Politik

opta data Zukunftstag mit politischen Botschaften

Der 10. opta data Zukunftstag am 18. Juni 2026 in Berlin hat mit einer scharfen Warnung von Eckart von Hirschhausen vor der AfD begonnen. Der Mediziner und Publizist verband seine Kritik mit Warnungen vor Desinformation, digitaler Manipulation und der Macht großer Plattformen.

Eckardt von Hirschhausen machte aus seiner Haltung keinen Hehl. Fotos: opta data

Aus Berlin: Lukas Sander, Chefredakteur Häusliche Pflege

Eckardt von Hirschhausen machte aus seiner Haltung keinen Hehl: Er warnte vor der AfD und fragte: „Warum gibt es kein Verbotsverfahren?“ AfD-Politikern, die Menschen mit Migrationshintergrund aus Deutschland verteiben wollten und die Integration von Menschen mit Behinderung ablehnten, weil dies andere Kinder angeblich daran hindere, zu Eliten zu werden, sollte das passive Wahlrecht entzogen werden, so Hirschhausen: „Warum dürfen solche Leute überhaupt noch gewählt werden?“ Das dem zugrundeliegende Gedankengut verglich Hirschhausen mit dem der Nationalsozialisten. Gerade für ein Gesundheitswesen, das auf Zuwanderung, Vielfalt und internationale Fachkräfte angewiesen ist, bekam diese Zuspitzung besonderes Gewicht. Hirschhausen schlug damit einen Ton an, der über die üblichen Debatten eines Gesundheitskongresses hinausging und den Mut der Veranstalter zur politischen Polarisierung bewies.

Borchardt verfehlt die Gesundheitsfachberufe

So deutlich Hirschhausen den Ton setzte, so schwach blieb der Auftritt von Simone Borchardt. Die gesundheitspolitische Sprecherin ging in ihrer Keynote zwar auf die Pflegereform ein, wirkte dabei aber so, als habe sie die eigentliche Zielsetzung der Veranstaltung aus dem Blick verloren. Borchardt sprach sehr breit über Krankenhäuser, verfehlte damit jedoch die zentralen Zielgruppen des Zukunftstags: die Gesundheitsfachberufe. Gerade sie standen im Mittelpunkt des Kongresses.

Kein Wort zur Tariftreueregelung

Besonders schwer wog, dass Borchardt zu einem der größten Painpoints der Pflegebranche schwieg. Die geplante Aussetzung der Tariftreueregelung im Zuge der Pflegereform sorgt seit Wochen für breite Kritik. In Verbänden und Einrichtungen ist der Unmut darüber allgegenwärtig, weil viele darin ein falsches Signal für Beschäftigte, Träger und die Stabilität der Versorgung sehen. In Borchardts Keynote kam dieser Konflikt nicht vor.

TI, EHDS und KI bleiben zentrale Themen

Auf der Agenda des Tages standen nicht zuletzt die fachpolitischen Zukunftsfragen des Gesundheitswesens. Im Tagungsort AXICA am Brandenburger Tor diskutierten mehr als 200 Entscheider:innen aus Politik, Verbänden, Versorgung, Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft über die Zukunft der Gesundheitsfachberufe über die Anbindung an die Telematikinfrastruktur, der European Health Data Space, Künstliche Intelligenz, Robotik, die elektronische Verordnung in der Heil- und Hilfsmittelversorgung, die digitale Transformation der Pflege und die sektorübergreifende Zusammenarbeit. In sechs Panels kamen 42 Speaker zusammen.

Hirschhausen pocht auf das Menschliche

Eckardt von Hirschhausen setzte neben seiner politischen Kritik auch einen zweiten Akzent. Digitalisierung dürfe im Gesundheitswesen nicht zum Selbstzweck werden. Vertrauen, Kommunikation, Zuwendung und unmittelbarer menschlicher Kontakt blieben zentral. „Wir brauchen immer noch menschliche Kommunikation“, sagte er. Daran knüpfte auch seine Kritik an arztzentrierten Strukturen an. Gesundheitsversorgung werde nicht allein in Kliniken oder Ministerien entschieden, sondern ebenso dort, wo pflegerische, therapeutische und weitere Gesundheitsfachberufe täglich Verantwortung übernehmen.

Deepfakes und digitale Öffentlichkeit

Ein weiteres Thema waren Deepfakes, gefälschte Gesundheitswerbung und der Missbrauch digitaler Technik. Hirschhausen warnte vor einem digitalen Umfeld, in dem Täuschung, Reichweite und wirtschaftliche Interessen immer enger zusammenrücken. „Wir müssen dringend dafür sorgen, dass wir in einer Welt bleiben, wo man wahr und gelogen auseinanderhalten kann“, sagte er.

Nachhaltigkeit als Gesundheitsfrage

Auch der Zusammenhang von Gesundheit und Nachhaltigkeit spielte eine Rolle. Die Zukunft des Gesundheitswesens erschien damit nicht nur als Frage von Reformen, Datenräumen und digitalen Prozessen, sondern auch als Frage der Lebensgrundlagen. Klima, Umwelt und Gesundheit lassen sich nicht voneinander trennen. „Wir sind nicht die Mitte des Universums, wir sind Teil davon“, sagte Hirschhausen, der u.a. die Stiftung Gesunde Erde, gesunde Menschen“ gegründet hat.

Roboter odi zeigt Technik in der Pflege

Einen unterhaltsamen Aspekt mit Niedlichkeitsfaktor hatte die Veranstaltung ebenfalls. Der humanoide Roboter odi vermittelte im Gespräch mit Andreas Fischer, Geschäftsführer der opta data Gruppe, einen Eindruck davon, wie Technik Pflege künftig unterstützen könnte. Der Auftritt gab ein Gefühl dafür, welches Potenzial in Robotik und digitalen Assistenzsystemen steckt. Pflege bleibt dennoch menschlich.

Seit seiner Gründung bringt der opta data Zukunftstag Entscheidungsträger:innen aus Politik, Selbstverwaltung, Gesundheitsfachberufen, Berufsverbänden, Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft zusammen, um die Zukunft der Versorgung gemeinsam zu diskutieren und aktiv mitzugestalten. Was vor knapp 20 Jahren als Dialogplattform begann, hat sich zu einem etablierten Branchentreff entwickelt. Erstmals fand die Veranstaltung 2026 im politischen Zentrum Berlins statt.

Die familiengeführte opta data Gruppe entwickelt seit über 50 Jahren digitale Lösungen und Finanzdienstleistungen für Leistungserbringer im Gesundheitswesen. Mehr als 60.000 Kund:innen nutzen die Angebote des Essener Technologieunternehmens, das mit rund 3.300 Mitarbeitenden die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung aktiv mitgestaltet.

 

Roboter odi (links) im Gespräch mit Andreas Fischer. Rechts: Simone Borchardt, CDU-Gesundheitspolitikerin.