Finanzierung
Brandenburg baut Pflegeförderung aus: „Pakt für Pflege 2.0“ gestartet
Die Brandenburger Landesregierung hat zwei neue Förderrichtlinien zur Stärkung der Pflege vor Ort verabschiedet. Ziel ist die nachhaltige Sicherung und der Ausbau häuslicher Pflegeangebote in den Kommunen.
Mit Wirkung zum 1. Juli 2025 hat das Sozialministerium Brandenburg die beiden zentralen Förderrichtlinien „Pflege vor Ort“ und „Ausbau und Weiterentwicklung von Pflegestützpunkten“ neu aufgelegt. Beide Maßnahmen sind Bestandteil des „Pakts für Pflege 2.0“, mit dem die Landesregierung ihre Pflegepolitik weiterentwickeln will. Wie das Ministerium mitteilt, stehen pro Jahr rund elf Millionen Euro für beide Programme zur Verfügung. Förderanträge können ab sofort gestellt werden.
Zentrales Anliegen der Reform ist es, pflegebedürftigen Menschen ein Leben in der häuslichen Umgebung zu ermöglichen und gleichzeitig die stationäre Pflege zu entlasten. Sozialministerin Britta Müller (SPD) bezeichnete den ursprünglichen „Pakt für Pflege“ als „Brandenburger Erfolgsgeschichte“, die nun mit „neuen Akzenten“ fortgesetzt werde.
Die Förderrichtlinie „Pflege vor Ort“ ist dabei das Herzstück der Initiative. Sie richtet sich an Landkreise, kreisfreie Städte, Ämter und Gemeinden und soll vor allem Projekte fördern, die auf eine ambulante Versorgung, Nachbarschaftshilfe, soziale Teilhabe und niedrigschwellige Unterstützungsangebote zielen. Landkreise und kreisfreie Städte können jeweils bis zu 180.000 Euro jährlich erhalten – 30.000 Euro mehr als bisher. Gemeinden erhalten ab 2026 einen einheitlichen Sockelbetrag von 20.000 Euro, unabhängig von Größe oder Einwohnerzahl. Die restliche Förderung orientiert sich an der Zahl der pflegebedürftigen und hochaltrigen Menschen vor Ort.
In der Praxis wurden seit 2021 über 660 Maßnahmen in 88 Prozent der Brandenburger Kommunen umgesetzt. Beispiele sind neue Tagespflegeeinrichtungen, Pflegestammtische, Mittagstische, Kursangebote für Angehörige sowie mobile Beratungsangebote. Ein konkretes Projekt ist „Kümmern im Verbund“ im Landkreis Dahme-Spreewald: Vier Pflegekoordinatorinnen beraten dort Senior:innen und Angehörige im häuslichen Umfeld – mobil, persönlich, niedrigschwellig.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau der Pflegeberatung durch Pflegestützpunkte. Diese bieten trägerneutrale Beratung an 19 Standorten im Land. Seit 2021 wurden über die entsprechende Richtlinie bereits 3,6 Millionen Euro bewilligt. Nun erhalten Landkreise und kreisfreie Städte bis zu 100.000 Euro jährlich zur Weiterentwicklung dieser Strukturen. Gefördert werden unter anderem neue Außenstellen, digitale Beratungsformate oder mobile Einheiten wie ein umgebauter Rettungswagen.
Ein zentrales Beratungsfeld ist die Wohnraumanpassung. Laut Suzanne Wartenburger, Sozialberaterin im Pflegestützpunkt Elbe-Elster, lassen sich durch gezielte Umbaumaßnahmen notwendige Heimaufenthalte oft vermeiden oder verzögern. Unterstützt wird die Beratung durch die App „ALINA“, die über digitale Endgeräte Zugang zu regionalen Unterstützungsangeboten schafft.
Der Handlungsdruck ist hoch: Laut Pflegestatistik 2023 leben in Brandenburg über 214.000 pflegebedürftige Menschen – ein Anstieg von 16 Prozent seit 2021. Der Anteil der Pflegebedürftigen an der Bevölkerung liegt nun bei 8,3 Prozent. Fast 89 Prozent der Betroffenen werden zu Hause versorgt. Vor diesem Hintergrund betont die Landesregierung die Bedeutung lokaler Pflegepolitik und wohnortnaher Unterstützungsnetzwerke.
Weitere Informationen zu den Förderrichtlinien und Antragsverfahren finden sich auf den Seiten des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz Brandenburg. (hp)
Mehr Informationen zum „Pakt für Pflege 2.0“ auf der Website des MSGIV Brandenburg
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren