Pflege und Politik
Ruhrgebietskonferenz Pflege macht trotz Aus der Ruhrkonferenz weiter
Nach dem faktischen Ende der Ruhrkonferenz meldet sich die seit 2019 bestehende Ruhrgebietskonferenz Pflege (RKP) zu Wort. Die Initiative von Arbeitgebern der Langzeitpflege will ihre Arbeit unverändert fortsetzen – und kritisiert, dass die Pflegewirtschaft im Strukturwandeldiskurs des Reviers politisch wie medial weiterhin kaum vorkomme.
Die Ruhrgebietskonferenz Pflege werde ihre Arbeit unabhängig vom Ende der Landes-Ruhrkonferenz fortführen, erklärt Roland Weigel von der Konkret Consult Ruhr GmbH, der die Initiative koordiniert. Anlass der Stellungnahme ist ein Bericht von Tobias Blasius in der WAZ über das Auslaufen der von der Landesregierung initiierten Ruhrkonferenz. Für die RKP habe diese Nachricht keine unmittelbaren Folgen: Man habe ohnehin nie öffentliche Mittel aus dem Format erhalten.
Gründung aus Sorge vor politischer Unsichtbarkeit
Die RKP wurde 2019 als träger- und verbandsübergreifender Zusammenschluss gegründet, zunächst mit rund 28 Pflegeunternehmen, inzwischen mit über 40 Organisationen und mehr als 20.000 Beschäftigten. Auslöser war laut Weigel die Sorge, dass die Pflegewirtschaft im Strukturwandel des Reviers politisch übergangen werde. An die Ruhrkonferenz habe man Projektideen, Themenvorschläge und Stellungnahmen herangetragen – ohne Resonanz. Kein Projekt der Ruhrkonferenz habe die Langzeitpflege erfasst, während Industrie, Technologie, Start-ups, Logistik und Infrastruktur im Fokus gestanden hätten.
Bilanz seit 2019
Die RKP verweist auf eine Reihe eigener Aktivitäten: politische Stellungnahmen zu Finanzierung, Fachkräftemangel und Versorgungssicherheit; Hinweise auf eine drohende „Pflege-Triage“ und stille Leistungsrationierung; ein digitaler Pflege-Triage-Gipfel gemeinsam mit „wir pflegen e.V.“; ein (Un-)Vereinbarkeitsgipfel 2024 mit „wir pflegen NRW“, eröffnet von NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU); sowie eine 2025/26 gestartete digitale Reihe zum „Pflegereformstau“.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Pflege und Stadtentwicklung. Die RKP gehört zu den Mitinitiatoren der Internationalen Pflegebauausstellung (IPBA), gemeinsam unter anderem mit MedEcon Ruhr, dem Regionalverband Ruhr, Baukultur NRW, dem Institut Arbeit und Technik sowie CareTRIALOG. Die IPBA verknüpft Themen wie altersgerechtes Wohnen, Gesundheitsimmobilien, Quartiersentwicklung und Digitalisierung. Leitsatz: „Nicht für die Pflege, sondern für das Leben bauen wir.“
2025 wurde die Sprecherstruktur erweitert, um ambulante Pflege, stationäre Altenhilfe, Spezialpflege sowie Innovationsprojekte stärker einzubinden. Parallel arbeitet die Initiative an einer landesweiten Plattform „Zukunft Pflege NRW“.
Pflege als Strukturpolitik
Inhaltlich verfolgt die RKP nach eigener Darstellung eine durchgängige Linie: Pflege sei nicht nur Sozialpolitik, sondern Strukturpolitik. Die Pflegewirtschaft gehöre zu den größten Beschäftigungssektoren des Ruhrgebiets, stabilisiere Quartiere und sichere soziale Teilhabe. Wer über Strukturwandel rede und die Langzeitpflege ausblende, übersehe einen wesentlichen Pfeiler gesellschaftlicher Stabilität, so Weigel. Wiederkehrende Forderungen sind nachhaltige Finanzierung, Entbürokratisierung, Digitalisierung, Telemedizin, sektorenübergreifende Versorgung sowie die Gewinnung internationaler Fachkräfte.
Kritik an Politik und Medien
Dass die RKP in vielen Rückblicken auf die Ruhrkonferenz nicht erwähnt werde, bestätige genau jene Wahrnehmungslücke, die zur Gründung geführt habe, heißt es in der Stellungnahme. Die Initiative will deshalb unabhängig von Förderkulissen und Konferenzformaten weiterarbeiten – mit dem Argument, dass die Herausforderungen nicht mit dem Ende von Programmen verschwinden.
Weitere Informationen: ruhrgebietskonferenz-pflege.de
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