Aus- und Weiterbildung

Pflegebildung als Schulstoff?

Angesichts des demografischen Wandels und des heute bereits spürbaren Arbeitskräftemangels fordert die Ruhrgebietskonferenz-Pflege den systematischen Zugang von Pflegekräften an die allgemeinbildenden Schulen. Ulrich Christofczik, Sprecher der Ruhrgebietskonferenz-Pflege und Geschäftsführer der Evangelischen Dienste Duisburg: „Pflege betrifft uns alle – früher oder später. Und dennoch bleibt sie in der Schule weitgehend unsichtbar. Jede Schülerin und jeder Schüler sollte in der Schulzeit mindestens einmal Kontakt zu einem Gesundheits- und Pflegeberuf gehabt haben.“ Dadurch könnten die jungen Menschen konkret die Vielfalt und Vielzahl der Herausforderungen kennenlernen.

Foto: AdobeStock/Moritz Wussow

Mehr als 5 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig – bis 2055 werden es fast 7 Mio. sein. Gleichzeitig fehlen laut Pflegekammer NRW bis 2030 rund 500.000 Pflegekräfte. Im Jahr 2030 müssten sich 50 % der Schulabgänger für einen Gesundheitsberuf entscheiden, um den Bedarf zu decken. Dabei kennen viele Schülerinnen und Schüler das Berufsfeld kaum und haben ein verzerrtes oder klischeebesetztes Bild von den Pflegeberufen.

In Deutschland übernehmen schätzungsweise rund 480.000 Kinder und Jugendliche Pflegeaufgaben in ihren Familien – die so genannten Young Carers“. Für sie ist Pflege längst Alltag. Doch Unterstützung und Wissen fehlen. Pflegebildung an Schulen könne nicht nur Orientierung und Entlastung bieten, sondern auch wichtige Kompetenzen wie Empathie, Solidarität und Gesundheitswissen stärken.

Die Ruhrgebietskonferenz-Pflege fordert, Pflege als interdisziplinäres Thema in Fächern wie Biologie, Ethik, Sozialkunde oder Wirtschaft zu verankern und im Rahmen der Berufsorientierung zu stärken. Roland Weigel, Koordinator der Ruhrgebietskonferenz-Pflege weist auf gute Beispiele hin: „Die Arbeitgeberinitiative „Starke Pflege in Münster“ hat schon vor zwei Jahren die so genannten „Doppelstunde Pflege“ entwickelt.  Gemeinsam mit allgemeinbildenden Schulen vor Ort wird der Unterricht mit einem vielseitigen Praktikumsangebot verknüpft, um jungen Menschen den Kontakt mit dem Thema Pflege zu ermöglichen.“

An Ideen und Vorschlägen mangelt es nicht.  So sind Modellprojekte und Schulversuche in Zusammenarbeit mit Pflegeeinrichtungen und denkbar. Gemeinsam mit Experten müssten pädagogisches Material, Fortbildungen für Lehrkräfte und weitere Formate für Schulkooperationen entwickelt werden. Sinnvoll und möglich wäre auch die Einbindung von pflegenden Angehörigen und Pflegefachpersonen in den Unterricht oder die Unterstützung für „Young Carers“ durch schulische Ansprechpersonen, Beratungsangebote und Entlastungsstrukturen.