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Tarifkonflikt bei der AWO in NRW: Staffelstreik trifft auch die Pflege
Nach zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden zwischen ver.di und den AWO-Arbeitgebern in Nordrhein-Westfalen hat die Gewerkschaft einen regionalen Staffelstreik gestartet. Rund 500 Beschäftigte legten am 17. Februar die Arbeit nieder – betroffen sind neben Kitas auch Pflege- und Senioreneinrichtungen. Die Fronten scheinen verhärtet: Ver.di fordert 500 Euro mehr, die Arbeitgeber sprechen von einem „PR-Gag“.
Am Dienstag, dem 17. Februar, haben laut ver.di NRW rund 500 AWO-Beschäftigte in Bochum, Bottrop, Recklinghausen, Herne und Gelsenkirchen ganztägig gestreikt. Die Arbeitsniederlegungen betrafen unter anderem den offenen Ganztag, die Pflege- und Seniorenarbeit, die Behindertenhilfe, die Jugend- und Familienhilfe sowie Verwaltung und Ausbildung. Der Schwerpunkt lag laut Gewerkschaft in Kindertagesstätten. Weitere Streiktage folgten unmittelbar in Düsseldorf (18. Februar) und Bielefeld (19. Februar). Zusätzliche Stationen will ver.di zeitnah bekanntgeben.
Der Arbeitskampf hat eine Vorgeschichte, die bis in den Januar zurückreicht. Bereits in der ersten Verhandlungsrunde am 20. Januar in Düsseldorf prallten die Positionen aufeinander. Ver.di legte seine Forderungen vor – die Arbeitgeberseite reagierte mit scharfer Ablehnung und präsentierte ihrerseits kein Gegenangebot.
Gero Kettler, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes AWO Deutschland, bezeichnete die Gewerkschaftsforderungen als „völlig überzogen“. Im Durchschnitt entspräche die geforderte Pauschale einer Lohnsteigerung von rund 13 Prozent. „Das können wir nicht ernst nehmen“, sagte Kettler. Er verwies auf „massive Verschiebungen zwischen den Sozialhaushalten des Bundes und der Länder“, die den finanziellen Spielraum aller Träger sozialer Arbeit verengten. Uwe Hildebrandt, Geschäftsführer der AWO NRW, nannte die 500-Euro-Forderung einen „PR-Gag“ für die Mitgliederwerbung der Gewerkschaft. Bundesweit verhandele ver.di mit anderen Tarifparteien deutlich moderater, so die Arbeitgeberseite.
Auch die zweite Verhandlungsrunde am 10. Februar blieb laut ver.di ergebnislos. Die Arbeitgeber legten erneut kein Angebot vor und kündigten an, erst zur dritten Runde am 4. März eines präsentieren zu wollen. Die ver.di-Forderungen wiesen sie laut Gewerkschaft als „realitätsfern und provokativ“ zurück. Zwar habe die Arbeitgeberseite ansatzweise Bereitschaft gezeigt, über Entgelterhöhungen zu sprechen – die dabei skizzierten Überlegungen blieben laut ver.di jedoch weit hinter den Erwartungen der Beschäftigten zurück.
Ver.di fordert für die rund 50.000 AWO-Beschäftigten in NRW eine pauschale Entgelterhöhung von 500 Euro monatlich für Vollzeitkräfte sowie eine entsprechende Erhöhung für Teilzeitkräfte. Auszubildende sollen 300 Euro mehr erhalten. Hinzu kommen Verbesserungen für Nachwuchskräfte: ein zusätzlicher Urlaubstag für Auszubildende, die Anpassung von Zulagen und Zeitzuschlägen, eine höhere Jahressonderzahlung sowie die Tarifierung dual Studierender und studienintegrierter Praktika. Außerdem verlangt die Gewerkschaft drei zusätzliche freie Tage pro Jahr – allerdings ausschließlich für ver.di-Mitglieder.
Die Arbeitgeber betonten, in der Vergangenheit „immer gute Abschlüsse“ erzielt zu haben. Die Schließung der Entgeltlücke zum öffentlichen Dienst sei stets eine zentrale ver.di-Forderung gewesen, der man nachgekommen sei, so Kettler.
Ver.di-Verhandlungsführerin Susanne Hille sieht das anders: „Ohne ein verhandlungsfähiges Angebot, das den steigenden Belastungen und der finanziellen Situation der Beschäftigten gerecht wird, kann von ernsthaften Tarifverhandlungen keine Rede sein.“ Die Gewerkschaft bereite sich darauf vor, den Druck in den kommenden Wochen weiter zu erhöhen.
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