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Pflegerische Versorgung: Wohltemperierte Panik ist angebracht
Die Stimmung beim Auftakt des diesjährigen Messekongresses zur ALTENPFLEGE 2025 in Nürnberg ist geprägt von einem klaren Appell: „Wohltemperierte Panik“ ist angebracht, um die pflegerische Versorgung zu sichern.
Während in Berlin die Koalitionsverhandlungen in ihre entscheidende Phase gehen, wurde der amtierende Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) live zur Eröffnung des Messekongresses der ALTENPFLEGE 2025 am 8. April in Nürnberg zugeschaltet.
In seiner Rede machte er deutlich: „Die Herausforderungen sind herausragend, um nicht zu sagen überwältigend.“ Die regierungsbildenden Parteien seien sich der Lage sehr bewusst. „Wir brauchen eine Strukturreform und eine Finanzierungsreform in der Pflege“, betonte Lauterbach. „Wir arbeiten konstruktiv und sehr intensiv und bin sicher, dass wir zu guten Lösungen kommen werden“, so der Minister. Er sei nicht amtsmüde, sagte Lauterbach außerdem, obwohl er sich zu Personalien nicht weiter äußern wollte.
Wirtschaftliche Lage spitzt sich zu
Das erste Panel wurde von Lukas Sander, Chefredakteur Häusliche Pflege, und Steve Schrader, Chefredakteur Altenheim und care konkret, moderiert. Mit ihnen auf dem Podium waren Dr. Martin Schölkopf, Leiter der Abteilung 4 Pflegeversicherung und Stärkung im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Norbert Grote, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) und Thorsten Mittag, Referent Altenhilfe und Pflege beim Paritätischen Wohlfahrtsverband.
„Die wirtschaftliche Lage der Pflegeeinrichtungen spitzt sich weiter zu. Hohe Kosten, steigende Tariflöhne und schleppende Refinanzierung durch die Kostenträger bringen viele Betreiber in Schieflage“, fasste Steve Schrader die Herausforderungen der Branche zusammen. Die jüngsten Insolvenzen prominenter Träger seien symptomatisch für die prekäre Lage der Branche.
Nobert Grote vom bpa brachte schließlich den Begriff „wohltemperierte Panik“ auf. Diese sei im Hinblick auf die Herausforderungen in der pflegerischen Versorgung angemessen.“ Die finanzielle Absicherung der Pflegeversicherung ist noch geringste die Herausforderung“, so Grote. Die größte Herausforderung sei die Absicherung der pflegerischen Versorgung.
Die schleppende Refinanzierung durch die Kostenträger kritisierten alle Verbandsvertreter gleichermaßen. „Man hat den Eindruck, für die Kostenträger gilt nicht was im SGB XI steht, so Thorsten Mittag. „Wir brauchen hier Ad hoc-Maßnahmen. Die Kostenträger brauchen Druck und weil sie den nicht haben, lassen sie Einrichtungen auflaufen.“ Dem widersprach Martin Schölkopf. Er verstehe die Nöte der Einrichtungen, man müsse aber weiter miteinander verhandeln und differenzierte Lösungen finden. Er sehe Potenzial für Entbürokratisierung und Vereinfachung.
Mittag kritisierte auch das Papier der AG Gesundheit und Pflege. Es sei beispielsweise nicht konkretisiert worden, welche Kosten für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen genau berenzt werden sollen und in welcher Höhe. „Ich hatte beim Lesen den Eindruck, das alte Koalitionspapier wurde abgeschrieben und unbequeme Themen weggelassen.“
Klapper: „Wir wissen, wie groß die Herausforderungen sind“
Im zweiten Panel, moderiert von Miriam von Bardeleben, Chefredakteurin Altenpflege, ging es um Beruf und Personal. „Wir wissen, wie groß die Herausforderung sind. Ich zweifle aber daran, dass die Maßnahmen weitreichend genug sind“, sagte Dr. Bernadette Klapper, Bundesgeschäftsführerin beim Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). Ohne Pflegefachleute in den entscheidenden Gremien würden auch nicht die richtigen Entscheidungen getroffen, so Klapper. „Es entscheiden dann Männer über einen Beruf, der zu 80 Prozent von Frauen gemacht wird.“
Jürgen Härlein, Professor für Pflegewissenschaft an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, war stellvertretend für die Pflegebevollmächtigte Claudia Moll gekommen. „Um akademische Profile mitzudenken, braucht es stärkere Netzwerke zwischen Hochschulen und Einrichtungen sowie Strukturförderprogramme“, appellierte er. Seine Sorge sei, dass die Akademisierung in der Langzeitpflege verpasst wird und den Entwicklungen in den Unikliniken hinterherkinkt.
Bernhard Seidenath, Mitglied im Bayerischen Landtag, unterstrich die Notwendigkeit einer umfassenden Pflegestrukturreform. Aber auch über Möglichkeiten der privaten Vorsorge müsse dringend nachgedacht werden, forderte der CSU-Politiker.
Beim ALTENPFLEGE Messekongress von Vincentz Network in Nürnberg entwickeln rund 80 Referentinnen und Referenten auf fünf Bühnen und in 28 Masterclasses innerhalb von drei Tagen Lösungsansätze für die Altenhilfebranche.
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