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bad sieht Bund bei ambulanter Pflege in der Pflicht

Der Kanzleramtschef erwartet mehr Pflegebedürftige in Heimen. Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) weist darauf hin, dass ohne Stärkung der ambulanten Pflege ein Versorgungsnotstand droht.

Jasmin Arbabian-Vogel, Geschäftsführerin der „Interkultureller Sozialdienst GmbH“ Foto: Martin Huch

Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) rechnet laut seiner jüngsten Aussagen mit einem steigenden Anteil von Pflegebedürftigen, die künftig in stationären Einrichtungen versorgt werden müssen. Daraus leitet er die Notwendigkeit ab, das stationäre Pflegeangebot auszubauen. Frei bezeichnet die Pflegeversicherung dabei als eine „Riesenherausforderung“, vor der das System stehe.

Zustimmung erhält diese Einschätzung teilweise vom Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad). Der Verband begrüßt, dass die prognostizierte Entwicklung der Pflegebedürftigkeit inzwischen auch auf höchster Regierungsebene benannt wird. Jasmin Arbabian-Vogel, 2. Vorsitzende des bad-Bundesvorstandes und Betreiberin mehrerer Pflegeangebote in Niedersachsen, sieht darin ein überfälliges Signal. Mehr Pflegebedürftige bedeuteten zwangsläufig, dass zusätzliche Kapazitäten benötigt würden, insbesondere auch in stationären Einrichtungen, so Arbabian-Vogel laut bad e.V.

bad-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kapp ergänzt: „Frei bezeichnet die Pflegeversicherung richtigerweise als Riesenherausforderung. Seit Jahren warnen wir davor, dass eine flächendeckende Versorgung aller Pflegebedürftigen zukünftig nicht mehr möglich sein wird. Hinzukommt das Finanzierungsdefizit in der Pflegeversicherung. Dennoch zieht Kanzleramtschef Frei nicht konsequent die richtigen Schlüsse im Hinblick auf die Entwicklung der Pflegebranche. Mehr Pflegebedürftige im System bedeuten aber auch, dass mehr ambulante Versorgungen erforderlich sind. Der Ausbau des Pflegeangebots ist in allen Versorgungsformen zwingend erforderlich.“

Als Betreiberin ambulanter Versorgungsangebote weiß Jasmin Arbabian-Vogel wie wichtig das ambulante Angebot für die Pflegebedürftigen ist. Ein Kollaps dieses Sektors würde einen Versorgungsnotstand bedeuten, der auch durch einen Ausbau stationärer Plätze nicht ausgeglichen werden kann. „Die Herausforderungen, die die demografische Schieflage für die pflegerische Versorgung mit sich bringt, kann nicht bewältigt werden, indem man bestehende und gewünschte Strukturen – mehr als 70 Prozent der Pflegebedürftigen möchten zu Hause gepflegt werden – kleinredet. Dazu kommt: Es ist nicht nur die Aufgabe der Bundesregierung die Strukturen der ambulanten Pflege nachhaltig zu sichern, es ist auch ihre Pflicht. Dies regelt im Übrigen auch das SGB XI selbst mit dem Grundsatz ‚ambulant vor stationär‘.“

Kapp mahnt: „Die Chancen etwas zu verändern werden weniger. Es ist dringend notwendig, jetzt entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehört unter anderem die auskömmliche Refinanzierung der Tariftreuepflicht, aber auch die Neugestaltung der Finanzierung der Pflegeversicherung. Es ist Zeit, die rosarote Brille endgültig abzusetzen, die Realität zu erkennen und entsprechend zu handeln!“