräften.
Die generalistische Pflegeausbildung bietet nach ihrer Einschätzung klare Vorteile: „Sie ist eine geschützte Zeit, in der Integration Schritt für Schritt gelingt. Unsere Auszubildenden lernen das Pflegesystem von Grund auf kennen, bevor sie volle Verantwortung übernehmen.“
Damit Integration gelingt, hat der Verband Azubi-WGs eingerichtet, in denen die jungen Menschen zusammenleben. Außerdem gibt es Begegnungsformate wie Begrüßungsfeste, „World Cafés“ oder thematische Seminare, etwa 2023 zum Thema „Fragen an die Deutsche Geschichte“. „Es ist nicht damit getan, die Menschen vom Flughafen abzuholen. Wir müssen dafür sorgen, dass ihre Motivation bleibt“, betonte Krones.
Integration ist ein Langstreckenlauf
Die Caritas investiert in Praxisanleiter, die eng begleiten – und inzwischen stammen erste Praxisanleiter selbst aus dem Kreis der internationalen Auszubildenden. Auch das Umfeld wird bewusst einbezogen: Nachbarn, Vermieter und vor allem die Klientinnen und Klienten. „Das war unsere größte Sorge – die sich als unbegründet erwiesen hat. Unsere Auszubildenden wurden mit offenen Armen empfangen.“
Öffentlichkeitsarbeit spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Lokale Medien berichten über die Projekte, der Verband lädt zu Pressegesprächen ein und nutzt Social Media. „Die positiven Aspekte überwiegen bei weitem“, so Krones.
Unternehmenskultur entscheidet
Jasmin Arbabian-Vogel, Geschäftsführerin des Interkulturellen Sozialdienstes Hannover, stellte eine andere Perspektive vor. Ihr 1996 gegründeter ambulanter Dienst arbeitet seit fast 30 Jahren mit einem multikulturellen Team. „Ich selbst habe eine Einwanderungsgeschichte aus dem Iran. Von Anfang an war klar: Wir müssen Brücken bauen – zwischen Kulturen, Sprachen, Weltanschauungen.“
Dabei gehe es nicht nur um Sprache. „Wenn die Chemie nicht stimmt, nützt die Sprache nichts. Für eine gelungene Pflegebeziehung brauchen wir mehr.“ Arbabian-Vogel setzt auf eine Unternehmenskultur, die Vielfalt aktiv fördert. „Interkulturelle Kompetenz ist keine App, die man installieren kann. Sie entsteht im Betrieb – im Miteinander.“
Chancen statt Probleme
Beide Referentinnen betonten, dass Vielfalt kein Risiko, sondern eine Ressource ist. Sie stärkt Teams, bringt neue Perspektiven in die Pflege und fördert eine offene Gesellschaft. „Integration ist ein Langstreckenlauf“, fasste Krones zusammen. Arbabian-Vogel ergänzte: „Wenn wir die Chancen sehen, haben wir viele Lösungen – und viele Gründe, unsere Einrichtungen zu schätzen.“
Der KAI&LUNA-Kongress läuft noch bis morgen, 11. September, im Haus der Technik in Essen:
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