Pflegepolitik

Tag der Pflegenden: „Mitten ins Herz unserer Realität“

Der International Council of Nurses (ICN) hat zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai 2025 das Motto „Unsere beruflich Pflegenden. Unsere Zukunft. Fürsorge für beruflich Pflegende stärkt Volkswirtschaften. (Our Nurses. Our Future. Caring for nurses strengthens economies)“ ausgerufen. In Deutschland werden die Rufe nach besseren strukturellen Voraussetzungen (auch für die Pflegeunternehmen) lauter.

Plakat zum International Nurses Day 2025 des International Council of Nurses Foto: International Council of Nurses

„Das Motto zum diesjährigen Internationalen Tag der Pflegenden trifft mitten ins Herz unserer täglichen Realität“, sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats: „Wer Pflege will, muss beruflich Pflegende stärken. Wer Gesundheit will, muss sich um diejenigen kümmern, die tagtäglich dafür Sorge tragen – körperlich, seelisch, organisatorisch“.

Das bedeute mehr als Absichtserklärungen. „Es braucht gesunde Rahmenbedingungen, faire Arbeitsbedingungen, echte Mitbestimmung – und eine Kultur, die Pflege als Rückgrat einer funktionierenden Gesellschaft begreift. Zu oft erleben wir das Gegenteil: Überlastung, Ausfallzeiten, ein ständiges Balancieren am Limit. Darum ist dieses Motto mehr als ein Appell – es ist ein Auftrag. Auch – und besonders – an die neue Bundesregierung. Mit dem politischen Neustart verbinden sich Erwartungen und Hoffnungen. Wer sich im Koalitionsvertrag zu einer starken Gesundheitsversorgung bekennt, steht jetzt in der Verantwortung, auch für die Menschen zu handeln, die dieses System tragen“, so der Deutsche Pflegerat.

„Der Internationale Tag der Pflege“ ruft allen ins Gedächtnis, dass professionelle Pflege nicht nur in Pandemiezeiten systemrelevant ist. Vertrauen und Anerkennung für Pflegekräfte und Pflegeunternehmen sollten deshalb eigentlich selbstverständlich sein. Die Realität erleben wir allerdings oft ganz anders“, erklärt Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer des VDAB. „Pflegekräfte verdienen faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen – dafür brauchen Pflegeeinrichtungen wirtschaftliche Stabilität und unternehmerische Freiheit. Denn nur starke Einrichtungen können gute Pflege sichern – für die Mitarbeitenden ebenso wie für die zu pflegenden Menschen“, so Knieling weiter. „Es benötigt unverzüglich ein „Pflegeunternehmensstärkungsgesetz“, das gezielt die wirtschaftlichen Grundlagen professioneller Pflegeeinrichtungen sichert. Denn allen sollte klar sein: Ohne tragfähige Pflegeunternehmen lässt sich Versorgung weder sichern noch gestalten.“

Vertreterinnen und Vertreter von Diakonie, Arbeiterwohlfahrt, Paritätischem Gesamtverband, Deutschem Gewerkschaftsbund, Volkssolidarität und weiteren Verbänden übergaben zum  Internationalen Tag der Pflegenden in Berlin die Petition „Mach dich stark für Pflege“ mit gut 143.000 Unterschriften an das Bundesgesundheitsministerium.

In der Petition fordern die Verbände den Umbau der Pflegeversicherung in eine Vollversicherung. Das solle Pflegebedürftige „vor unwägbaren finanziellen Risiken“ schützen, hieß es. Pflegende Angehörige müssten wirtschaftlich besser abgesichert werden, auch im Rentenalter. Lohnersatzleistungen und zusätzliche Rentenpunkte könnten dazu beitragen. Zudem müsse der Zugang zu Leistungen der Pflegeversicherung einfacher und übersichtlicher werden.
Pflege sei nicht nur Versorgung, sondern ermögliche ein selbstbestimmtes Leben, begründeten die Verbände ihren Vorstoß. Das aktuelle Pflegesystem sei veraltet und werde wachsenden Herausforderungen nicht mehr gerecht.
Diakonie-Bundesvorständin Elke Ronneberger wies darauf hin, dass 80 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt würden. Deren Angehörige trügen die Hauptlast der Pflege. Für deren Unterstützung müssten auch die Kommunen in die Pflicht genommen werden, forderte Ronneberger: „Wir brauchen eine bessere soziale Infrastruktur vor Ort für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige, wie zum Beispiel Tages- und Nachtpflegen und Seniorenclubs.“