Fuhrpark

München digitalisiert: Pflegedienste sollen freie Halteflächen schneller finden

Die Stadt München rüstet Lieferzonen mit Sensoren aus. Über eine kostenfreie App erhalten Pflegedienste, Handwerksbetriebe und Lieferanten Echtzeit-Informationen zur Belegung. Das Pilotprojekt soll Parksuchverkehr reduzieren und die Versorgung in dicht bebauten Quartieren erleichtern – ein Vorbild auch für andere Städte?

Startschuss für das Projekt „Digitalisierung von Lieferzonen“ mit (v.l.) Annette Hilpert (IHK für München und Oberbayern), OB Dominik Krause, Benoît Blaser (Vorsitzender Bezirksausschuss 2), Andrea Stadler-Bachmaier (Vorsitzende Bezirksausschuss 1) und Mobilitätsreferent Georg Dunkel. Foto: LHM/Nagy

Nach Angaben der Stadt München werden 21 ausgewählte Lieferzonen mit Sensoren ausgestattet. Diese senden Echtzeit-Informationen über die Belegung der Flächen direkt an die eigens dafür bereitgestellte, kostenfreie App „mo2B“. An ausgewählten Zonen in der Altstadt wurde zusätzlich der Schriftzug „Lieferzone“ auf den Asphalt aufgebracht, um die Erkennbarkeit zu erhöhen.

In das Pilotprojekt einbezogen sind sowohl 3L-Zonen (Liefern, Laden, Leisten) als auch reine 2L-Zonen (Liefern und Laden). Die App zeigt darüber hinaus alle weiteren 2L- und 3L-Zonen im Stadtgebiet an und bietet eine Routingfunktion zur gewünschten Lieferzone.

Mobilitätsreferent Dunkel benennt Pflegedienste ausdrücklich als eine der Zielgruppen. Durch die Sensoren und die Echtzeitinformationen sollen Handwerker:innen, Pflegedienste und Lieferant:innen freie Haltemöglichkeiten schneller finden können. Zugleich solle einer falschen Beparkung der Zonen entgegengewirkt werden – ein Problem, das in der dichten Altstadt laut Dunkel zu hohem Parkdruck und einer hohen Fehlbelegung der Flächen führt.

3L-Zonen sind als eingeschränkte Haltverbote beschildert. Nutzergruppen mit Sonderparkausweisen wie Handwerker oder Pflegedienste dürfen dort während des Einsatzes auch parken. In der „blauen Zone“ der Altstadt sind diese 3L-Zonen orange markiert. In den Tagesrandzeiten – in der Regel zwischen 19 und 8 Uhr – stehen sie laut Stadt für das Anwohnerparken zur Verfügung. Menschen mit Behindertenparkausweis können dort jederzeit bis zu drei Stunden parken.

Ermöglicht wird das Vorhaben durch das EU-Förderprojekt „metaC-CAZE“, in dessen Rahmen die Stadt Lösungen für den Wirtschaftsverkehr und die Digitalisierung der Mobilität umsetzt, die von anderen Städten repliziert werden können. Die relevanten Lieferzonen wurden gemeinsam mit Vertreter:innen von Kammern und Wirtschaftsverbänden ausgewählt.

Das Projekt soll unter anderem aufzeigen, welche Nutzergruppen das Angebot annehmen und für welche Gruppen es gegebenenfalls noch weitergehende Lösungen braucht. Verantwortlich für die Umsetzung sind neben der Stadt die Partner Smart City Systems (Sensorik), Stadtraum (App „mo2B“), DB Schenker (Erprobung und Logistikanwendungen) sowie die Technische Universität München (Evaluation).

München verfolgt das Ziel, bis 2035 stadtweit 1.000 Lieferzonen anzuordnen. Künftig sollen auch Sonderparkplätze – darunter Behindertenparkplätze, Parkplätze mit Ladesäulen, Carsharing-Stellplätze und Flächen für den Wirtschaftsverkehr – mit Sensoren ausgestattet werden, um deren Verfügbarkeit in Echtzeit zu übermitteln.

Für Pflegedienste in anderen Großstädten könnte das Münchner Modell perspektivisch ein Vorbild sein: Die Suche nach legalen Halteflächen bindet täglich Arbeitszeit, die für die direkte Versorgung der Klient:innen fehlt. Eine sensorgestützte Verfügbarkeitsanzeige adressiert genau diesen Engpass. (ck/lon)