Ambulanter Pflegemarkt

Nach Insolvenz: AWO Wesel gibt einen Pflegedienst auf

Das zuständige Insolvenzgericht hat am 1. Juni 2025 das Insolvenzverfahren über das Vermögen des AWO Kreisverband Wesel e.V. („AWO Wesel“) eröffnet. Dabei wurde die Eigenverwaltung durch das Gericht bestätigt, womit der Vorstand weiterhin im vollen Umfang handlungs- und weisungsbefugt bleibt.

Foto: AWO Kreisverband Wesel

Der Geschäftsbetrieb läuft seit Anordnung der Sicherungsmaßnahmen stabil. Ab sofort wird die AWO Wesel Löhne und Gehälter der rund 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder direkt zahlen – hierfür stehen ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung. „Wir sind zufrieden mit dem bisherigen Fortschritt des Verfahrens. Die Entscheidung des Gerichts bestätigt den von uns eingeschlagenen Weg“, sagt Jochen Gottke, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbands.

Er hat in den vergangenen Wochen zusammen mit seinen Vorstandskollegen intensive Gespräche geführt und das Portfolio des Kreisverbands in enger Abstimmung mit den Sanierungsexperten von der BDO Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH unter der Leitung von Rechtsanwalt Roman-Knut Seger umfassend auf den Prüfstand gestellt. Auch wenn noch Verhandlungen mit den verschiedenen Beteiligten laufen, ist es nun möglich, erste Maßnahmen und Ergebnisse aus dem Verfahren zu präsentieren.

Im Ergebnis der Überprüfungen steht fest, dass der überwiegende Teil der Einrichtungen und Leistungen der AWO Wesel fortgeführt wird. „Das ist eine positive Nachricht – und ein klares Signal an alle Mitarbeitenden, Partner und Menschen im Kreis, die unsere Angebote in Anspruch nehmen“, so Gottke.

Im Zuge der Sanierungsplanung seien in der gesamten Organisation Einsparpotentiale identifiziert, die teilweise bereits erfolgreich umgesetzt werden konnten. Weitere Maßnahmen würden sukzessive angegangen. Gleichzeitig sollen im Besitz der AWO Wesel stehende Immobilien verkauft werden bzw. befinden sich im Verkaufsprozess, was zusätzliche Liquidität für eine Vergleichslösungen mit den Insolvenzgläubigern bringen soll.

„Leider können aus wirtschaftlichen Gründen die Trägerschaften bzw. der Betrieb verschiedener Einrichtungen nicht weitergeführt werden: So wurde bereits vor Einleitung des Sanierungsverfahrens unter anderem der Ambulante Pflegedienst in Moers aufgegeben und die Schließung des sozialfreundlichen Frisiersalon HAIRlich in Neukirchen-Vluyn beschlossen. Auch die Aufgabe der Mobilen und Ambulanten Pflege in Wesel sowie der psychosozialen Beratung und Betreuung ist ein erforderlicher Baustein im Sanierungskonzept. Gespräche dazu werden geführt“, heißt es in einer Mitteilung der Sanierungsanwälte.

Die Gläubiger haben Ende August 2025 dann die Gelegenheit, über einen von der AWO Wesel vorzulegenden Sanierungsplan abzustimmen.