Pflegepolitik

Suizid im Alter nicht zum Normalfall machen

Die Zahl der Suizide, die mit Hilfe von Sterbehilfeorganisationen durchgeführt werden, sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 2024 liegt sie ausweislich der Angaben der Anbieter bereits bei 1200. 42 Prozent aller Suizide in Deutschland wurden 2022 von Menschen über 65 Jahren begangen.

Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa Foto: Deutscher Caritasverband/Monika Keiler

Suizid im Alter darf nicht zum gesellschaftlich akzeptierten Normalfall werden. Wir müssen alles tun, damit Menschen nicht aus Angst vor Einsamkeit oder ungenügender pflegerischer Versorgung oder weil sie befürchten, der Gesellschaft zur Last zu fallen, den Suizid als besten Ausweg ansehen. Gerade in Zeiten demografischen Wandels, in denen die Zahl älterer pflegebedürftiger Menschen zunimmt, müssen die so dringend wichtigen Anstrengungen für die Absicherung der Pflegeversicherung und der Pflegeinfrastruktur durch gesetzliche Maßnahmen der Suizidprävention ergänzt werden,“ so Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa. „Die Menschen brauchen die Gewissheit, dass ihr Leben auch im Fall von Krankheit und Pflegebedürftigkeit wertvoll und schützenswert ist.“

Zur Regulierung des assistierten Suizids müssen nach Auffassung des größten deutschen Wohlfahrtsverbands gesetzliche Vorgaben geschaffen werden. Bereits im letzten Jahr wünschten sich über 80 Prozent der befragten Altenhilfeeinrichtungen des Caritasverbandes eine explizite rechtliche Regulierung der Suizidhilfe, die mehr Klarheit schafft. 64 Prozent bestätigten, dass die aktuelle rechtliche Situation mit Unsicherheiten verbunden sei, etwa weil nicht klar sei, welche Rechte Suizidhilfevereine bei Zutritt und Werbung in den Einrichtungen haben.

„Es kann nicht sein, dass beim assistierten Suizid die Beurteilung der entscheidenden Fragen zur Selbstbestimmung denen überlassen wird, die Suizidhilfe als Geschäftsmodell betreiben. Besonders für vulnerable Gruppen wie ältere Menschen ist eine gesetzliche Klarstellung unabdingbar“, so Welskop-Deffaa. Es müsse so wirksam wie möglich verhindert werden, dass ältere Menschen sich dem Druck ausgesetzt sehen, sich mit Angeboten der Suizidhilfe auseinandersetzen zu müssen. „Das Bundesverfassungsgericht hat deutlich klargestellt, wie groß in unserer Gesellschaft bei der Entscheidung für einen Suizid die Gefahren einer fremdbestimmten Einflussnahme und fehlenden Freiverantwortlichkeit sind,“ betont die Caritas-Präsidentin.

„Diese Situation ist schlicht unerträglich. In der neuen Legislaturperiode gehören die Stärkung der Suizidprävention und die Regulierung der Suizidassistenz als wichtige Teile eines Gesamtpakets sozialer Fürsorge oben auf die politische Agenda“, so Welskop-Deffaa.