Pflegepolitik

Pflege ins Private abschieben? DEVAP warnt vor „Pflegetriage“

Der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) kritisiert den neuen Koalitionsvertrag scharf: Statt notwendiger Reformen drohe eine Verlagerung der Pflege ins Private. Der Verband fordert die neue Gesundheitsministerin zum mutigen Handeln auf.

DEVAP-Vorsitzender Wilfried Wesemann Foto: DEVAP

Die Langzeitpflege in Deutschland stehe vor dem Kollaps – doch statt schneller Lösungen setze die neue Regierung auf Kommissionen und Verzögerungen. Mit deutlichen Worten kritisiert der DEVAP den Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD.

Warnung vor Privatisierung der Pflegelast

„Dies kommt einer Pflegetriage gleich“, warnt DEVAP-Vorsitzender Wilfried Wesemann angesichts der geplanten Verlagerung der Pflege ins private Umfeld. Eine solche Entwicklung widerspreche dem „gesamtgesellschaftlichen Grundsatz nach gleichwertigen Lebensverhältnissen.“

Enttäuschung über Koalitionsvertrag

Besonders ernüchternd sei, dass der Vertrag deutlich hinter den Ergebnissen der Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege zurückbleibe. Dabei hätten aktuelle Gutachten wie das DEVAP-Strategiepapier „Trotzdem Pflege“ und das dritte Gutachten der Initiative Pro Pflegereform noch Anlass zur Hoffnung gegeben.

Appell an neue Ministerin

An die neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken richtet der Verband einen dringenden Appell: „Pflege gehört zu den BIG FIVE Herausforderungen unserer Zeit“, betont Wesemann. „Jede:r sechste Mensch in Deutschland ist direkt oder indirekt von Pflege betroffen.“ Der DEVAP bietet seine aktive Unterstützung bei der Suche nach gesamtgesellschaftlichen Lösungen an.

Die Versorgungssicherheit in der Langzeitpflege sei ohne sofortige Maßnahmen und eine grundlegende Finanz- und Strukturreform nicht mehr gewährleistet, warnt der Verband abschließend.

DEVAP Strategiepapier „Trotzdem Pflege: Für jeden, zu jeder Zeit“ und das 3. Gutachten der Initiative Pro Pflegereform