Angehörige

Häusliche Pflege endlich wirkungsvoll stärken

Zum Jahresbeginn 2024 werden die Forderungen des Bundesverband „wir pflegen“ nachn einem Paradigmenwechsel in der Pflegepolitik lauter. Auf einem 30-seitigen Positionspapier mit dem Titel „Häusliche Pflege endlich wirkungsvoll stärken“ werden konkrete Vorschläge formuliert.

Edeltraut Hütte-Schmitz, Vorstand im Bundesverband wir pflegen e.V. Foto: Fotografie Anneser

In dem 30-seitigen Positionspapier „Häusliche Pflege endlich wirkungsvoll stärken“ wolle der Verein „wir pflegen“ aufzeigen, dass die Leistungsausgaben der Sozialen Pflegeversicherung für die häusliche Pflege lediglich 50 Milliarden Euro betragen, weitere 74 Milliarden Euro, auf die Haushalte mit Pflegebedarf Anspruch hätten, jedoch ungenutzt liegen bleiben – zumeist aufgrund fehlender passgerechter Angebote. Dabei bezieht sich der Verband maßgeblich auf Informationsquellen der Bundesregierung und der Pflegeversicherungen.

„Die großen Verlierer sind Haushalte mit intensivem Pflegebedarf, mit Kindern, Erwachsenen oder Senioren mit Pflegegraden 4 oder 5. Hier kündigen immer mehr Pflegedienste die häusliche Versorgung und lassen pflegende Angehörige im Stich“, erklärt Edeltraut Hütte-Schmitz aus dem Bundesvorstand die prekäre Situation. „Hier fordert die Interessenvertretung pflegender Angehöriger zunächst, die zunehmende Praxis der Pflegetriage abzuschaffen und mit einer Priorisierung zu ersetzen, die pflegenden Haushalten in größter Not Priorität einräumt.“

Gleichzeitig fordert der Verein flexiblere Rahmenbedingungen für Selbstbestimmung in der häuslichen Pflege zu schaffen, die Inanspruchnahme von Leistungsansprüchen zu flexibilisieren und mehr zivilgesellschaftliche Pflegeinitiativen zu stimulieren und in die kommunale Entwicklung von Entlastungsangeboten einzubeziehen.

„Unsere Sozialgesetzgebung behauptet, dass Pflegeversorgung eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung ist,“ erklärt Wissenschaftlerin Prof. Dr. Notburga Ott, Mitglied der Fachkommission Pflegepolitik des Bundesverbands. „Doch davon sind wir leider noch weit entfernt. Jetzt mehr denn je müssen Politik und Gesellschaft handeln, um neue zivilgesellschaftliche Initiativen anzuregen und zu versuchen, den Fachkräftemangel zu kompensieren.“