Nachrichten

„Unternehmerischer Selbstmord“: Pflegedienstchefin rechnet mit System ab

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Mecklenburg-Vorpommern steigt auf 140.000, doch immer mehr ambulante Pflegedienste geben auf. Jessica Mendle (FDP), Inhaberin der Ora Cura Intensiver Pflegedienst GmbH und stellvertretende Vorsitzende des Vereins Zukunftsfeste Pflege, fordert eine radikale Bürokratie-Entlastung, schnellere Refinanzierung und mehr Kompetenzen für Fachkräfte.

Jessica Mendle ist Inhaberin der Ora Cura Intensiver Pflegedienst GmbH. Foto: FDP MV

Ambulante Pflegedienste müssten Tariflöhne über Monate vorstrecken, während bürokratische Auflagen sie gleichzeitig lähmten, kritisiert Mendle, die für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern auf Listenplatz 2 für die FDP gesetzt wurde. „Das ist kein tragbares System mehr – das ist unternehmerischer Selbstmord“, so die Pflegedienst-Geschäftsführerin. Viele Träger gäben auf, bevor die Insolvenz sie ereile. Besonders im ländlichen Raum drohe ein Versorgungskahlschlag, der sich nicht kurzfristig beheben lasse.

Aus Mendles Sicht sind drei Punkte zu beheben:

  • „Schluss mit Zettelwirtschaft: Dokumentationspflichten müssen radikal entschlackt werden. Pflege gehört an den Menschen, nicht in den Aktenordner!“
  • „Geld muss fließen: Wir brauchen Lichtgeschwindigkeit bei Refinanzierungen und der „Hilfe zur Pflege“. Dienste sind keine Banken für langsame Behörden“
  • „Mut zur Kompetenz: Pflegefachkräfte brauchen endlich mehr Befugnisse vor Ort. Gleichzeitig muss die Anwerbung internationaler Talente endlich pragmatisch statt dogmatisch gelöst werden.“ (Zitat Mendle)

Ohne sofortige Reformen riskiere man, dass Pflegebedürftige und ihre Angehörigen am Ende ohne professionelle Unterstützung dastünden, warnt Mendle. Die Landesregierung müsse jetzt handeln – „sonst ist der Pflegekollaps nicht mehr abwendbar“.