Nachrichten

Pflegekammer Rheinland-Pfalz: Gesellschaftsjahr kann Pflege und Zusammenhalt stärken

Die Pflegekammer Rheinland-Pfalz hat sich in einem Positionspapier unter bestimmten Voraussetzungen für ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr ausgesprochen. Ziel ist es, junge Menschen früh für Pflegeberufe zu gewinnen und die gesellschaftliche Verantwortung zu fördern. Voraussetzung sei jedoch die gleichzeitige Wiedereinführung der Wehrpflicht für alle Geschlechter.

Ein Gesellschaftsjahr oder ein gestärkter Freiwilligendienst könne jungen Menschen praxisnahe Einblicke in soziale Berufe ermöglichen, Berufsorientierung fördern und die soziale Infrastruktur stützen, sagt die Pflegekammer Rheinland-Pfalz. Foto: Adobe Stock/Simon Kraus

Bleibt der Wehrdienst freiwillig, setzt die Pflegekammer auf ein alternatives Modell: Alle Schulabgänger sollen vor Abschluss der Schulzeit gefragt werden, ob sie Interesse an einem Freiwilligendienst haben. Wer sich dafür entscheidet, soll einen Rechtsanspruch auf einen Platz erhalten.

Erhebliches Entlastungspotenzial

Ein Gesellschaftsjahr oder ein gestärkter Freiwilligendienst könne jungen Menschen praxisnahe Einblicke in soziale Berufe ermöglichen, Berufsorientierung fördern und die soziale Infrastruktur stützen. Geht man davon aus, dass etwa 20 Prozent eines Jahrgangs in die Pflege gehen würden, könnten deutschlandweit bis zu 150.000 zusätzliche Helfer jährlich Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und ambulante Dienste unterstützen – eine spürbare Entlastung für das Personal.

Klare Rahmenbedingungen gefordert

Die Pflegekammer fordert für die Umsetzung klare Rahmenbedingungen: eine angemessene Vergütung (mindestens in Höhe des BAföG-Höchstsatzes), soziale Absicherung (Rentenpunkte, Kindergeld, Arbeitslosenversicherung, kostenloser ÖPNV), qualifizierte Praxisanleitung, einfache, digitale Verfahren zur Anmeldung sowie eine regelmäßige Evaluation der Wirksamkeit.

Gerechtigkeit als Voraussetzung

Ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr sei aus Sicht der Kammer nur dann gerechtfertigt, wenn militärische und soziale Dienste gleichermaßen für alle Geschlechter gelten. Andernfalls müsse der freiwillige Weg gestärkt und verlässlich abgesichert werden.

Die Pflegekammer ruft die Landespolitik auf, Konzepte für die rechtliche und organisatorische Umsetzung zu entwickeln, Pilotprojekte zu starten und die Auswirkungen auf Ausbildung, Pflegequalität und Fachkräftesicherung frühzeitig zu prüfen.