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Daniel Zwick: „Wir investieren viel in den Change“
Welche Erfahrungen machen Pflegeeinrichtungen und -dienste bereits mit der Telematikinfrastruktur (TI)? Und welche Erwartungen haben sie? Antworten und Eindrücke aus dem hohen Norden der Republik.
Den „Pflegedienst Zwick“, ein Familienunternehmen mit rund 90 Mitarbeitenden in Bargteheide (Schleswig-Holstein), nordwestlich von Hamburg, muss keiner mehr von den Vorteilen der Digitalisierung überzeugen. Das Management des Pflegeunternehmens, insbesondere in der Person von Daniel Zwick, des kaufmännischen Leiters, setzt schon lange konsequent auf die Digitalisierung der betrieblichen Prozesse. „Heute sind wir voll digitalisiert und arbeiten in der Pflege ohne Papier“, sagt Zwick. Zusammen mit seiner Schwester Julia Zwick-Oppermann führt er heute die Geschäfte des Unternehmens, das die Mutter der beiden, Julia Zwick, im Jahr 2000 gründete.
Die digitale Transformation versteht der Pflegedienst dabei als stetigen Prozess der Weiterentwicklung. „Momentan investieren wir viel in den Change. Prozesse werden hinterfragt und Abläufe neu definiert. Wenn möglich, ziehen wir digitale Anwendungen hinzu!“, beschreibt Daniel Zwick den Wandel, der für ihn alternativlos ist.
Höhen und Tiefen im Erprobungsprozess
Bei dieser Affinität zur Digitalisierung ist es nicht verwunderlich, dass das Unternehmen auch 2021 mit unter den ersten sein wollte, als der GKV-Spitzenverband das Modellprogramm zur Erprobung der Anbindung von Pflegeeinrichtungen an die TI (auf Grundlage von § 125 SGB XI) ins Leben rief. Knapp 90 ambulante und stationäre Einrichtungen wurden auserwählt – darunter auch der Pflegedienst Zwick. In der Praxis dieses Modells erproben diese Einrichtungen seither die ersten technischen Anwendungen der TI, wie die „Kommunikation im Medizinwesen (KIM)“, ein sicherer elektronischer Kommunikationsstandard zwischen den an der TI angeschlossenen Akteuren, also etwa Ärzten und Pflegdiensten. Neben Höhen gab es dabei im Erprobungsprozess auch einige Tiefen zu durchlaufen. Auch davon weiß Zwick natürlich zu berichten.
In einem Zwischenfazit nach drei Jahren modellhafter Anbindung an die TI kommt er zu dem Schluss, dass der Nutzen für das Unternehmen bislang noch „eher gering“ sei. Bewegung in die Thematik komme aber, seit das e-Rezept Anfang des Jahres vom Gesetzgeber eingeführt worden ist. „Wir spüren, dass jetzt u.a. die Ärzte ein größeres Interesse an der Kommunikation per KIM haben.“ Ganz klar hapere es aber nach wie vor grundsätzlich an der Umsetzung der TI-Anbindung. Der Anschluss an die TI wirke zu „komplex“. Zwicks Erwartung lautet deshalb: „Die Auswahl der Produkte muss leichter gestaltet werden. Ich sehe es u.a. als Aufgabe der Softwareanbieter, die Zahl der Anschlüsse nach vorne zu bringen.“
Hinzu komme, dass das Thema TI bislang auch auf übergeordneter Ebene (verantwortlich ist erster Linie die staatliche Agentur gematik) nicht immer optimal gemanagt wurde. Zwick fasst in seinen Worten hierzu zusammen: „Es werden regelmäßig politische Themen aufgemacht, die als ,Rohrkrepierer‘ enden. Ich vermute, viele hatten hier zur TI den selben Gedanken, haben sich damit aber nicht ausreichend beschäftigt.“ In der Entwicklung der TI seien immer wieder auch Starttermine kurzfristig verschoben worden. Das habe bei Akteuren für Verunsicherung gesorgt und bei vielen eine Abwartehaltung erzeugt. „Dafür habe ich rückblickend großes Verständnis“, so der Pflegedienst-Geschäftsführer.
Nicht hadern und zaudern
Doch mit dem gesetzlich festgelegten Zeitpunkt der verpflichtenden Anbindung aller Pflegeeinrichtungen an die TI zum 1. Juli 2025 ist die Zeit des Rückblicks, des Haderns und des Abwartens vorbei. Zwick empfiehlt nun allen, die sich noch nicht mit der Anbindung beschäftigt haben, sich ernsthaft ins Benehmen mit ihrem Primärsoftware-Anbieter zu setzen. Mit diesem sei abzuklären, „ob er alles, was in punkto TI-Anbindung erforderlich ist, selbst anbieten kann.“ Ist dies nicht der Fall, sollten sich Unternehmen beim jeweiligen Verband informieren. Darüber hinaus seien konkrete erste Handlungen auch sofort selbst vom Pflegedienst oder -heim in die Wege zu leiten: „Den eHBA (= elektronischer Heilberufsausweis) und im Anschluss die SMC B-Karte zu bestellen, wäre auf jeden Fall sofort möglich“, rät er.
Wäre da noch das Thema der Refinanzierung der TI-Aufwendungen zu nennen, das bislang viele Einrichtungen in der Warteposition verharren ließ. Nachdem die Refinanzierung qua Gesetz in eine Pauschalen-Systematik geändert wurde und die Partner der Pflege-Selbstverwaltung Ende April 2024 nach langen Verhandlungen endlich auch die Entgelthöhen dieser Pauschalen vereinbart haben, erwarten nun viele in der Branche so etwas wie eine Initialzündung für die TI-Anbindung – ausgehend eben von dieser Kostenvereinbarung.
„Die Refinanzierung ist nicht ausreichend“
Daniel Zwick jedoch ist mit dem von Verbänden und Kassen verhandelten Ergebnis noch nicht zufrieden. Und so stellt er fest: „Die Refinanzierung ist leider nicht ausreichend und nicht verursachungsgerecht.“ Er erklärt dies u.a. mit den Investitionskosten, die den Pflegeunternehmen entstehen: „Je nach Software-Anbieter wird ein erster Betrag von ca. 3.000 bis 3.500 Euro fällig. Hier müssen die Einrichtungen in Vorkasse treten. Hinzu kommt eine monatliche Pauschale für die Nutzung der KIM, VPM und Servicepauschale. Die Preise liegen bei ca. 100 bis 150 Euro pro Monat. Ich verstehe nicht, warum die Kosten nicht in voller Höhe übernommen werden.“ Die jetzt vereinbarte TI-Pauschale helfe „sicherlich, nicht komplett auf den Kosten sitzen zu bleiben, jedoch bedarf es aus meiner Sicht weitere Verhandlungen“.
Auch wenn das Thema der Finanzen schwierig bleibt, insbesondere in den hiesigen von steigenden Kosten geprägten Zeiten für die Pflegeunternehmen, bleibt Zwick beim Thema TI und Digitalisierung optimistisch. Wenn er ein Jahr nach vorne, auf den TI-Stichtag 1. Juli 2025, blickt, hat er ein klares Szenario vor Augen. Und das geht so: „Ich hoffe, dass viele individuelle Lösungen zu einer großen Lösung verschmelzen werden. Jede Pflegeeinrichtung arbeitet etwas anders und mit der TI können Standards definiert werden, die die Zusammenarbeit erleichtern. Die Abschaffung des Faxes ist längst überfällig. Die TI wird dafür sorgen, dass wir gut vernetzt miteinander kommunizieren können. Letztlich hoffe ich inständig, dass der Arbeitsalltag durch die Anwendungen erleichtert wird.“
Text: Darren Klingbeil
Infos: pflegedienst-zwick.de
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