Politik
DBfK Nordost sieht noch viel Verbesserungsbedarf in Berlin
Am 27. April jährt sich die Vereidigung des Berliner Senats. Es gebe bisher nur „eher vage Absichtserklärungen“ für die Pflege, kritisiert der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe Nordost und zieht Bilanz.
Kritik gibt es am Stocken des Projekts zur Aus-, Fort- und Weiterbildung von Pflegefachpersonen – den Wenckebach-Campus –, den die Koalition „mit Hochdruck realisieren“ wollte. Dort sollen bestehende Pflegeschulen zusammengeführt werden, im aktuellen Doppelhaushalt kommt der Campus jedoch nicht vor.
„In Berlin sind 1.200 Ausbildungsplätze in der Pflege unbesetzt, aber genau deshalb braucht es den Campus“, meint Johannes Wünscher, Vorstandsvorsitzender DBfK Nordost. „Die politisch gewollte und dringend benötigte Aufwertung des Pflegeberufs muss endlich sichtbar werden, um schon den Einstieg in den Beruf attraktiv zu machen. Der Campus Wenckebach wäre dafür ein Meilenstein.“
Vorbildlich umgesetzt sei dagegen die Finanzierung der Vergütung für Bestandsstudierende. „Unklar ist leider noch, wie die bundesgesetzlich erweiterte Heilkundeübertragung sich ab 2025 im Pflegestudium abbilden wird“, so der DBfK.
Auch den angekündigten „Masterplan Ambulante Versorgung“ und das Bekenntnis zur Erweiterung und Vernetzung von „multiprofessionellen, integrierten Gesundheitszentren“ begrüßt der DBfK Nordost. Mit dem Innovationsfondsprojekt Erwin startet im Sommer ein wichtiges Modellprojekt. Aber: „Ohne Masterstudiengang ‚Community Health Nursing‘ in der Hauptstadt wird das vollständige gesundheitsförderliche Potenzial professioneller Pflege unerreicht bleiben“, so Wünscher.
Exemplarisch für die oft nicht strategische Herangehensweise an die Stärkung des Pflegeberufs durch die Politik steht auch und vor allem in Berlin das Thema Leiharbeit. Wünscher: „Die bayerische Bundesratsinitiative zur Regulierung der Leiharbeit, die Berlin unterstützt, sehen wir ambivalent. Denn nachhaltig erfolgreich im Sinne besserer Pflege wird sie nur sein, wenn im ersten Schritt Springer-Pools umgesetzt werden, die den überlasteten Belegschaften Luft zum Atmen verschaffen.“
Ursächlich für viele Pläne, die nicht zu Ende gedacht sind oder ins Stocken geraten, ist aus Sicht des DBfK Nordost die fehlende Selbstverwaltung der Pflegeberufe. Schon 2015 habe sich eine Mehrheit der Befragten im Land für die Gründung einer Pflegekammer ausgesprochen. Weitere Schritte seien seitdem aber immer wieder vertagt worden. Im Koalitionsvertrag sprechen sich CDU und SPD zwar „für eine starke institutionelle Interessenvertretung für Pflegeberufe aus“. Aber wann zunächst „die zeitnahe Durchführung einer Befragung der Menschen in Pflegeberufen“ stattfinden soll, „deren Ergebnis als Grundlage für die Errichtung einer dann zu schaffenden Institution dienen wird“, ist eine der Fragen, die der DBfK Nordost der für Pflege zuständigen Staatssekretärin Ellen Haußdörfer bei einem Treffen am 17. April stellen will.
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