Pflege und Politik

Thüringens Zukunft liegt in der Pflege

Immer mehr Menschen in Thüringen sind pflegebedürftig. Ende 2023 erhielten 193.937 Frauen und Männer im Freistaat Pflegegeld, wie das Landesamt für Statistik in Erfurt mitteilte. Das waren 27.484 Menschen mehr als noch zwei Jahre zuvor.

Katharina Schenk (SPD), Thüringer Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie Foto: TSG/Jakob Schröter

Den Zahlen nach waren zum Stichtag am 15. Dezember 2023 fast 80 Prozent der Pflegebedürftigen älter als 65 Jahre. Etwa ein Drittel (32,2 Prozent) war mindestens 85 Jahre alt. Der demografische Wandel mit einer immer älter werdenden Gesellschaft gilt in Thüringen als eine der größten Herausforderungen der Zukunft.

Die Statistik zeigt, dass etwas mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen im Jahr 2023 ausschließlich Pflegegeld bekommen hat. Das bedeute einen Anstieg um 22 Prozent im Vergleich zum Stichtag 2021, teilten die Statistiker mit. 42.283 Menschen wurden ambulant betreut, 24.385 Pflegebedürftige wurden vollstationär versorgt.

Programm „Agathe“

Sozialministerin Katharina Schenk (SPD) hält das von ihrer Amtsvorgängerin eingeführte Landesprogramm gegen Vereinsamung alter Menschen für eine gute Sache. „Dafür gab es auch parteiübergreifend immer sehr viel Sympathie“, sagte Schenk über das Programm „Agathe“ (Älter werden in Gemeinschaft) von Ex-Ministerin Heike Werner (Linke). In den Kommunen sei es inzwischen etabliert.

Über das 2021 gestartete Programm finanziert das Land speziell geschulte Fachkräfte, die vor Ort praktische Unterstützung für Senioren im Alltag organisieren und ihnen zum Zuhören zur Verfügung stehen.

Dabei geht es etwa um Fahrten zum Arzt, Hilfen beim Einkaufen oder beim Ausfüllen von Formularen für Behörden oder Krankenkassen. Ziel ist es, den Menschen so lange wie möglich ein selbstständiges Leben in ihrer eigenen Wohnung zu ermöglichen. 14 der 22 Landkreise und kreisfreien Städte beteiligen sich an dem Programm.

Die neuen Regierungspartner CDU, BSW und SPD seien sich in den Koalitionsverhandlungen schnell einig gewesen, dass es fortgesetzt und weiterentwickelt werden solle, sagte Schenk. Im Koalitionsvertrag der sogenannten Brombeer-Regierung ist vorgesehen, das Programm langfristig finanziell abzusichern und flächendeckend auszubauen.

Bislang mussten die Landesmittel – im Jahr 2024 waren es 3,8 Millionen Euro – dafür jährlich im Zuge der Haushaltsberatungen neu beantragt werden. Die frühere Ministerin Heike Werner hatte für eine dauerhafte Etablierung plädiert und dafür eine gesetzliche Verankerung vorgeschlagen.