Pflege und Politik

VDAB wählt neuen Bundesvorstand

Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) stellt sich personell neu auf und fordert mehr unternehmerische Freiheit in der Pflege. Den Vorsitz des Verbands übernimmt Stephan Baumann.

Mit der personellen Neuaufstellung verbinde der Verband "Kontinuität und Erneuerung zugleich", so der neue Bundesvorsitzende Stephan Baumann. Foto: VDAB

Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) hat auf seiner Bundesmitgliederversammlung in Königswinter einen neuen Vorstand gewählt. Stephan Baumann übernahm den Vorsitz des Verbands, der inhabergeführte Unternehmen in der Pflege und Eingliederungshilfe vertritt. Als stellvertretender Bundesvorsitzender wurde Dr. Jörg Biastoch gewählt, Sonja Gerhardy übernimmt die Position der Schriftführerin. Tim Sons fungiert künftig als Schatzmeister, Beate van Benthum komplettiert den Vorstand als weiteres Mitglied.

Laut Baumann stehe die Pflegebranche unter „massivem Druck – politisch, wirtschaftlich und personell“. Der neue Bundesvorsitzende kündigte an, dass der VDAB künftig „eine noch stärkere Stimme für inhabergeführte Pflegeunternehmen“ werden solle. Mit der personellen Neuaufstellung verbinde der Verband „Kontinuität und Erneuerung zugleich“, so Baumann. Er würdigte die scheidenden Vorstandsmitglieder Petra Schülke, Karl-Heinz Berten und Hans-Jörg Esmeier für ihr „außergewöhnliches Engagement“ über viele Jahre hinweg.

Deutliche Kritik an verzögerten Reformen

Der VDAB nutzte die Vorstandswahl für deutliche Kritik an der Bundespolitik. Laut dem stellvertretenden Vorsitzenden Biastoch dürften die „Bund-Länder-Arbeitsgruppe Zukunftspakt Pflege“, das „Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege“ und das „Pflegefachassistenzeinführungsgesetz“ nicht zu „Symbolen vertagter Reformen“ werden. Der Verband bemängelt, dass Entscheidungen über die Zukunft der Versorgung ohne Einbeziehung der Branche getroffen würden.

Nach Einschätzung des VDAB sei Pflege mittlerweile zur „Dauerbaustelle“ geworden. Biastoch führt „Überlastung, Personalmangel, finanzielle Unsicherheit und bürokratische Fesseln“ als prägende Faktoren im Alltag vieler Einrichtungen an. Die Politik müsse Lösungen schaffen und mehr unternehmerische Freiheit zulassen, fordert der Verband.

Flexibilisierung des Leistungsrechts gefordert

Schriftführerin Gerhardy kündigte an, dass sich der VDAB weiterhin für die Sicherung der wirtschaftlichen Grundlagen einsetzen werde. Dazu gehöre die Berücksichtigung von „Wagnis und Gewinn genauso wie geeinte Kalkulationsgrundlagen im ambulanten Bereich“. Laut Gerhardy sei die Flexibilisierung des Leistungsrechts „überfällig“. Es müsse endlich mehr unternehmerische Freiheit und Flexibilität bei den Pflegeleistungen geben, damit Pflegeunternehmen „Teil der Lösung sein können – und nicht nur Objekt von Regulierung“.

Mit der Wahl von Beate van Benthum in den Bundesvorstand haben laut VDAB nun auch die Unternehmen in der Eingliederungshilfe „eine eigene Stimme in der Verbandsspitze“. Van Benthum verwies auf die großen Umbrüche durch die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes, vor denen die Einrichtungen stünden. Der VDAB wolle sein Angebot für „individuelle Begleitung und Beratung“ inhaltlich weiterentwickeln und ausbauen.