Pflegepolitik
„Schon jetzt kommt jede sechste Pflegekraft aus dem Ausland“
Finanzierungsprobleme, Personalmangel und hohe Eigenanteile belasten Pflegebedürftige, Angehörige und Fachkräfte gleichermaßen. Das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) warnt: Ohne umfassende Reformen droht das System zu kippen. Was muss die nächste Bundesregierung jetzt ändern, um die Pflege nachhaltig zu sichern?
Diakonie RWL-Vorständin Kirsten Schwenke: „Die nächste Bundesregierung muss bessere Rahmenbedingungen für die Arbeit der stationären Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegedienste schaffen und den Pflegeberuf noch attraktiver machen.“ Der große Reformbedarf in der Pflege sei schon lange bekannt: Finanzierungsprobleme, Personalmangel und ein steigender Beitrag zur Pflegeversicherung seien nur einige der aktuellen Herausforderungen. „Die nächste Bundesregierung muss beim Thema Pflege endlich Wirkung entfalten“, so Schwenke weiter.
Die Diakonie RWL fordert unter anderem eine Reform der Pflegeversicherung: „Pflegebedürftige müssen wirksam finanziell entlastet werden. Die Leistungen der Pflegeversicherung müssen regelhaft dynamisiert und an die jeweilige Preisentwicklung angepasst werden“, erklärt die Diakonie RWL-Vorständin.
Darüber hinaus müssten pflegende Angehörige besser unterstützt werden. „Fünf von sechs Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt“, so Schwenke. „Pflegende Angehörige, das sind zumeist Frauen, müssen dabei unterstützt werden, Pflege und Beruf ohne erhebliche finanzielle Einbußen miteinander vereinbaren zu können. Sie haben die ihnen zustehende Anerkennung für ihre gesamtgesellschaftliche Leistung verdient.“
„Wir brauchen endlich mehr Pflegepersonal“
Marc Schué, Leitung des Bereichs Altenpflege in der Rheinischen Gesellschaft für Diakonie in Leichlingen, erklärt: „Wir brauchen endlich mehr Pflegepersonal.“ Die von der Ampel geplante bundeseinheitliche Pflegefachassistenzausbildung sei ein Schritt in die richtige Richtung und müsse von der neuen Bundesregierung nun zügig umgesetzt werden. Außerdem müssten die Pflegeschulen nach einem faireren Schlüssel (Pro-Kurs- statt wie bisher Pro-Kopf-Pauschalen) vergütet werden, damit sie weiterhin attraktive Ausbildungsstätten bleiben können. Um dem Personalmangel entgegenzuwirken, müsse der Zugang zum Arbeitsmarkt für ausländische Pflegekräfte vereinfacht werden.
Schué: „Schon jetzt kommt jede sechste Pflegekraft aus dem Ausland. Internationale Pflegekräfte tragen somit erheblich dazu bei, die Pflege in Deutschland abzusichern. Ihr Aufenthaltsstatus muss deutlich schneller und weniger bürokratisch anerkannt werden als bisher.“ Zusätzlich brauche es aber auch attraktivere Arbeitsbedingungen in der Pflege, wie etwa mehr Entscheidungsspielräume und eigenverantwortlicheres Handeln der einzelnen Pflegekräfte, damit noch mehr Menschen für den Pflegeberuf begeistert werden können.
Die zehn Forderungen der Diakonie zur Pflege im Überblick:
- Die Eigenanteile in der stationären Pflege durch einen Sockel-Spitze-Tausch deckeln
- Kosten für notwendige medizinische Behandlungspflege in die Krankenversicherung überführen
- Ausbildungskosten für künftige Pflegekräfte aus Steuermitteln finanzieren
- Ein Pflegebudget für ein flexibleres Leistungsrecht einführen
- Die bundeseinheitliche Pflegefachassistenzausbildung einführen
- Pflegeschulen finanziell absichern
- Bürokratische Hürden abbauen und internationale Pflegekräfte schneller anerkennen
- Pflegende Angehörige stärken, indem Lohnersatzleistungen gesetzlich zugesichert werden
- Kommunen verpflichten, die Zusammenarbeit im Quartier stärker selbst zu gestalten
- Die Beratungsinfrastruktur muss ausgebaut und pflegebedürftige Menschen und ihre Zugehörigen müssen umfassend informiert werden
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