Angehörige

Wie Pflegedienste Sorgegemeinschaften vor Ort aktivieren und stärken können

Mehr als 80 Prozent der Pflege in Deutschland findet im privaten Umfeld statt – in Familien, Nachbarschaften, kleinen Netzwerken. Diese Realität steht im Zentrum des Workshops von Stefan Block auf dem LUNA-Kongress – der Leitkongress und Netzwerkplattform für die ambulante Pflege – am 10. und 11. September 2025 in Essen. Der ASB-Fachdozent und langjährige Pflegebotschafter bringt dabei einen Perspektivwechsel mit: „Pflege wird künftig nur gelingen, wenn wir die lokalen Sorgegemeinschaften erkennen, einbinden und stärken.“

Foto: Florian Arp Stefan Block ist ehemaliger ­Geschäftsführer der ASB Ambulante Pflege Bremen.

In seinem Workshop lädt Block dazu ein, Pflege im Quartier neu zu denken. Wer ist beteiligt? Wer leistet heute schon Care-Arbeit – oft im Verborgenen? „Wir sprechen von Young Carern, von Angehörigen, Nachbarn. Diese Menschen sind längst Teil des Systems – aber häufig unsichtbar“, erklärt Block. Seine zentrale Frage: Wie können Pflegedienste diese persönlichen Sorge-Netzwerke erfassen, begleiten, stärken?

Dabei geht es auch um die Rolle der Dienste selbst: Sind sie ausreichend im Quartier verankert? Nutzen sie die vorhandenen Ressourcen? Beratung nach § 37.3 und § 7a SGB XI kann hier zur Brücke werden – vorausgesetzt, sie wird als aktive Anleitung verstanden und nicht nur als Pflichtangebot.

Beratung neu gedacht – als Ermöglichung

Die Idee der „Befähigung“ zieht sich wie ein roter Faden durch Blocks Zugang zur Pflege. Orientierung bietet ihm dabei Konrad Hummel, der Altenhilfe 1991 als Ermöglichungsstruktur beschrieb. Auch im Workshop geht es nicht um Rezepte, sondern um Anregungen: „Ich möchte Ideen setzen, Spuren legen – und dazu motivieren, vor Ort selbst auf Entdeckung zu gehen“, so Block.

Denn: Die Bedingungen für Pflege verändern sich radikal. Immer weniger beruflich Pflegende treffen auf immer mehr Unterstützungsbedürftige. Für Block ist klar: Die Antwort liegt nicht nur im System, sondern auch im Umfeld – im Quartier, in der Gemeinde, im Dialog.

Pflege braucht Dialog, Vielfalt und Vernetzung

Block versteht die LUNA als Raum für genau diesen Dialog: „Die Vielfalt besiegt immer die Einfalt“, sagt er mit Blick auf die multiprofessionellen Netzwerke, die gute Pflege heute braucht. Der Kongress sei ein Ort, an dem Impulse, Provokationen und Wertschätzung zusammenkommen – nicht zuletzt durch Formate wie den LUNA Award. Besonders wichtig ist ihm der Austausch mit anderen Referierenden und Teilnehmenden: „Niemand ist fertig – wir sind alle auf dem Weg. Und das ist gut so.“

Sein Workshop richtet sich an alle, die Pflege weiterdenken wollen – ganz besonders an Pflegeberater*innen und Führungskräfte. Oder, wie Block es selbst formuliert: „Spannende, anregende Dialoge mit engagierten Menschen aus dem Pflegebereich, sowie viel, viel Wertschätzungskultur – das macht den LUNA-Kongress so einzigartig.“

Mehr zum Kongress finden Sie auf der Eventwebsite