Ambulanter Pflegemarkt
Wie die Kooperation von Humanika und Vonovia zustande kam
ALTENPFLEGE 2025, Messekongress Masterplan Quartier, Nürnberg – Svetislav Markov, Geschäftsführer der Humanika Unternehmensgruppe, präsentierte am 9. April ein beispielgebendes Kooperationsmodell zwischen Pflegebranche und Wohnungswirtschaft. Ziel: Älteren Menschen ein Verbleiben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen – bei gleichzeitig wirtschaftlichen Chancen für Vermieter.
Svetoslav Markov eröffnete seinen Vortrag mit einem Blick auf die aktuelle Herausforderung: Während laut Umfragen 80 Prozent der älteren Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung bleiben wollen, ist der Mangel an altersgerechtem Wohnraum eklatant. Von den benötigten 3,6 Millionen barrierearmen Wohneinheiten bis 2030 stehen derzeit nur rund 700.000 zur Verfügung. Selbst eine vorsichtige Prognose, so Markov, lasse eine unüberwindbar scheinende Lücke erkennen.
Parallel dazu verschärfe sich der Pflegenotstand, insbesondere in der ambulanten Versorgung. Pflegende Angehörige geraten an ihre Belastungsgrenzen, während professionelle Dienste zunehmend an Kapazitätsgrenzen stoßen.
Kooperation mit Wohnungswirtschaft als strategische Antwort
Vor diesem Hintergrund skizzierte Markov die Grundidee: eine systematische Verzahnung ambulanter Dienstleistungen mit Bestandsimmobilien der Wohnungswirtschaft. Die Humanika Gruppe, seit Jahren auf alternative Wohnformen spezialisiert, setzt dabei auf starke Partner. Mit Vonovia, Deutschlands und Europas größtem Wohnraumanbieter, hat Humanika vor drei Jahren eine strategische Partnerschaft geschlossen.
Die Idee: Wohnungen werden nicht nur baulich, sondern vor allem durch intelligente Dienstleistungspakete aufgewertet. „Unser Ansatz geht weit über die klassische Pflege hinaus“, betonte Markov. Das Portfolio reicht von Pflegedienstleistungen über Fahr- und Begleitdienste bis hin zu Umzugsservices, einem eigenen Sanitätshaus und zwei medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Digitale Lösungen wie smarte Ambient Assisted Living-Systeme oder eine eigene Service-App ergänzen das Angebot.
Mit der App können Bewohner Leistungen flexibel hinzubuchen oder abbestellen – je nach aktuellem Bedarf, bequem von zu Hause aus. Ob Wäscheservice, Einkäufe oder Unterstützung im Alltag: Alles ist modular und niederschwellig buchbar.
„Leben, wie ich bin“ – Konzept für selbstbestimmtes Wohnen
Zentrales Element der Kooperation ist das Konzept „Leben, wie ich bin“. Es zielt darauf ab, Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen – mit abgestuften Versorgungs- und Sicherheitsleistungen. Der Fokus liegt nicht allein auf baulicher Anpassung, sondern auf einer flexiblen Dienstleistungsarchitektur.
Beispiele wie das Quartier in Essen-Katernberg zeigen, wie es gelingen kann: Aus einem vormals problematischen Wohnkomplex mit hohem Leerstand und sozial schwieriger Struktur entstand ein lebendiges Quartier mit vier Wohngemeinschaften und gemischtem Wohnungsbestand. Markov berichtete offen über anfängliche Herausforderungen, wie mangelnde Mülltrennung und Brandschutzprobleme, die unter anderem durch ein eigens entwickeltes Bildungsangebot – den „Wohnführerschein“ – gelöst wurden.
Auch in München-Pasing wird das Konzept bereits angewandt: Hier begegnet Humanika der Nahversorgungsproblematik durch Kooperation mit einem mobilen Supermarkt und digitalen Schulungsangeboten für die älteren Bewohner.
Datenbasierte Pflegeunterstützung durch intelligente Systeme
Eine weitere Innovation sind KI-gestützte Sensorsysteme, die das Verhalten der Bewohner analysieren. Veränderungen, etwa in der Mobilität, werden frühzeitig erkannt. So können notwendige Leistungen proaktiv angeboten werden, bevor es zur Eskalation kommt. Markov unterstrich, dass es dabei nicht um „Aufschwatzen“, sondern um passgenaue Unterstützung gehe.
Forschung und Entwicklung für die Zukunft
Markov kündigte zudem an, dass Humanika sich aktiv an Forschungsprojekten beteiligt. So wird etwa im Rahmen des Programms „Gesünder in NRW“ an Lösungen gearbeitet, wie Menschen mit Demenz möglichst lange selbstständig in ihrer Wohnung leben können – inklusive intelligenter Herdabschaltungen und Vitaldatenüberwachung.
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