Außerklinische Intensivpflege

AKI-KISS: Systematische Erfassung von Infektionen in der außerklinischen Intensivpflege

Infektionen und multiresistente Erreger stellen in der außerklinischen Intensivpflege ein erhebliches Risiko dar. Patientinnen und Patienten sind häufig tracheotomiert, dauerhaft invasiv versorgt und vielfach multimorbid. Gleichzeitig fehlte lange ein Instrument, mit dem Infektionsereignisse in diesem Versorgungssetting kontinuierlich und einheitlich erfasst werden konnten. Mit dem Modul AKI-KISS steht erstmals ein speziell für die außerklinische Intensivpflege entwickeltes System zur systematischen Erfassung von Infektionen zur Verfügung.

Im Fokus des neuen AKI-KISS Moduls stehen erwachsene Patientinnen und Patienten mit Trachealkanüle. Bild: Florian Arp

AKI-KISS ist ein Modul des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems KISS, das vom Nationales Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen betrieben wird. Anders als klassische KISS-Module richtet sich AKI-KISS nicht an Krankenhäuser, sondern an Einrichtungen der ambulanten Intensivpflege. Ziel ist es, Infektionen und multiresistente Erreger auch außerhalb stationärer Strukturen einheitlich zu dokumentieren und auszuwerten.

Konkret bedeutet dies, dass teilnehmende Einrichtungen fortlaufend festgelegte infektionsassoziierte Ereignisse sowie den Status multiresistenter Erreger bei ihren Patientinnen und Patienten erfassen. Die Daten werden nach einheitlichen Kriterien erhoben, sodass sie vergleichbar sind und Trends erkennbar werden. Auf dieser Grundlage können Einrichtungen das Infektionsgeschehen vor Ort einschätzen und überprüfen, ob bestehende Hygienemaßnahmen wirksam sind oder angepasst werden müssen.

Im Fokus stehen erwachsene Patientinnen und Patienten mit Trachealkanüle. Für diese besonders vulnerable Gruppe werden vier Arten von Infektionsereignissen dokumentiert: Infektionen der unteren Atemwege, Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen im Bereich einer perkutanen endoskopischen Gastrostomie sowie unerwünschte Ereignisse mit wahrscheinlich infektiöser Ursache. Zusätzlich wird festgehalten, ob multiresistente Erreger nachgewiesen wurden und welche Erreger betroffen sind.

Basis ist Projekt SIMPATI

Die fachliche Grundlage von AKI-KISS bildet das Projekt SIMPATI. SIMPATI steht für „Surveillance nosokomialer Infektionen und multiresistenter Erreger bei Patienten der außerklinischen Intensivpflege“. Das Projekt wurde über den Innovationsfonds des Gemeinsamer Bundesausschuss gefördert. Ziel war es, ein praxistaugliches Verfahren zur systematischen Erfassung von Infektionen in der ambulanten Intensivpflege zu entwickeln und zu erproben. Die Ergebnisse dieses Projekts flossen direkt in die Ausgestaltung von AKI-KISS ein.

Die Bedeutung von AKI-KISS liegt vor allem darin, eine bisher bestehende Versorgungslücke zu schließen. Während die kontinuierliche Erfassung von Infektionen in Krankenhäusern seit Jahren etabliert ist, fehlten vergleichbare Strukturen in der außerklinischen Intensivpflege. Einrichtungen waren bislang auf Einzelbeobachtungen oder externe Prüfungen angewiesen. AKI-KISS schafft nun eine verlässliche Datenbasis für die interne Qualitätsarbeit.

Dabei ist AKI-KISS ausdrücklich kein Kontrollinstrument zur externen Bewertung, sondern ein Werkzeug zur internen Steuerung. Die systematisch erhobenen Daten sollen Einrichtungen dabei unterstützen, Infektionsrisiken frühzeitig zu erkennen, Präventionsmaßnahmen gezielt weiterzuentwickeln und die Versorgungssicherheit für besonders gefährdete Patientinnen und Patienten zu erhöhen.