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KI in der Pflege: Fachleute fordern mehr Vertrauen und grundlegenden Systemwechsel
Experten und Expertinnen diskutieren im Workshop „Pflege digital – KI, aber wie!?“ der Ruhrgebietskonferenz Pflege und des Netzwerks ZukunftPflege NRW, wie Künstliche Intelligenz den Pflegealltag verbessern kann – und warum es dafür weit mehr braucht als nur Technik.
Im Zentrum der Diskussion der 150 Pflegearbeitgebenden stand ein Leitgedanke, der sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung zog: „Trust in Care“ – also das Vertrauen in die Innovationsfähigkeit der Pflegebranche selbst. KI und digitale Werkzeuge seien längst verfügbar, doch ob sie tatsächlich wirken, hänge von strukturellen, finanziellen und kulturellen Voraussetzungen ab, so der Tenor der Beteiligten.
Ein zentrales Problem sind laut Claudia Ott von der Theodor-Fliedner-Stiftung zersplitterte Strukturen. Pflege, Medizin, Verwaltung, Kostenträger und Politik agierten in getrennten Systemen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Digitale Lösungen scheiterten selten an der Technik, sondern an fehlender Vernetzung und unklaren Rahmenbedingungen. Damit KI wirksam werde, müssten Versorgungsprozesse sektorenübergreifend gedacht und Pflegeeinrichtungen frühzeitig in die Entwicklung digitaler Produkte eingebunden werden.
Als wesentliches Hemmnis gilt die Finanzierung
Digitalisierung verspreche zwar langfristige Effizienzgewinne, erfordere aber zunächst Investitionen in IT-Infrastruktur, Schulungen, Prozessanpassungen und Cybersicherheit. Ohne ausreichende Mittel blieben viele Projekte auf Modellcharakter beschränkt und entfalteten keine Breitenwirkung.
Viel Aufmerksamkeit erhält auch das Thema IT-Sicherheit. Pflegeeinrichtungen geraten zunehmend ins Visier von Cyberangriffen. Helmut Wallrafen von der Sozial-Holding Mönchengladbach berichtet von massiven betrieblichen Einschränkungen nach einem Angriff. Seine Forderung: Wer Digitalisierung politisch wolle, müsse auch deren Schutz finanzieren. Notwendig seien gemeinsame Notfallstrukturen, regelmäßige Sicherheitsprüfungen und Schulungen für Mitarbeitende. Zudem plädierte er für mehr Transparenz bei Sicherheitsvorfällen, damit Einrichtungen voneinander lernen können.
Sprachbasierte KI spart eine halbe Stunde pro Schicht
Dass KI bereits heute konkrete Entlastung bringen kann, zeigte ein Praxisbeispiel der Diakonie Stiftung Salem in Minden. Dort dokumentieren Pflegekräfte per sprachbasierter KI statt per Tastatureingabe. Der Zeitaufwand für Dokumentation sank um rund ein Drittel – etwa eine halbe Stunde pro Schicht, betont Christian Schulz. Mitarbeitende berichteten von mehr Zeit für Bewohnerinnen und Bewohner, höherer Dokumentationsqualität, weniger Überstunden und größerer Zufriedenheit im Team.
Weitere vorgestellte Anwendungen reichen von Tablets zur Reduktion von Papierarbeit über automatisierte Personal- und Verwaltungsprozesse bis zu Assistenzsystemen zur Sturzerkennung. KI-gestützte Büroassistenten fassen E-Mails zusammen, bereiten Dienstpläne vor und machen Informationen schneller zugänglich. Die Kernbotschaft aus der Praxis: KI ersetzt keine Pflegekräfte, sondern verschafft ihnen Zeit für ihre eigentliche Aufgabe – die Betreuung und Zuwendung.
Wachsender Markt, aber mangelnde Kompatibilität
Der Markt für digitale Pflegeanwendungen wächst dynamisch. Präsentiert wurden unter anderem KI-Programme für Biografiearbeit, digitale Antragsverfahren und neue Ansätze zur Nachwuchsgewinnung. Ein gravierendes Problem bleibt jedoch die mangelnde Kompatibilität vieler Systeme. Fehlende Standards führen dazu, dass Programme nicht reibungslos zusammenarbeiten und zusätzlichen Aufwand erzeugen. Hier sehen Praktiker vor allem die Industrie in der Verantwortung.
Fazit der Veranstaltung: Die digitale Transformation der Pflege ist mehr als eine technische Frage. Sie betrifft Organisation, Arbeitskultur und politische Rahmenbedingungen gleichermaßen. Träger, Politik, Kostenträger, Industrie und Berufsgruppen müssen enger kooperieren und gemeinsam investieren. Ziel ist eine Technologie, die Pflege nicht ersetzt, sondern mehr Raum für persönliche Zuwendung schafft.
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